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Hinterland Warten auf Frau Holle und Väterchen Frost
Landkreis Hinterland Warten auf Frau Holle und Väterchen Frost
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00:18 10.01.2019
Skifreunde im Hinterland hoffen, dass sich bald noch gute Wintersportbedingungen einstellen. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
Gladenbach

Ab dieser Saison findet kein Winter- und somit auch kein Liftbetrieb im Freizeitzentrum Sackpfeife mehr statt. Grund dafür sind der marode Skilift und die fehlende gastronomische Betreuung: Die Berghütte wurde Anfang Mai 2017 ein Raub der Flammen. Auf ihrer Homepage weist die Stadt Biedenkopf auf diesen Umstand hin, bittet um Verständnis und empfiehlt die Wintersportgebiete und Skipisten im Lahn-Dill-Bergland, Wittgensteiner Land sowie im Sauerland und Wal­decker Upland.

Günstige Schneeverhältnisse­ machten die mit 647 Metern höchste Erhebung im Landkreis jahrzehntelang zu einem beliebten Wintersportgebiet mit Abfahrt- und Langlaufmöglichkeiten. Selbst wenn im Tal kein Schnee mehr lag, war auf dem Sackpfeifen-Plateau zumindest noch Langlauf möglich.

Wer auf eigene Gefahr bei ausreichend Schnee auf der Sackpfeife Schlitten fahren möchte­ und nach der Abfahrt bereit ist, den Hang hinauf zu kraxeln, der sollte sich ausreichend Verpflegung und Getränke mitnehmen. Die Rodelbahn für Jugendliche und Erwachsene in unmittelbarer Nähe der Sommerrodelbahn bietet eine kurvige,­ ­rasante Abfahrt ins Tal.

Ohne Kunstschnee geht es in Kleingladenbach nicht

Während auf der Piste der Sackpfeife eine dünne Schneedecke liegt, dominiert auf dem Südhang in Kleingladenbach zurzeit noch die Farbe Grün. Der Skiclub Kleingladenbach ist als Betreiber aber nicht alleine auf Frau Holle angewiesen. Wenn‘s fehlt, wird dort nämlich Kunstschnee hergestellt. Damit die fünf Schneekanonen opti­mal funktionieren, muss der ­Boden gut durchgefroren sein.

„Wir warten darauf, dass die Temperaturen auf fünf bis sieben Grad unter null fallen“, sagt Vereinsvorsitzender Udo Achenbach und berichtet weiter: „Wir haben schon den ersten Probelauf erfolgreich absolviert. Die Wasserreservoirs sind gefüllt.“

Das aus den Kanonen ausgestoßene Wasser fällt in Form von Eiskristallen zu Boden und muss über der gesamten 680 Meter lange Piste verteilt werden, die eine Höhendifferenz von etwa 180 Metern aufweist und teilweise bis zu 100 Prozent Gefälle hat. Dieses rasante­ Teilstück lässt sich aber bequem umfahren, so dass auch weniger erfahrene Wintersportfreunde sowie Kinder gefahrlos ins Tal gelangen können. Unten in der Talstation kann man sich aufwärmen. Bei einsetzender Dämmerung wird der Hang von einer Flutlichtanlage komplett ausgeleuchtet.

„Ohne Kunstschnee geht es nicht“, betont Achenbach und kündigt an: „Vorrangig werden wir das Skischulgelände beschneien.“ Das gehe schnell. Die Schule sei eine wichtige­ Einnahmequelle für den 480 Mitglieder zählenden Verein. Auf dem Dienstplan sind – nach seinen Worten – pro Woche 70 bis 80 Helfer eingeplant, jeden Tag sieben bis acht Mann, an den Wochenenden arbeitet ­eine Doppelschicht, von morgens bis abends. „Soviel Leute brauche ich“, betont er. Hinzu kommen die Mitglieder, die nachts die Pisten vorbereiten und tags am Übungshang den Betrieb der Skischule gewährleisten. „Wir betreiben einen großen Aufwand und wünschen uns deshalb außer Minusgraden ein wenig Naturschnee, damit es auch rundherum winterlich weiß ist“, sagt Udo Achenbach.

Skiclub Holzhausen wünscht sich Wetter wie 2017

Die Abfahrten der beiden kleinen Hinterländer Vereine stehen im Schatten der großen Anlage in Kleingladenbach. Der Skiclub in Holzhausen erlebte 2017 die beste Saison seit vielen Jahren. Die Voraussetzungen waren ideal. Nachts war es knackig kalt, der Schnee überfror und bildete eine feste Grundlage. Darauf konnte man hervorragend fahren. Solche idealen Bedingungen wünscht sich der Club auch in dieser Saison. Auf dem Holzhäuser Schlossberg verrichteten die Mitglieder bereits im Herbst vergangenen Jahres die ersten vorbereitenden Arbeiten. Die im Wald gelegene Piste wurde freigeschnitten. Zum Schluss wurde das Liftseil aufgezogen.

Der letzte nennenswerte Schneefall auf der Piste in Hartenrod wurde am 20. November vergangenen Jahres registriert. So wie in Holzhausen sind auch die Skifreunde in Hartenrod auf ausreichend Naturschnee und günstige Witterungsverhältnisse angewiesen. Anders als der Skiclub in Kleingladenbach besitzen die beiden Vereine nämlich keine Schnee-Kanonen. Die weiße Pracht muss da schon selbstständig vom Himmel fallen. Jörg Pfeiffer, Vorsitzender des Skiclubs Hartenrod blickt zufrieden zurück: „Vor Weihnachten und zwischen den Jahren haben wir die letzten Vorbereitungen getroffen. Die Liftanlage ist geprüft, die Fahrzeuge sind gewartet. Bereits im Spätherbst haben Mitglieder in Eigenleistung die marode Heizung in die Skihütte durch eine neue ersetzt. „Wir sind gut gerüstet“, freut sich Pfeiffer.

von Hartmut Berge

Mehr Infos zu den vier Skigebieten gibt es auf den Internetseiten www.skiclub-holzhausen.de, www.skiclub-kleingladenbach.de (mit Webcam) sowie www.skiclub-hartenrod.de.

Wintersport in der Nähe

Das Skigebiet in Willingen zählt zu den fünf höchstgelegenen in Hessen. Die Autofahrt dorthin dauert gut anderthalb Stunden.

Durch den gefallenen Schnee und den Betrieb der Beschneiungsanlagen haben sich die Wintersportmöglichkeiten auf den Skipisten verbessert. Bei einer Schneehöhe von 20 Zentimetern bestehen zurzeit teilweise recht gute Wintersportmöglichkeiten.

„Ski und Rodel gut“ heißt es im etwa 70 Kilometer entfernt gelegenen Winterberg. In dem beliebten Wintersportort in Nordrhein-Westfalen werden 81 Abfahrten angeboten.