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Wie beseitigen Sie den Leerstand?

Wahl Wie beseitigen Sie den Leerstand?

Karl-Hermann Bolldorf und Joachim Thiemig beantworten Fragen der Oberhessischen Presse zu lokalpolitischen Themen der Stadt Biedenkopf. Heute nehmen die zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Biedenkopf Stellung zu folgender Frage: „Wie wollen Sie dem Leerstand in der Innenstadt begegnen?“

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Das Fachwerkgebäude Markt 2 wurde von der Stadt gekauft und soll mit Leben gefüllt werden.

Quelle: OP

Karl-Hermann Bolldorf: Durch das „Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK) haben wir einen wichtigen Schritt in eine belebtere Innenstadt gemacht. Durch eine Verkehrsberuhigung im Innenstadtbereich und den Ausbau des Gebäudes Markt 2 wollen wir den Aufenthalt in der Innenstadt – der Kernstadt – für die Bürger angenehmer gestalten.

Die Aktionstage Sommer in der Stadt über den Wettbewerb „Ab in die Mitte“ hat diese positive Belebung bereits spürbar gemacht. Zahlreiche Besucher sind in den belebten Leerstandsgebäuden und am Marktplatz flaniert. Die Ambiente‑
beleuchtung am Markt und hellere Ausleuchtung des Marktplatzes hat sich schon sehr positiv ausgewirkt. Anwohner beschreiben, dass der Marktplatz ruhiger geworden ist und sicherer. Die Postkartenaktion belegt dies mit einem durchweg positiven Feedback.

Im Rahmen meines Wahlkampfes habe ich bewusst einen Schwerpunkt auf den Besuch von Einzelhändlern gesetzt, um deren Arbeit mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Leider habe ich aber auch erfahren müssen, dass guten und wichtigen Angeboten wie beispielsweise der „Latzhose“ von Diakonischem Werk und „Treff“ der Weg in die Innenstadt verbaut wird, weil die dortigen Grundstückseigentümer Mietforderungen stellen, die offensichtlich nicht dem Markt entsprechen. Hier hoffe und erwarte ich auch Bewegung bei den Vermietern in der Kernstadt, schließlich ist es besser, ein Gebäude mit wenig Gewinn zu vermieten, als es leerstehen zu haben.

Joachim Thiemig: Wir brauchen lebendige Zentren, denn die Zentren leben von den Menschen, die dort wohnen, arbeiten und einkaufen. Deshalb ist die Erkenntnis wichtig, dass jede Entscheidung über eine Ansiedlung vor den Toren der Stadt auch eine Entscheidung über das Zentrum ist. Daher muss in allen Stadtteilen die Innenentwicklung Vorrang haben vor der Außenentwicklung.

Wir müssen alle Anstrengungen daran setzen, Geschäfte und Menschen wieder in die Innenstadt zu holen. Manche behaupten, hierfür seien keine Flächen vorhanden. Das stimmt nicht! Wenn man die Innenstadtlage genauer betrachtet, wird man verschiedene Bereiche erkennen, die für eine solche Entwicklung geeignet sind. Allerdings stehen zum Beispiel die Grundstücks- oder die baulichen Verhältnisse dem womöglich zunächst entgegen.

Ich will daher anhand einer Leerstandserfassung mit den Eigentümern intensiv darüber sprechen, Flächen zusammenzulegen und neu zu nutzen. Und ich befürchte, dass die geplante Ansiedlung des Kaufland-Marktes vor den Toren der Stadt unsere Probleme noch verschärft.

Als Entscheidungsgrundlage, in welchen Branchen und Warensortimenten weiterer Bedarf für ergänzende Angebote besteht, brauchen wir daher eine Bestandsaufnahme des Einzelhandels durch Neutrale. Denn wir müssen alles vermeiden, was den vorhandenen Geschäften zusätzlich schadet.

Außerdem werde ich Interessenten beraten und dabei unterstützen, Eigentum im Zentrum zu erwerben. Man muss auch über finanzielle Anreize nachdenken, anstatt Gebiete „auf der grünen Wiese“ für viel Geld neu zu entwickeln. In regelmäßigen Workshops mit Bürgern und anderen Fachleuten, wie Stadt- und Verkehrsplanern, werde ich neue Konzepte entwerfen, die ich gemeinsam mit den Bürgern umsetzen will.

Hierbei kann man auch das Fachwissen und die Ideen der nahen Universität Marburg oder anderer nutzen. Besonders wichtig ist mir dabei, dass diese Prozesse transparent und ergebnisoffen gestaltet werden.
Ältere und nicht mobile Menschen sind besonders auf eine wohnortnahe Versorgung, gegebenenfalls ergänzt um mobile Angebote, angewiesen. Auch hier kann die Stadt vermitteln und unterstützen.

Und die durchgehende behindertengerechte Gestaltung der Gehwege muss – im Dialog mit den Betroffenen – Standard werden. Wir werden uns im Übrigen insgesamt Gedanken auch über die Gestaltung von Verkehrsflächen und Plätzen machen müssen, um mehr Aufenthaltsqualität in den Ortskernen zu erreichen.

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