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Hinterland "Wenn ich male, redet nur mein Pinsel"
Landkreis Hinterland "Wenn ich male, redet nur mein Pinsel"
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17:56 11.01.2013
Aktmalerei ist ihr Steckenpferd und das „Sonnentattoo“ ihr erstes Nackt-Werk. Ihren Hausflur hat Heike Kirch aus Lohra zur Galerie umgewandelt. Vor acht Jahren hat die Lohraerin das Malen für sich wiederentdeckt.Foto: Benedikt Bernshausen Quelle: Benedikt Bernshausen
Lohra

Die Staffelei steht am Fenster, davor ein Sessel und ein Tisch mit Acrylfarben, Pasten und Pinseln. Noch ist die Küstenlandschaft auf der Leinwand unvollendet. Eine befleckte Decke schützt den Boden vor Farbkleksen. In dieser Oase, am Rande des Esszimmers, findet Heike Kirch Ruhe. Dort sitzt sie vor allem im Frühjahr und Spätsommer, wenn das Licht weicher wird. Aber auch dann nur zu ihren „kreativen Zeiten“.

In der neunten Klasse wurde eine Kunstlehrerin auf ihr Talent aufmerksam. Doch schon wenige Jahre später musste das liebgewonnene Hobby hinter dem Beruf und später der Familie anstehen. Erst vor acht Jahren fand die Lohraerin zur Malerei zurück, als sie auf einen Kunstkurs an der Volkshochschule aufmerksam wurde, an dem sie fünf Jahre in Folge teilnahm. Vieles hat sie der Künstler-Gruppe „Leporello“, die die Kurs-Teilnehmer gründeten, zu verdanken. Während dieser Zeit ist sie von der Hobbymalerin zur selbstbewussten Künstlerin gereift, hat gelernt, sich an folgende Regeln zu halten: „Überschätze dich nicht und sei kritisch gegenüber dir selbst.“

Vor zwei Jahren trat sie schließlich aus dem geschützten Gruppenumfeld heraus und wagte eigene Projekte, wie die Dauerausstellung im Gladenbacher Fitness-Studio. Ihr größter Kritiker ist seither ihr Mann. „Auf seine ehrliche Meinung kann ich mich verlassen“, betont sie stolz. Einige von Heike Kirchs schönsten Werken hängen im Hausflur. Das letzte Projekt, die nachdenkliche Indianerin mit dem fliegenden „Traumadler“, hat einen Ehrenplatz am Treppenaufgang. Jedes Bild ist ein Unikat. Sie lässt Menschen, Tiere und Natur darin gern zur Einheit verschmelzen und hat zudem ein Faible für den knallig- verträumten Fantasy-Stil.

Sie besteht auf Echtheit und kann abstrakter Malerei nichts abgewinnen. Neben Acryl- verwendet sie selten auch Kaseinfarben, die sie selbst herstellt. Ihre Motive entspringen ihrer Fantasie oder sie orientieren sich an Fotografien und bestehenden Werken. Ihr besonderes Steckenpferd ist der weibliche Akt.

„Frauen haben eine Vielfalt an sich, die Männer nicht bieten können. Jede Frau hat eine besondere Faszination“, schwärmt sie. Mit den unverhüllten Frauenkörpern will sich Heike Kirch gezielt von anderen Künstlern abheben. Ihre Kunst solle die Menschen wachrütteln und das schaffe ein Akt besser als Blumen. Darin habe sie auch ihr Lehrmeister Horst von der Wege immer bestärkt. Ein Aktenordner dient Heike Kirch als Archiv für Fotos, Zeitungsartikel, Prospekte von Ausstellungen und ein Zertifikat ihres Lehrmeisters.

„Das sind schöne Erinnerungen“, bemerkt sie und erzählt nach einem Blick auf den abgehefteten Lebenslauf ihre Geschichte: Als Heike 17 Jahre war, zog ihre Familie von Bottrop nach Holzhausen am Hünstein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich das aufgeweckte Mädchen aus dem Ruhrgebiet auf das Landleben eingelassen. Daran hat auch ihr Ehemann, mit dem sie seit 26 Jahren verheiratet ist, zwei Söhne hat und den sie nach nur einem Jahr im Hinterland kennenlernte, großen Anteil. Seitdem ist sie in Vereinen aktiv, machte eine Lehre zur Hauswirtschafterin und arbeitete zwölf Jahre als Köchin.

Um wieder näher an den Menschen zu sein, wechselte sie im November den Beruf, wurde Alltagsbetreuerin und Pflegeassistentin. Allerdings träumt Heike Kirch davon, eines Tages von der Malerei leben zu können. Wenn das Küstenbild fertig ist, wird Heike Kirch endlich wieder einen Akt malen - in ihren Fingern juckt es bereits. Kunst ist zu ihrem Ruhepol geworden, zu ihrer Sprache. Sie glaubt, dass Kunst das Bewusstsein wecke und es als Malerin auch ihre Aufgabe sei, den Menschen die Schönheit aller Dinge zu zeigen.

Worte braucht sie nicht: „Wenn ich male, redet nur mein Pinsel.“

von Benedikt Bernshausen

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