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Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen

Tarifkonflikt Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen

Die Marburger Busfahrer traten gestern in einen eintägigen Warnstreik für mehr Lohn. Hintergrund der Arbeitsniederlegung: Morgen findet die dritte Verhandlungsrunde statt.

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Die Marburger Busfahrer streikten gestern im Vorgriff auf die nächste Tarifverhandlungsrunde am morgigen Mittwoch.

Quelle: Tobias Hirsch, Anna Ntemiris

Marburg. 64 Fahrzeuge der Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG) mbH fahren in der Spitze täglich durch Marburg und die Stadtteile, rund 30.000 Fahrgäste werden pro Tag befördert, davon etwa 12.500 Schüler, 11.000 Kilometer legen die Stadtbusse im Schnitt täglich zurück.

„Wir haben einen Betriebsausfall von 100 Prozent“, sagt Wolfgang Otto, Geschäftsführer der MVG.

Dennoch steht er im Streik auch zum Teil auf Seiten seiner Busfahrer: „Die Qualität im Nahverkehr muss auch bezahlt werden“, erklärt er und bittet  bei den Kunden um Verständnis. „Wir leben in einer Demokratie, es steht jedem frei zu streiken“, betont Otto.

Ob es zu weiteren Warnstreiks in den nächsten Tagen und Wochen kommt, ist noch offen. Das hänge vom Ergebnis der nächsten Verhandlungsrunde ab, so Verdi.

Die Busfahrer fordern dabei eine Erhöhung ihres Stundenlohns um 1,50 Euro, die Ausweitung der Betriebszugehörigkeitszulage in Höhe von durchschnittlich 30 Cent auf alle Beschäftigten und die Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro im Monat für jedes Lehrjahr. Die Arbeitgeberseite hat ihren Beschäftigten angeboten, die Stundenlöhne um 2,2 Prozent für 13 Monate und um weitere 2 Prozent für weitere 13 Monate anzuheben (die OP berichtete).

 

Das Angebot der Arbeitgeber sehe eine Anhebung der Vergütung um 4,2 Prozent in zwei Schritten vor. Die Laufzeit soll 26 Monate betragen. „Unser Angebot orientiert sich an den gestiegenen Lebenshaltungskosten und vor allem der Preisfortschreibung in den bestehenden Verkehrsverträgen mit den Auftraggebern in Hessen“, erklärt Kalbfuss weiter.

Die Forderungen von Verdi lehnt der LHO dagegen als „überzogen und nicht finanzierbar“ ab. Sie bedeute eine Anhebung der Stundenlöhne um rund 15 Prozent. Nehme man die weiteren Forderungen der Gewerkschaft für eine Betriebszugehörigkeitszulage in der Fläche und eine höhere Zulage im Ballungsraum hinzu, so betrage diese sogar rund 18 Prozent.

Karl Reinhard Wissmüller, Vorsitzender des LHO, betont, dass Hessens Busunternehmer in der Regel Dienstleister für öffentliche Busverkehre seien. Als solche habe man langfristige Verträge mit den öffentlichen Auftraggebern einzuhalten, in denen eine Fortschreibung der Personalkosten nur anhand eines Fremdindexes des Statistischen Bundesamtes vorgenommen werde. Schon jetzt liege man mit dem Angebot über der aktuellen Fortschreibung für 2011, die noch nicht einmal 2 Prozent betrage. Für weitere Erhöhungen hätten die Unternehmen keinen Spielraum, da es dafür keine Refinanzierung durch die Aufgabenträger gebe.

Während ihrer Streikzeit fuhren die Marburger Busfahrer gestern nach Wiesbaden, um dort an einer Kundgebung gegen die geplante Novelle der Landesregierung für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) teilzunehmen. „Wir wollten dort mitteilen, dass Politiker bei ihren Ausschreibungen auch ein bisschen mehr auf die soziale Komponente achten sollen, um den Verdrängungswettbewerb und das massive Gegeneinander-Ausspielen der Busunternehmen zu unterbinden“, berichtet Verdi-Gewerkschaftssekretärin Susanne Pitzer-Schild.

von Katharina Kaufmann

Mehr lesen Sie am Dienstag in der Printausgabe der OP und bereits am Montagabend auf Ihrem iPad.

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