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Hinterland „Wintereinbruch“ bleibt aus
Landkreis Hinterland „Wintereinbruch“ bleibt aus
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00:15 10.01.2014
Am Dienstag hat die Agentur für Arbeit unter anderem die neuen Arbeitsmarktzahlen für den Kreis Marburg-Biedenkopf bekanntgegeben. Quelle: Bernd Wüstneck / ZB
Marburg

„Schön sieht es aus, kann man sagen“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit in Marburg. Denn im Dezember waren 5266 Menschen im Landkreis arbeitslos gemeldet, was laut Breustedt „einem Minus im Vergleich zum Vorjahr von 6,8 Prozent entspricht. Das ist ein Top-Wert.“

Auch im Landkreis blieb der saisonbedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht aus: Im Vergleich zum November suchten 169 Menschen mehr nach Arbeit. Doch der große „Wintereinbruch“ blieb aus.

Die Arbeitslosenquote im Landkreis beträgt 4,1 Prozent, im Vergleich zu 4,4 Prozent im Vorjahresmonat. „Vor allem in unseren Geschäftsstellen Biedenkopf und Stadtallendorf hat sich sehr viel getan.“ Lag im Hinterland im Dezember 2012 die Quote noch bei 3,7 Prozent, sank sie zum vergangenen Dezember auf 3,3 Prozent.

Stadtallendorf im Aufschwung

„Und Stadtallendorf ist richtig aus dem Tal der Tränen gekommen“, sagt Breustedt: Dort liegt die Arbeitslosenquote bei 4,3 Prozent, im Vorjahresmonat waren es noch 5,3 Prozent. Der Agenturleiter sieht die Gründe für diese „extrem positive Entwicklung“ bei der verarbeitenden Industrie und in der Produktion. „Große Gewinner sind Neustadt, Stadtallendorf und Wohratal mit jeweils um die 20 Prozent weniger an Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr“, so Breustedt. Schlechter sieht es indes für Breidenbach und Fronhausen aus: Dort stieg die Arbeitslosenquote um 12,7 und 10,9 Prozent.

Generell schmelze die Arbeitslosenzahl im Rechtskreis des SGB III, also bei den versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen, noch nicht so stark ab: „Dort haben wir 2183 Arbeitslose, was einem Minus von 2,4 Prozent entspricht.“ Dem gegenüber stünden 3083 Arbeitslose im Rechtskreis des SGB II, „das entspricht bei den Langzeitarbeitslosen einem Minus von 9,7 Prozent.“

Die großen Gewinner seien die Jugendlichen gewesen: Dort sank binnen Jahresfrist die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB III von 367 auf 277, was einem Minus von 24,5 Prozent entspricht.

Ungünstiger sehe es bei den Zahlen der Langzeitarbeitslosen aus, die um 1,5 Prozent gestiegen seien. Bei den Schwerbehinderten stieg die Arbeitslosenzahl gar um 1,8 Prozent. „Und bei den Menschen über 55 ist die Zahl der Arbeitslosen nur um 1,5 Prozent gesunken“, so Breustedt. Und im SGB III gab es sogar einen Zuwachs von 9,3 Prozent.

Keine Wohltaten, sondern Kampf gegen Fachkräftemangel

„Da müssen wir was tun. Daher werden wir ein Projekt mit fünf neuen Kollegen starten, die sich nur um Menschen über 50 kümmern werden“, sagt Breustedt. Durch gezielte Betreuung und gezielte Arbeitgeberansprache wolle man versuchen „noch brachliegende Potenziale zu erschließen.“ Dabei gehe es nicht um soziale Wohltaten: „Es geht darum, den Arbeitskräftebedarf in der Region auch stillen zu können“, stellt Breustedt klar.

Im Dezember wurden der Arbeitsagentur 473 neue Arbeitsstellen gemeldet, 57 oder 10,8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Gegenüber November meldeten die Arbeitgeber indes 48 mehr Stellen, was einem Zuwachs von 11,3 Prozent entspricht. 327 der Stellen wurden in Marburg gemeldet, 64 in Stadtallendorf und 82 in Biedenkopf.

333 weniger Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist zum Jahresende nur leicht angestiegen. Das KreisJobCenter weist für diesen Monat insgesamt 3083 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Vormonat November ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen damit um 43 Personen gestiegen, was einem Zuwachs von 1,4 Prozent entspricht. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 333 Menschen gesunken – ein Minus von 9,7 Prozent. Unverändert bei 2,4 Prozent blieb die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger gegenüber dem November. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,7 Prozent.

„Der geringe Anstieg ist jahreszeitlich bedingt und überrascht nicht“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern. „Wir rechnen aus Erfahrung zum Jahreswechsel mit einer gewissen Stagnation am Arbeitsmarkt, da das Winterwetter die Beschäftigungschancen mindert“, so McGovern.

Auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist in diesem Monat wieder leicht angestiegen, so dass mehr Menschen im Landkreis auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 92 (plus 1,6 Prozent) auf insgesamt 5913. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Rückgang um 408 oder 6,5 Prozent. Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum November ein Anstieg um 1,1 Prozent auf 7648 Personen zu verzeichnen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 7,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einer Reduzierung um 615 Personen.

von Andreas Schmidt