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Hinterland Welle der Hilfsbereitschaft für Projekt
Landkreis Hinterland Welle der Hilfsbereitschaft für Projekt
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18:55 24.04.2017
Für die Zukunft der Ausbildungsstätte sind sie zuversichtlich (von links): Der Runzhäuser Lee Cosmas Ndeiy, sein Sohn und Schreinereileiter Christopher und der Freund der Familie, Eberhard Ströder. Der Schreiner aus dem Westerwaldkreis unterstützt das Projekt seit Jahren. Quelle: Hartmut Berge
Runzhausen

„Wir möchten gerne helfen“, sagten sich die Frauen der Frauenhilfe in Oberasphe und meinten damit das Projekt des Amani Gospelchores, dessen Leiter Lee Cosmas Ndeiy ist. Seit vielen Jahren unterstützt der pensionierte Pfarrer das Kirchspiel Frohnhausen in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Direktpartnerschaft mit Runyaga und ganz besonders die Frauenhilfe in Oberasphe.

Immer wieder beteiligt sich der Amani Gospelchor mit Sitz in Steffenberg mit seiner afrikanischen Gospelmusik an Gottesdiensten oder Konzerten im Kirchspiel Frohnhausen.

Der Chorleiter aus Runzhausen tritt seit 1995 mit dem Amanichor auf, um ein Projekt in seiner Heimat Tansania zu unterstützen, das der Chor auf die Beine gestellt hat. Um geforderte Zertifizierungsstandards für die Lehrwerkstatt zu erfüllen, muss erneut investiert werden.

Reformen im Bildungssystem

Regelmäßig reist Lee Cosmas Ndeiy in seine Heimatstadt Korogwe am Fuß der Usambara-Berge, um das Projekt weiter zu begleiten. Dort wurde eine Ausbildungsstätte aufgebaut, in der Jugendliche kostenlos zu Schreinern und Näherinnen ausgebildet werden. Zu Anfang holte die Projektleitung die Kinder von der Straße. Seit 2013 ist das „Amani Training and Social Center“ vom städtischen Sozialamt und dem Schulamt eine offiziell anerkannte Berufsschule. Damit verbunden sind aber auch enorme staatliche Auflagen, welche die Unterstützer immer wieder vor Herausforderung stellt.

Tansanias Präsident John Magufuli bringt seit seiner Wahl 2015 viele Reformen auf den Weg. So auch im Bildungssystem. Schulen müssen nun in vielerlei Hinsicht bestimmten Anforderungen genügen. Das betrifft die Ausbildung genauso wie die räumliche und materielle Ausstattung. Auch das Amani Trainings und Social Center ist davon betroffen. Mittlerweile gibt es in dem Gebäude sanitäre Einrichtungen, eine Wasserleitung wurde gelegt. Nun müssen noch im Haus die Leitungen verlegt werden.

Die Ausstattung der Arbeitsplätze ist ebenso eine große Herausforderung. Für je zwei Schreinerlehrlinge wird eine­ Werkbank beziehungsweise ­Hobelbank benötigt. Jeder Auszubildende benötigt einen vollständigen Werkzeugkasten. Besonderen Wert werde nun darauf gelegt, dass die Jugendlichen auch lernen, mit Werkzeug zu arbeiten, das sie später draußen auf den Dörfern einsetzen können, wo es oftmals keinen oder nur zeitweise Strom gibt. Also gehört auch der Handhobel und der Drillbohrer zur Grundausstattung.

Hohe Transportkosten

Ähnlich ist es bei den Näherinnen: Lernten sie bisher in Korogwe auf gespendeten elektrischen Nähmaschinen, so fordert nun die staatliche Aufsicht, dass sie auch im Umgang mit pedalbetriebenen Nähmaschinen geschult werden. Rund um den Chor sammeln nun viele Helfer Spenden, um zertifiziert werden zu können.

„Zahlreiche Sachspenden sind bereits eingegangen“, freut sich Ndeiy und nennt als Beispiele Computer, Pedal betriebene Nähmaschinen und Hobelbänke. Um das alles nach Korogwe transportieren zu können, hat ein alter Bekannter und Freund des Chors einen Überseecontainer gespendet. Der steht in Runzhausen und ist so gut wie voll. Es fehlt aber noch Geld, um ihn auf den Weg zu bringen.

Allein das Verschiffen des Containers kostet etwa 5000 Euro Drei Millionen tansanische Schilling waren zuletzt fällig, um den Container von Daressalam nach Korogwe zu transportieren, das sind etwa 1200 Euro. Hinzu kommen nicht unerhebliche Zoll- und Hafengebühren.

Lee Cosmas Ndeiy ist begeistert von der Welle der Hilfsbereitschaft und hofft, dass auch die letzten Wünsche in Erfüllung gehen: „Wir brauchen noch ein gebrauchtes Schweißgerät, einen Kompressor und ­finanzielle Unterstützung fürs Verschiffen des Containers“, sagt er. Auch die Frauenhilfe Oberasphe will helfen: Mit einem Aktionstag am 6. Mai, zu dem die Frauenhilfen und deren Männer und andere Gruppen aus den Nachbargemeinden eingeladen sind.

Zu Beginn gibt es um 14 Uhr einen Gottesdienst mit Pfarrer Lee Cosmas Ndeiy, der vom Männergesangverein und Kindergottesdienst Oberasphe unterstützt wird. Im Anschluss gibt es, im Dorfgemeinschaftshaus Oberasphe, Kaffee und Kuchen. Die gesammelten Spenden sollen zur Unterstützung bei der Verschiffung des Containers verwendet werden.

Wer spenden möchte, wendet sich an Lee Cosmas Ndeiy unter Telefon 06462/3237 oder unter ndeiylee@aol.com per E-Mail.

von Manuela Vollmann
 und Hartmut Berge