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Wenn der Lohn nur zum Wohnen reicht

Mietpreise Wenn der Lohn nur zum Wohnen reicht

Wohnen in Deutschland wird immer teurer. Das belegen die Zahlen. Politiker fordern daher eine gesetzliche Obergrenze, um Preisexplosionen zu verhindern.

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Heiß begehrt: Günstiger Wohnraum in Marburg. Die Unterhalt einer Wohnung, wie etwa am Richtsberg, sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg . Wohnen in Deutschland wird insbesondere für Bezieher niedriger Einkommen immer mehr zum materiellen Problem. Nach Informationen der OP hat sich der Anteil der Wohnkosten am zur Verfügung stehenden Nettoeinkommen im Schnitt um neun Prozent zwischen 2001 und 2010 erhöht. Das ergibt sich aus den jüngsten offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Aus dessen Wirtschaftsrechnung geht hervor, dass Niedriglöhner (mit einem Nettoeinkommen bis zu 1300 Euro monatlich) inzwischen 48,8 Prozent (452 Euro) für Wohnen, Energie und Instandhaltung aufwenden müssen. Durchschnittlich für alle Einkommen liegt der Wohnkosten-Anteil bei 24,8 Prozent (oder 738 Euro). Prozentual stieg seit 2001 für alle Einkommensbezieher der Aufwand für Wohnen um rund zwei Prozent.

Mieterverein und Sozialverbände warnen bereits seit langem vor den Folgen explodierender Wohnkosten. Caren Lay, stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, sprach gegenüber der OP von „sozialem Sprengstoff“. Wohnen dürfe kein Luxus werden. „Wir fordern gesetzliche Mietobergrenzen. Niemand darf mehr als 30 Prozent seines Einkommens fürs Wohnen ausgeben.“

Zu dieser politischen Diskussion will sich Matthias Knoche, Prokurist der Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH Marburg-Lahn (GeWoBau) nicht äußern. Was er sagen kann, ist, dass kleine Wohnungen in einer Studentenstadt wie Marburg knapp bemessen seien. Die Menschen ziehe es nun einmal ins Zentrum. „Und da ist der Wohnraum knapp bemessen.“ Die GeWoBau als kommunales Unternehmen bietet sozialverträgliche Mieten, um auch die Mietpreise in Marburg zu regulieren. Mietpreisexplosionen sollen so verhindert werden.

Eine gesetzliche Regulierung wie es die Linke fordert, davon warnt Immobilienmakler Rüdiger Stöter-Tillmann eindringlich. Investoren hätten den Immobilienmarkt wieder für sich entdeckt und stecken eine Menge Geld in Neubauten. Eine Obergrenze für Mieten würden die Geldgeber nur verprellen, befürchtet der erfahrene Makler, der seit 33 Jahren in dem Gewerbe unterwegs ist. „Stand jetzt ist, dass Investoren sich diesem Problem intensiv zuwenden. Besonders kleine Appartements werden gebaut.“ Er bewertet die aktuelle Wohnungssituation und die damit verbundenen Mietpreise als Zyklus. „Das Angebot in Marburg zum Beispiel ist ausreichend.“ Aber auch bezahlbar? „Man muss schauen, wohin man zieht. Ein Neubau mit energetischen Ansprüchen und großen Investitionen ist nun einmal etwas teurer in der Miete.“ Das würde sich nach einigen Jahren aber wieder ausgleichen. Und daher ist sich Rüdiger Stöter-Tillmann sicher: „Eine Obergrenze bedeutet nur mehr Bürokratie und eine Abschreckung von Investoren. Und das will doch wohl niemand.“ Eine Obergrenze für Mieten hält Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel für nur sehr schwierig umsetzbar. „Man muss differenzieren: In der Fläche lassen die Mietpreise deutlich nach“, sagt das Stadtoberhaupt. Im Klartext: Je weiter weg von den Innenstädten, umso niedriger die Mieten. Das wiederum fort höhere Mobilität, das wiederum die Kosten erhöht. „Wir versuchen unser Möglichstes zu tun, um Angebot und Nachfrage mit deutlichen Zuschüssen gerecht zu werden. Der Druck auf die Innenstädte wächst aber.“ Besonders jetzt, wenn die Studierenden in die Unistadt kommen und Hände ringend nach einem Dach über dem Kopf suchen. „Der Aufschrei im September zu dieser Zeit ist jedes Jahr groß“, sagt Rüdiger Stöter-Tillmann. „Wenn das Semester anfängt, dann sind aber alle untergebracht. Das zeigt, es macht keinen Sinn, zu reglementieren.“

von Dieter Wonka und Carsten Bergmann

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Hohe Mieten, explodierende Nebenkosten - Verbraucherverbände und Politiker fordern eine gesetzliche Obergrenze. Niemand solle mehr als 30 Prozent seines Lohns für das Wohnen ausgeben.

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