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Windpark: Entscheidung am 12. März

Bottenhorn Windpark: Entscheidung am 12. März

Zum geplanten Projekt „Windpark am Hilsberg“ will die Gemeindevertretung Bad Endbach am Montag, 12. März, einen Beschluss fassen.

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Im Dreieck zwischen Steinperf, Bottenhorn und Holzhausen (rechts) sollen die Windkraftanlagen auf dem Hilsberg entstehen. Der Standort 6 wird auf Bitten der Bad Endbacher Delegation auf Zulässigkeit überprüft und war nicht Gegenstand der Mediation.

Quelle: Alexander Pavlenko

Bottenhorn. In der Bürgerversammlung am Donnerstagabend wurde den Bottenhorner, Dernbacher und Hülshofer Bürgern das 23-Millionen-Euro-Projekt vorgestellt. Die Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen und Bedenken zu dem geplanten Windpark vorzutragen.

Parlamentschef Claus Lixfeld stellte zur Eröffnung der Versammlung unmissverständlich klar, dass nur Bürger, die ihren Wohnsitz in der Gemeinde Bad Endbach haben, teilnehmen dürfen. Der Parlamentschef ließ eine aufkommende Diskussion nicht zu, mit der Folge, dass ein offenbar „Ortsfremder“ den Saal verließ.

Im weiteren Verlauf der Versammlung, die anfangs emotional und zum Ende hin relativ ruhig verlief, kristallisierte sich heraus, dass den Bürgern die Fragen rund um den Windpark unter den Nägeln brannten. Das Informationsbedürfnis verstärkte sich, nachdem die Ideenskizze aus der Mediationsrunde mit Friedrich Bohl vom Mittwoch vorgestellt wurde (die OP berichtete).

Ein Bürger stellte fest, dass eine Aufstellung einer Windkraftanlage „Am Scheid“ ein „no go“ ist, da sich dann eine 184 Meter hohe Anlage (inklusive der Rotorblätter) direkt „vor der Haustüre“ befinde. Lixfeld entgegnete, dass die bestehenden Anlagen mit einer Nabenhöhe von 50 Metern seit 1994 in Betrieb sind und etwa 2015 abgebaut und durch neue ersetzt werden könnten. Dass auf der dortigen Windenergie-Vorrangfläche Investoren ohne das Wissen der Gemeinde Grundstücke gekauft haben, um dort zwei Windräder zu errichten, findet er „nicht schön“. Die Gemeinde hat dort eine Veränderungssperre verhängt und führt Gespräche mit den Betreibern, um eventuell eine Ausgleichsfläche zu finden. Lixfeld gab bekannt, dass es zudem das Ziel der Gemeinde sei, eine Bürgerbeteiligung an einer Windkraftanlage zu ermögli­chen. Ob dies erreicht werden kann, wisse er nicht.

Viel Beifall fand der Vorschlag eines Bürgers, der forderte, die bestehenden Bottenhorner Anlagen nicht aufzurüsten und dem Betreiber andere Flächen, eventuell auf der Endbacher Platte, zur Verfügung zu stellen.

Vorgebracht wurde auch, dass durch die Verschiebung der Anlagen, wie dies die neben­stehende Ideenskizze aus der Mediationsrunde vorsieht, zwar die Bürger aus Steinperf und Holzhausen entlastet, jedoch die Bottenhorner Bürger mehr belastet würden.

Ein Bürger wollte wissen, wie und ob sich der Schallpegel durch die geplanten Bottenhorner Anlagen unter Berücksichtigung der eventuellen Gladenbacher Anlagen, die zwischen Rachelshausen und Römershausen entstehen könn­ten, addiere, und kam dabei auf einen Wert von 48 Dezibel. Dem entgegnete Bauamtsleiter Thomas Reuter, dass dann das Projekt nicht genehmigungsfähig sei und verwies darauf, dass die Genehmigung allein in der Hand des Regierungspräsidenten liege, der gegebenenfalls dem Betreiber in Bezug auf die Schallemission Auflagen machen kann.

Ein Hartenroder Bürger regte an, einmal akustisch darzustellen, welcher Geräuschpegel bei 40 Dezibel erzielt werde. Vorgeführt wurde die Lautstärke anhand des Beamers, der – wie ein anderer Bürger versicherte – etwa 30 Dezibel erzeuge.

Vorgeschlagen wurde auch seitens der Bürger, eventuell drei Windkraftanlagen in Bottenhorn und drei weitere auf der Endbacher Platte zu errichten. Dazu sagte Lixfeld, dass sich Planverfahren für weitere Standorte (Endbacher Platte und Schönscheid) noch in der Anfangsphase befindet. Mit einer Genehmigung sei erst 2014 zu rechnen. Die Anlagen am Hilsberg sollten eigentlich schon im November dieses Jahres ans Netz gehen. „Es besteht ein gewisser Termindruck“, sagte Lixfeld.

Reuter führte aus, dass das Ziel der Erzeugung von ausreichend regenerativen Energien innerhalb der Gemeinde mit fünf Anlagen auch im Hinblick auf die Wärmeenergieerzeugung nicht zu erreichen sei.

Im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus der Atomenergie und der bundesweiten Sicherstellung der Strom- und Energieversorgung kam der Bottenhorner Erwin Lang zu der Auffassung, dass für Hessen (Energieerzeugung durch Windkraft derzeit bei 2,8 Prozent) nur auf den Anhöhen der Mittelgebirge Windkraftanlagen installiert werden könnten. Lang zog einen Vergleich mit dem Bau der Eisenbahnlinie (um etwa 1850), die in der damaligen Planung ihren Streckenverlauf auch über Bottenhorn nehmen sollte, was jedoch am Widerstand der Bottenhorner Bürger gescheitert sei, und mahnte, den Fehler der Urväter nicht in Bezug auf die Windkraftanlagen zu wiederholen. Die Erträge aus diesen Anlagen müssten in der Region bleiben, damit nicht Investitionsgesellschaften dies nutzen, um deren Gewinne in Hedgefonds verschwinden zu lassen.

Auf Fragen der Bürger zur Entscheidungsfindung der Gemeindevertretung verwies Lixfeld, der die Sitzung gegen 23 Uhr schloss, auf die Beratung am Samstag, 10. März, in kleinerer Runde – bei der auch die Interessenvertretungen eingeladen sind – und auf die anstehende Gemeindevertretersitzung am 12. März, bei der die Bürger Gelegenheit haben, die Entscheidungsfindung zu verfolgen.

von Helga Peter

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