Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
„Wenn nichts da ist, nützen alle Rechte nichts“

Schlecker „Wenn nichts da ist, nützen alle Rechte nichts“

Wenig Aussichten auf Erfolg haben die Mitarbeiter der verschiedenen Schlecker-Unternehmen aus der Region Marburg-Biedenkopf und Gießen mit ihren Kündigungsschutzklagen vor dem Gießener Arbeitsgericht.

Gießen. Im ersten Gütetermin erklärte der Anwalt des Schlecker-Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz, Christian Feketija, dass auch im Lager Pohlheim nicht mehr gearbeitet werde. Die Kündigungen aller 100 bis 150 Mitarbeiter am 12. Juli 2012 zum 31. Oktober dieses Jahres seien mit der Einstellung des Betriebes begründet. Auch für Ansprüche auf Abfindungen der Filial-Mitarbeiter sah Feketija wenig Spielraum. „Anton Schlecker hat schon seit Jahren nur noch aus der Neueröffnung von Filialen gewirtschaftet. Damit hatte er Zahlungsziele von 90 Tagen und konnte aus früheren Verkäufen der Ware wieder Liquidität ziehen.“

Außerdem habe Schlecker, der als Einzelkaufmann auch mit seinem Privatvermögen hafte, in den vergangenen Jahren bereits rund 700 Millionen Euro seines Privatvermögens in die Firma überführt. Er gehe davon aus, dass zum 31. August Masseunzulänglichkeit erklärt werde. Das heißt, dass nicht ausreichend Werte vorhanden seien, um die Gläubiger zu befriedigen.

„Schlecker ist Geschichte“, betonte Feketija im Verfahren. Verhandelt wurden zuerst die Klagen von zwölf Mitarbeitern des Schlecker-Logistikzentrums Pohlheim.

Alle Ware, die noch in Pohlheim lagere, gehöre den Gläubigern, das Gebäude sei Eigentum der Banken, versicherte Feketija. Zudem handele es sich bei der Ware um Verpackungen der Hausmarke AS, die daher unverkäuflich seien und wahrscheinlich entsorgt werden müssten. Ein Verkauf und damit Weiterbetrieb des Logistikzentrums sei ausgeschlossen.

Das bezweifelte der Anwalt der zwölf Kläger, Bob Dingeldey. Schließlich haben sich die Gerüchte um den Verkauf des Logistikzentrums in den vergangenen Wochen verdichtet. Daher stimmte er im Falle der Lagermitarbeiter einem Ruhen des Verfahrens bis zum Ablauf der Kündigungsfrist zu.

„Bis dahin sehen wir vielleicht klarer. Selbst ein Verkauf eine Minute vor Ablauf der Kündigungsfrist gibt den Mitarbeitern Wiedereinstellungsrechte“, sagte Dingeldey.

Insgesamt habe Insolvenzverwalter Gleiwitz rund 20000 Kündigungen bis zum 31. Juli unterschrieben, berichtete Fekatija. Das Insolvenzverfahren werde sich mehrere Jahre hinziehen. Es könne auch sein, dass die Insolvenzmasse dann vollständig aufgebraucht sei.

Derzeit werden allein am Arbeitsgericht Gießen 120 Klagen von Schlecker-Mitarbeitern verhandelt, berichtete Arbeitsrichter Thomas Merkel.

Diese blockierten die anderen Verfahren, weshalb er bei der unklaren Lage zum Ruhen des Verfahrens riet. „Wenn es so ist, wie die Insolvenzverwaltung schildert, haben die Klagen wirtschaftlich wenig Aussicht auf Erfolg. Die Ansprüche und Rechte der Mitarbeiter führen dann zu nichts.“

Auch beim zweiten Gütetermin wurde sich darauf geeinigt, das Verfahren von 30 Mitarbeitern, darunter auch Betroffene aus dem Landkreis, ruhen zu lassen. „Wenn nichts da ist, nützen alle Rechte und Ansprüche nichts“, meinte Arbeitsrichter Thomas Merkel.

von Martina Koelschtzky

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland