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Hinterland „Wer, wann, warum?“: Autor fragt nach
Landkreis Hinterland „Wer, wann, warum?“: Autor fragt nach
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19:34 23.12.2011
Der Biedenkopfer Thomas Böhle ist Autor des Buches „Auf Biedenkopfer Spuren“, in dem viele historische Fotos (siehe unten) abgebildet sind. Quelle: Björn-Uwe Klein

Biedenkopf. Nicht allein wegen der seit Jahrhunderten stattfindenden Grenzgänge sind die Wälder um Biedenkopf geschichtsträchtige Orte. Anfang des 20. Jahrhunderts hinterließ  dort auch das Kurwesen seine Spuren, das damals in vielen Teilen des Deutschen Kaiserreichs aufblühte. Es war jene Zeit, in der die Natur, speziell der Wald, eine starke Romantisierung erfuhr, in einer Bewegung, in der Pfadfinder oder der Wandervogel starken Zulauf erfuhren.

Biedenkopf spielte als Luftkurort eine nicht unbedeutende Rolle. Der Reichtum an Bäumen, der Blick in das Lahntal war bereits vor 100 Jahren der Anreiz, warum naturverbundene und erholungssuchende Menschen zum Wandern auf die Sackpfeife, den Eschenberg-Thauwinkel oder den Galgenberg kamen, auch lud Biedenkopf zu Licht- und Luftbädern ein, wie etwa am „Geierschuss“.

Thomas Böhle hat sich in jahrelanger Arbeit mit der Geschichte von Hütten, Brunnen, Plätzen und weiteren Spuren der Vergangenheit Biedenkopfs befasst und ein Buch geschrieben, das nicht umsonst den Titel „Auf Biedenkopfer Spuren“ trägt.

Oft und gern weilt der gebürtige Biedenkopfer in den Wäldern nahe seiner Heimatstadt, wo er seinen Hobbys Laufen und Fahrradfahren nachgeht. Knapp 13 Jahre ist es mittlerweile her, dass ihm im Frühjahr 1999 der Gedanke kam, die historischen Ursprünge der zahlreichen Hütten und Brunnen, die er im Wald so häufig sieht (beziehungsweise deren Reste), näher zu beleuchten. Welche Bauten stehen im Zusammenhang mit dem Kurwesen, welche gehen auf die Grenzgangstradition oder andere Ursprünge zurück? Diese Fragen stellte sich Böhle. Das sei der Anfang seines Projektes gewesen, sagt der 40-Jährige.

„Wer, wann, warum – das interessierte mich.“ Ein Buch zu schreiben sei ursprünglich nicht seine Absicht gewesen, und er gibt zu: „Ich kann heute selbst nicht mehr genau sagen, wann ich im Laufe dieser zwölf Jahre den Entschluss dazu fasste.“

Bei seinen Recherchen seien ihm die Chroniken der am Grenzgang teilnehmenden Männergesellschaften Biedenkopfs hilfreich gewesen, erklärt der Autor. Schnell hätten sich ihm weitere Fragen gestellt – nicht nur in Bezug auf die Hütten und Brunnen, sondern auch hinsichtlich der Plätze oder Aussichtspunkte, die es in Biedenkopf einmal gab oder noch immer gibt.

Seine Nachforschungen beschränkten sich bald nicht mehr auf das Studieren von Chroniken. Unzählige Gespräche mit älteren Biedenkopfer Bürgern kamen hinzu. Diesen Gesprächen misst Thomas Böhle eine besondere Bedeutung zu. Sie bildeten die persönliche Ebene seines Projektes. Das Zuhören habe ihm viel Freude bereitet.

„Viele ältere Menschen können sich an so viel erinnern, von dem sie gern erzählen würden“, sagt Böhle. Manchmal habe er seinen Gesprächspartnern einfach nur ein Foto von einer bestimmten Stelle im Wald gezeigt und zugehört. Manchmal habe er sich auch nach den Namen von Personen erkundigt, die auf Fotos zu sehen sind, beispielsweise auf alten Bildern von Burschenschaften oder Männergesellschaften. Die Gespräche hätten entscheidend dazu beigetragen, dass das Projekt immer  umfangreicher wurde und ihn darin bestärkt, Wissen festzuhalten, bevor es in Vergessenheit gerate. Heimatverbundenheit habe in seiner Motivation eine wichtige Rolle gespielt. Einige der rund 50 Personen, denen Böhle für die Gespräche und weitere Hilfe eine Dankseite widmet, haben die Veröffentlichung seines Buches nicht mehr erlebt.

Zwischenzeitlich seien ihm immer wieder Zweifel gekommen, ob sein Projekt überhaupt einen Abschluss findet, sagt der Autor. Ein vorübergehender berufsbedingter Wohnortwechsel habe dazu geführt, dass er mit seinen Recherchen für mehr als ein Jahr kaum voran gekommen sei. Doch Böhle gab sein Vorhaben nicht auf, setzte seine Arbeit fort, als er wieder zurück in Biedenkopf war. Langsam aber sicher nahm sein Werk Konturen an.

Böhle gliedert sein Buch in mehr als 80 Kapitel. Meistens werden in den jeweiligen Kapiteln bestimmte Objekte thematisiert – vorwiegend Bereiche außerhalb der Stadt, daneben auch historische Stellen in der Stadt, beispielsweise der Marktplatz. In einem Kapitel werden auch das Leben und Wirken von Ferdinand Grünewald beleuchtet, der von 1895 bis 1924 als Bürgermeister die Geschicke der  Kreisstadt lenkte und während dieser Zeit bedeutende Akzente setzte, beispielsweise durch den Aufbau einer Wasserversorgung, die Errichtung eines Elektrizitätswerks und sein Engagement für den Tourismus.

Die ansprechende grafische Gestaltung des Buchs nahm Felix Bäcker vor. Häufig hat er verschiedene Fotos von demselben Objekt zu einem Bild zusammengefügt: Beispielsweise, um dasselbe Motiv in nur einer Ansicht zu unterschiedlichen Jahreszeiten zu zeigen, so etwa bei der Ansicht des Brunnens nahe dem 1970 errichteten Häuschen der Männergesellschaft „Hasenlauf“. Frisches Gras, Blumen und trockene Brunnensteine sind in der einen Bildhälfte zu sehen, in der anderen ein schneebedeckter Brunnen und Waldboden.

Auch eine Wanderkarte, gestaltet von Walter Achenbach, findet sich in dem Buch wieder. Darauf eingezeichnet sind die Standorte der in den einzelnen Kapiteln beschriebenen Objekte. „Es ist mein Wunsch, dass der Leser mit dem Buch in den Wald geht“, unterstreicht Böhle.

Herausgegeben wird „Auf Biedenkopfer Spuren“ vom Hinterländer Geschichtsverein und ist zum Preis von 10 Euro erhältlich, unter anderem im Schreibwarenhandel „Unverzagt“, dem Buchhandel „Stefani“, bei „Lebensmittel Nahkauf“ und beim Autor.

von Björn-Uwe Klein