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Hinterland Welle der Solidarität im Arbeitskampf
Landkreis Hinterland Welle der Solidarität im Arbeitskampf
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00:15 17.01.2013
Marburg

Hans Mehrbrodt ist der fleißigste Sammler. Tag für Tag steht der Marburger am Uniklinikum, spricht Patienten, Besucher und Passanten an, will auf Probleme auf den Lahnbergen aufmerksam machen. Die Welle der Unterstützung, so sagt er, ist nach wie vor ungebrochen. Betriebsrätin Bettina Böttcher ist ob dieses Einsatzes eines Marburger Bürgers hellauf begeistert. „Der Einsatz, den Hans Mehrbrodt an den Tag legt, ist überwältigend.“

Für die Marburger Betriebsratschefin ist die Zahl der Unterschriften ein klarer Beweis für den Willen der Bevölkerung. „Die Region ist aufgestanden. Es zeigt, die Politik ist in der Pflicht, Lösungen zu finden.“ Ein politisches Gezänk sei nicht gewollt. „Es müssen Maßnahmen her.“

Die Jahreswende brachte für die Arbeitnehmervertretung des UKGM keine Entspannung. Im Gegenteil. Da wären zum einen die noch immer offenen Fragen der 367 Mitarbeiter, die sich zur Rückkehr zum Land Hessen entschieden haben. Dazu kommen über 100 Vollzeitstellen, die durch Fluktuation abgebaut wurden. „Werden diese Stellen neu besetzt? Werden die von der Geschäftsführung angekündigten 236 Vollzeitstellen darüber hinaus abgebaut? Wir haben viele Fragen, uns fehlen aber die Unterlagen“, erklärt Böttcher.

Eine schlimme Entwicklung, so sagt es Böttcher, habe es bei der Wäscherei gegeben. Zum Jahreswechsel übernahm ein neuer, externer Dienstleister die Reinigung der Krankenhaus-Wäsche. Anbieter Berendsen, eine Großwäscherei aus Glückstadt, kündigte an, die Löhne für die Mitarbeiter senken und gleichzeitig die Arbeitsstunden in der Woche erhöhen zu wollen. Geschäftsführer Jens Braasch verteidigte die Pläne, verweist auf den immensen Kostendruck in der Branche. Für die Mitarbeiter bedeutet dies: die Stundenlöhne sollen von 9,20 Euro auf 7,50 Euro gesenkt werden. Betrug die Arbeitszeit bisher je nach Standort 35 bis 39 Stunden, so sollen es künftig 45 Stunden sein. Zum 31. Dezember 2012 hat Berendsen die für den Gesundheitsbereich in Deutschland mit der IG Metall geschlossenen Tarifverträge gekündigt.

„Unsere Wettbewerber zahlen sieben Euro“, sagt Braasch zur Begründung dieser Maßnahmen. Die Gewerkschaft kündigte Warnstreiks an, sollte sich das Unternehmen in den Verhandlungen nicht bewegen.

Das wird sicherlich auch heute Abend ein Thema beim Bündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ sein. Das trifft sich heute Abend um 20 Uhr im Käte-Dinnebier-Saal, Bahnhofstraße 6. Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion und der Jahresplanung zu beteiligen.

„Wir sind überwältigt von der Solidarität, die davon zeugt, wie groß die Sorge der Menschen in der Region ist“, sagt Böttcher. Sie fordert klare Konzepte, wie es mit dem UKGM weiter gehen soll. Zumal es konkrete Pläne nach Angaben der Klinikdirektoren geben soll. Mediziner und Geschäftsführung hätten sich nach OP-Berichten auf eine Zielvereinbarung verständigt.

Wie sieht die Zukunft der Partikeltherapie aus?

„Gesehen haben wir als Arbeitnehmervertretung davon aber nichts“, klagt Böttcher. Ebenso unklar sei es, wie es um die Verhandlungen zwischen dem Land Hessen und UKGM-Besitzer Rhön AG zum Thema Partikeltherapie bestellt sei. „Wir werden absolut im Unklaren gelassen“, sagt Bettina Böttcher. Die Lücken, die es zu schließen gelte, seien riesig.

Solange es keine neue Entwicklung gibt, wird der Betriebsrat weiter kämpfen. Gemeinsam mit Hans Mehrbrodt. „Ich werde weiter Unterschriften sammeln, bis wir unser Ziel erreicht haben“, sagt der Marburger. „Und das heißt: Kein Stellenabbau am Klinikum. Schließlich geht es um unser aller Gesundheit und Versorgung.“

von Carsten Bergmann

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