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Weißer Ritter hält Projekt am Leben

Zuschuss für Sportanlage Weißer Ritter hält Projekt am Leben

Ein Gladenbacher Bürger hat das Projekt Leichtathletikanlage am Freitag gerettet. Der Turnverein erteilte noch am Vormittag den Bauauftrag. Am 3. September soll‘s losgehen.

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Noch ist das Ziel nicht erreicht: Der Turnverein hofft nach wie vor darauf, dass Gladenbachs Parlament einen weiteren Zuschuss für die Sanierung der Leichtathletikanlage gewährt. Foto: Berge

Gladenbach. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung sah sich am Donnerstagabend außer Stande, dem SC Gladenbach (GSC) und dem Turnverein (TV) für ihre beiden Projekte einen weiteren Zuschuss in Höhe von 56000 Euro zu gewähren.

Der TV möchte die Tennen-Leichtathletikanlage an der Biedenkopfer Straße sanieren und modernisieren, der GSC hat mit dem Bau eines Kunstrasenplatzes begonnen.

Ein vom Magistrat auf den Weg gebrachter und bereits am Dienstag im Hauptausschuss abgelehnter Dringlichkeitantrag fand im Parlament nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit. Die wäre nötig gewesen, um ihn auf die Tagesordnung zu nehmen. Neun Stadtverordnete sahen die Dringlichkeit gegeben, zehn stimmten dagegen, elf enthielten sich. Die Zwei-Drittel-Mehrheit richtet sich in solchen Fällen nach der gesetzlichen Anzahl an Stadtverordneten, 39 gehören dem Parlament an, nur 30 waren anwesend.

Vor der Abstimmung gaben die Fraktionsvorsitzenden kurze Statements ab. Gunthard Koch (CDU) sagte: „Selbst wenn wir heute die Dringlichkeit nicht bejahen, heißt dies nicht, dass wir gegen die Projekte sind. Viele fühlen sich nicht ausreichend informiert.“ Und er warnte: „Wenn wir heute über den Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung nehmen, über ihn abstimmen und er wird abgelehnt, dann können wir binnen einer Sperrfrist von einem Jahr nicht mehr über einen Zuschuss für die Projekte entscheiden.“

Helmut Brück (Freie Wähler) relativierte, über einen Zuschuss könne man sehr wohl entscheiden, aber in der Tat nicht über einen Vorschuss, nichts anderes sah der Dringlichkeitsantrag vor. Koch erklärte später im Gespräch mit der OP, dass aus diesem Vorschuss per Änderungsantrag ein Zuschuss werden könnte, dann hätte ein Scheitern des Antrages die einjährige Sperrfrist ausgelöst, und den Vereinen könnte nicht mehr geholfen werden.

Roland Petri (SPD) pflichtete Kochs Argumenten bei. Man könne nicht innerhalb kürzester Zeit über eine - angesichts der angespannten finanziellen Lage der Stadt - relativ hohe Ausgabe entscheiden. Es gebe Informations- und Beratungsbedarf, sagte Petri.

Edmund Zimmermann (Junge Liste/Grüne), erinnerte an die Dringlichkeit der Entscheidung, denn der Turnverein musste sich am Freitagvormittag gegenüber dem Bauunternehmen erklären, ob der Auftrag für die Sanierung der Leichtathletik­anlage erteilt wird oder nicht.

Eine Verzögerung der Auftragsvergabe habe zusätzliche Kosten für die erneute Einrichtung der Baustelle zur Folge. Darüber hinaus könne die Anlage wohl in diesem Jahr nicht mehr saniert werden. Ob im nächsten Jahr der für 2012 erteilte Landeszuschuss noch gewährt werde, sei fraglich. Zimmermann hatte bereits im Hauptausschuss erklärt, er habe nichts dagegen, den im Dringlichkeitsantrag vorgesehenen zurückzuzahlenden Vorschuss in einen weiteren Zuschuss umzuwandeln.

Mit diesem Thema beschäftigte sich auch Peter Kremer von der SPD-Fraktion in seinem Redebeitrag. Er erinnerte, TV-Vorsitzender Michaelo Walter habe deutlich gemacht, dass er sich auf einen Vorschuss, also eine Verschuldung des Vereins, nicht einlassen könne, weil es dafür keinen Auftrag der Mitgliederversammlung gebe. Also habe die Ablehnung der Aufnahme des Dringlichkeitantrages auf die Tagesordnung den gleichen Effekt wie eine Zustimmung zu dem möglicherweise offiziellen Tagesordnungspunkt: Der TV werde den Bauauftrag nicht erteilen, weil ein zurückzuzahlender Zuschuss nicht in Frage komme.

Der Parlamentssitzung im Haus des Gastes wohnten zu Beginn rund 50 Gäste bei, darunter eine große Anzahl an TV-Mitgliedern, Vertreter der Europaschule und des GSC.

Nach der Abstimmung verließen die TV-Mitglieder, unter ihnen die Abteilungsleiter, den großen Saal, um nebenan eine Sportbeiratssitzung abzuhalten. Dort stand das Thema Leichtathletikanlage an erster Stelle der Tagesordnung.

„Um 21 Uhr war unser Projekt eigentlich gestorben“, berichtete am Freitag Michaelo Walter rückblickend. Vier unterschiedliche Handlungswege habe der Beirat beschlossen. Einer ging offenbar auch von der Möglichkeit aus, dass bis Freitag noch ein kleines Wunder geschieht. Bis 11 Uhr wollte das zu beauftragende Bauunternehmen, die Firma Schmitt aus Langgöns, eine Entscheidung.

Am Vormittag habe sich ein Bürger, der namentlich nicht genannt werden möchte, „zu unserer Freude bereiterklärt, bis zur anstehenden Entscheidung des Stadtparlaments über einen noch zu gewährenden Zuschuss für das Sportprojekt, die beim Turnverein bestehende Finanzierungslücke übergangsweise zu schließen.“ Damit wolle der Gönner auch verhindern, dass dem Verein durch eine drohende Verzögerung weitere Kosten entstehen, sagte Walter. Dem Bauunternehmen wurde am Freitag sogleich der Sanierungsauftrag erteilt.

von Hartmut Berge

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