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Werkzeug dient als Forderungsausgleich

Amtsgericht Werkzeug dient als Forderungsausgleich

Wegen Diebstahls wurden ein Geschäftsführer eines Hinterländer Unternehmens und seine beiden Mitarbeiter zu Geldstrafen auf Bewährung und zu Geldbußen verurteilt.

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Vor dem Biedenkopfer Amtsgericht wurde am Dienstag ein Fall des schweren Diebstahls verhandelt.

Quelle: Gianfranco Fain

Biedenkopf. Gestern wurde ein Verfahren vor dem Amtsgericht Biedenkopf erneut aufgerollt, das am 8. Februar von Richter Mirko Schulte wegen weiterer Ermittlungen ausgesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft warf dem Betriebsleiter einer Hinterländer Firma vor, dass dieser zum Ausgleich seiner Forderung am 28. Januar 2011 einen Anhänger mit Gerüst einer insolventen Firma an sich genommen und des Weiteren am 3. Februar 2011 zwei Zeugen in Bad Endbach obszön beleidigt habe.

Werkzeuge verschwinden aus Werkhalle

Seine 25- und 26-jährigen Mitarbeiter sollen Werkzeuge und Maschinen im Wert von etwa 8.000 Euro aus der Werkhalle entwendet haben. In der vorausgegangenen Verhandlung hatten die Angeklagten die Vorwürfe zugegeben. Der Betriebsleiter gab an, den Anhänger seinem Vermieter bereits wieder zurückgegeben zu haben, weil er ohne Kraftfahrzeugschein wertlos sei.

Schulte hatte das Verfahren wegen weiterer Ermittlungen und der Rückgabe der Werkzeuge über den Insolvenzverwalter ausgesetzt. In der Verhandlung am Dienstag zeigten sich die Angeklagten überrascht über den Verlauf des Verfahrens, zumal es im März Hausdurchsuchungen gab, die das Amtsgericht angeordnet hatte. Sie gaben an, dass sie keinen konkreten Termin für die Rückgabe der Werkzeuge erhalten hätten.

Werkzeuge zur Rückgabe auf Dachboden „gelagert“

So habe einer der Angeklagten Gegenstände für eine Rückgabe in seinem Auto aufbewahrt und der andere Werkzeuge auf dem Dachboden unter einer Decke „gelagert“. Schulte machte den Angeklagten klar, dass es ihre Sache sei, sich um die Rückgabe der Werkzeuge zu bemühen, sei es vor Gericht oder auch in einer Polizeistation.

Der Betriebsleiter erklärte Schulte, weshalb er den Anhänger, zu dessen Unterstand ihm der Vermieter einen Schlüssel aushändigte, genommen habe. Seine Forderung gegenüber der insolventen Firma hätte 1.400 Euro betragen. Zudem habe er gewusst, dass seine Leistungen, die er in einem Partnerverbund erbracht habe, durch den Kunden an die Insolvenzfirma gezahlt worden seien.

Staatsanwältin: schwere Diebstahl und Beleidigung

Der Mann gab zudem an, dass eine bei ihm gefundene „Flex“ aus dem Vermögen seiner Firma stamme, was er belegen könne. Die Angeklagten beteuerten, dass sie sich in puncto Übergabetermin auf ihre Anwälte verlassen hätten.

Staatsanwältin Christine Keil sah die Vorwürfe der Anklageschrift bestätigt. Sie hielt den Angeklagten jedoch zugute, dass diese nicht vorbestraft und geständig gewesen seien, das Diebesgut herausgegeben und sich kooperativ gezeigt hätten. Die Angeklagten hätten sich des Diebstahls in besonders schwerem Fall schuldig gemacht und der Betriebsleiter zusätzlich durch Beleidigung und Bedrohung von Zeugen.

Die Staatsanwältin forderte für die beiden Mitarbeiter Geldstrafen von 40 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro, 40 Tagessätzen zu 45 Euro und für den Betriebsleiter eine Gesamtstrafe von 60 Tagessätzen zu 25 Euro ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre. Des Weiteren Geldbußen von 100 Euro, 200 Euro und für den Betriebsleiter 300 Euro.

Schulte: Selbstjustizist nicht erlaubt

Seinem Urteilspruch legte Schulte die beantragten Tagessätze der beiden Mitarbeiter zu Grunde, minderte jedoch die Geldstrafe für den Betriebsleiter auf 50 Tagessätze zu 25 Euro, belegte denselben mit einer Geldbuße von 300 Euro und setzte die Geldbuße für einen der Mitarbeiter auf 100 Euro und für den anderen als Haupttäter auf 200 Euro fest, die in monatlichen Raten an den Fliedner Verein in Butzbach zu zahlen ist.

Schulte machte den Angeklagten deutlich, dass Selbstjustiz nicht erlaubt sei. Aufgrund der Schlüsselübergabe sah der Richter den Tatbestand des besonders schweren Diebstahls als nicht gegeben an.

von Helga Peter

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