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„Wink“ mit Luftgewehr kostet 200 Euro Buße

Gerichtsverhandlung „Wink“ mit Luftgewehr kostet 200 Euro Buße

Wild-West-Manieren im betrunkenen Zustand hielt Richter Mirko Schulte einem 47-jährigen Hinterländer vor, der in einem Streit seine Mieterin mit einem Luftgewehr durch das Wohnzimmerfenster bedroht hatte.

Biedenkopf. Diese Tat legte Oberamtsanwalt Jürgen Noll von der Staatsanwaltschaft Marburg dem Angeklagten zur Last, die dieser am 1. Februar gegen 13.45 Uhr verübt haben soll und dabei mit 1,95 Promille im Blut unter Alkoholeinfluss stand.

Der 47-jährige Frührentner gab den Vorwurf unumwunden zu, auch dass er zum Tatzeitpunkt betrunken gewesen sei. Er habe bei seiner Mieterin, die aus der Wohnung ausziehen wollte, den Wasserzähler ablesen wollen. Diese habe ihn jedoch nicht hineingelassen.

Zudem sei die Frau von Grund auf zänkisch gewesen und habe auch seine Mutter einmal die Treppe hinunterstoßen wollen. Da sei ihm der Gedanke mit dem Luftgewehr gekommen. Warum er dies getan habe, könne er nicht mehr sagen. Er müsse wohl einen Filmriss gehabt haben. Eigentlich habe er das Gewehr längst abgeben oder mit der „Flex“ zerschneiden wollen. Er habe auf keine Person gezielt und zudem sei das Gewehr nicht geladen gewesen.

Schulte wollte von dem Mann wissen, woher dieses Luftgewehr stamme und was mit diesem geschehen soll. Dazu berichtete der Angeklagte, dass sein Vater dieses einmal seinem Cousin abgenommen habe und dass das Gewehr verschrottet werden könne.

Schulte verlas eine polizeiliche Aussage der Mieterin, wonach der Angeklagte sich durch lautes Klopfen am Fenster bemerkbar gemacht und mit dem Gewehr gedeutet habe. Ihre Kinder hätten sich vor Schreck auf den Boden fallen lassen und der Mann habe mit erhobener Faust gedroht. Der Richter legte dem Mann nahe, sich schriftlich bei seiner Mieterin zu entschuldigen und eine Alkoholkonsum-Beratung in Anspruch zu nehmen. Der 47-Jährige stimmte zu.

Noll hielt dem Angeklagten zugute, dass dieser nicht vorbestraft sei und lediglich in die Wohnung gezielt habe. Dies müsse nicht unbedingt zu einer Verurteilung führen und beantragte eine Geldbuße für eine gemeinnützige Einrichtung, wenn der Angeklagte sich schriftlich entschuldige und eine ambulante Beratung wegen seiner Alkoholprobleme angehe.

Schulte stellte das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 200 Euro an eine Familienberatungsstelle für vier Monate vorläufig ein. Außerdem muss der Angeklagte die Hilfe einer Drogenberatung in Anspruch nehmen und mindestens fünf therapeutische Einheiten absolvieren. Das Entschuldigungsschreiben an die Mieterin ist dem Gericht zu übergeben, was dieses weiterleitet.

von Helga Peter

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