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Hinterland Weihnachtsgeschichten aus dem Landkreis
Landkreis Hinterland Weihnachtsgeschichten aus dem Landkreis
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00:17 29.12.2018
Susanna Kolbe veröffentlichte 2017 im Wartberg Verlag das Buch „Weihnachten im Marburger Land“ mit Geschichten aus der Winter- und Weihnachtszeit. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Hinterland

Das Christkind bescherte im Marburger Land die Kinder. Es lief an Heiligabend   mit einem das Gesicht verhüllenden Schleier in den Dörfern von Tür zu Tür, begleitet von älteren Mädchen aus dem Dorf. Vielen Kindern war das Christkind deshalb unheimlich, aber vor allem waren sie beeindruckt. Denn das Christkind verteilte selbst gemachte Geschenke und Eltern hätten später heimlich weitere unter den Christbaum gelegt. Diese Aufgabe kam den Konfirmandinnen zu. Die älteste des Jahrgangs war das Christkind. Diese Tradition haben viele Ältere in ihrer Kindheit noch erlebt und Susanna Kolbe davon berichtet. Und diese Tradition wird noch heute gepflegt, unter anderem im Dautphetaler Ortsteil Mornshausen.

Diese und andere Geschichten aus der Kindheit haben die Bewohner verschiedener Einrichtungen Susanna Kolbe, die unter anderem auch in der Altenarbeit tätig ist, erzählt. Sie hat das Gesprochene zu Papier gebracht und daraus ist das Buch „Weihnachten im Marburger Land“ entstanden. Die Geschichten über die Winterzeit hat Kolbe während diverser Adventsveranstaltungen zusammengetragen. Als feststand, dass der Wartberg Verlag daran interessiert ist, hat sie übers Jahr verteilt die Geschichten druckreif aufgeschrieben. 2017 sind die Geschichten als Buch kurz vor der Weihnachtszeit erschienen. In dem Buch geht es aber nicht nur um die Weihnachtszeit. Es geht auch darum, wie die Kinder damals die kalte Jahreszeit erlebt haben – vom Herbst mit den Schlachttagen, zu Geschichten über das Eisläufen auf den Teichen und den Jauche-Rinnen bis hin zu Weihnachten.

Unheimliche Masken

Auch die Tradition des Dickwurzschnitzens kommt in Kolbes Buch vor. Der Heimatverein Weidenhausen hat diese Tradition im Hinterland mit einer Aktion am Regionalmuseum „Hinz Hoob“ wieder aufleben lassen. Dort können die Kinder gruselige Dickwurzdeuwel (Dickwurzteufel) schnitzen. Eine Futter­rübe wird ausgehöhlt, indem  ein Ende wie ein Deckel abgetrennt wird, dann wird sie mit Augen, Nase und Mund versehen. In den unteren Teil der Dickwurz kommt ein Stock. Der Dickwurzdeuwel erhält zum Schluss wieder seinen Deckel und ein Teelicht leuchtet die Maske aus, mit der die Kinder durch das Dorf ziehen.

In Kolbes Buch beschreibt sie, wie die Kinder damals die Tradition erlebt haben. Auf den Bauernhöfen seien die Runkelrüben im Spätherbst, wenn nichts mehr auf den Feldern stand und die Kartoffelfeuer längst verglüht waren, zu unheimlichen Masken gestaltet worden. Es habe einige Zeit in Anspruch genommen, bis die Rübe ausgehöhlt, die großen Augen und die zackigen Münder geschnitzt waren, schreibt Kolbe.

Die 61-jährige Europäische Ethnologin kam zufällig zum Schreiben. Sie hat mit ihrem Vater Kurt Werner Kolbe das Buch „Wir vom Jahrgang 1926“ geschrieben. Es ist eine Erinnerung an die Kindheit und Jugend. Aus diesem Buchprojekt sind weitere entstanden. Insgesamt hat der Wartberg Verlag sieben Bücher der Autorin verlegt, weitere von ihr sind im Marburger Jonas Verlag erschienen. Der hatte bis 2015 seinen Sitz in Weidenhausen (Marburg). In dem ältesten Ortsteil – neben der Marburger Oberstadt – lebt die Autorin seit 2001. Die aus Kassel stammende Kolbe ist in Marburg nach dem Studium quasi „gestrandet“, hat sich viel auf den Dörfern bewegt, wie sie sagt. Deshalb sind ihr viele Traditionen bekannt. Aber erst die Geschichten der älteren Menschen haben den Traditionen größere Bedeutung verliehen.

  • Das Buch „Weihnachten im Marburger Land“ von Susanna Kolbe ist im Wartberg Verlag erschienen. Es ist unter der ISBN Nummer 978-3-8313-3001-0 im Buchhandel erhältlich.

von Silke Pfeifer-Sternke