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Wegen 35 Euro gekündigt

Marburg Wegen 35 Euro gekündigt

In Absprache mit dem Filialleiter hatte ein 22-jähriger Fleischergeselle am Silvestertag 2009 Fleischwaren für 35 Euro mitgenommen, die er erst Anfang des vergangenen Monats bezahlen sollte.

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Die Verhandlung um die Unterschlagung von 35 Euro fand gestern im großen Sitzungssaal des Marburger Arbeitsgerichtes statt.

Quelle: Michael Acker

Marburg. Da die Zahlung nach Angaben der Filialleitung nicht erfolgte, erhielt der 22-Jährige am 30. Januar die fristlose Kündigung, gegen die er am Dienstag vor dem Marburger Arbeitsgericht unter dem Vorsitz von Arbeitsgerichts-Direktor Hans Gottlob Rühle klagte. Er habe die 35 Euro in der zweiten Januarwoche bezahlt und sich somit nicht gesetzeswidrig verhalten. Deshalb klagte er auf Weiterbeschäftigung in der Filiale einer Fleischereikette.

Dazu stellte der Filialleiter fest: „Falls diese 35 Euro bezahlt wurden, müssten sie im Kassenjournal für die zweite Januarwoche auftauchen. Das ist jedoch nicht der Fall“.

Zudem lag eine schriftliche Aussage der Kassiererin vor, dass sie die 35 Euro vom Kläger nicht erhalten habe.

Er bestätigte, dass er am Silvestertag die Erlaubnis erteilt habe – jedoch mit der Maßgabe, das Geld Anfang Januar einzuzahlen.

„Ich habe das Geld eingezahlt und hatte auch einen Kassenbon, jedoch keine Quittung. Den Kassenbon habe ich jetzt nicht mehr, da ich dachte, die Sache sei mit dem Einzahlen erledigt. Aber das war scheinbar nicht der Fall“, so der junge Fleischergeselle, der seit Juli 2009 in der Filiale tätig war.

Hans Gottlob Rühle stellte dazu fest: „Das Vertrauensverhältnis ist wohl enorm erschüttert. Hier steht Aussage gegen Aussage. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder sagt die Kassiererin die Wahrheit oder der Metzger.“

Auf Nachfrage bei der Franchisenehmerin der Fleischereikette, ob sie sich eine Weiterbeschäftigung vorstellen könnte, sagte sie: „Das Vertrauen ist verloren gegangen. Man muss sich auf sein Personal verlassen können, und das ist in diesem Fall nicht mehr möglich.“

Rühle bilanzierte: „Wir sind hier nicht in Taka-Tuka-Land, sondern vor Gericht. Und hier geht es ganz einfach um Beweise, und die müssen in einem eventuellen Kammertermin vorgelegt werden“. Dann machte er einen Vorschlag zur gütlichen Einigung, dem die Parteien auch zustimmten. Die fristlose Kündigung wird in eine ordentliche Kündigung zum 28. Februar umgewandelt, und bis dahin wird der 22-Jährige bei Lohnfortzahlung freigestellt.

von Michael Acker

Mehr lesen Sie am Mittwoch in der gedruckten OP.

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