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Hinterland Warnung vor falschen Folgerungen
Landkreis Hinterland Warnung vor falschen Folgerungen
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20:45 23.10.2009
Peter Ahrens steht seit 40 Jahren an der Spitze des Kaufhauses Ahrens. Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Aus der Sicht des Marburger Unternehmers Peter Ahrens macht die Universitätsstadt zu wenig aus ihren Möglichkeiten. „Unsere Stadt verkauft sich unter Wert“, sagt der Kaufhaus-Inhaber im Interview mit der OP und sieht die Chance, mit einem „City-Manager“ und einer Expertenrunde das Stadtmarketing zu verbessern.

Ahrens nimmt auch erstmals Stellung zur Einzelhandels-Studie, die von der Stadt Marburg in Auftrag gegeben wurde: „Manche Gewerbetreibende des Einzelhandels sollen durch diese Studie wohl beruhigt werden. Sie ist aber in Wirklichkeit beunruhigend.“ Er warnt vor falschen Schlussfolgerungen und dem Bau eines überdimensionierten Einkaufszentrums in der Innenstadt.

OP: Stellen Sie sich vor, Sie wären Unterhändler bei den derzeitigen Koalitionsverhandlungen. Wofür würden Sie eintreten?
Peter Ahrens: Ich würde nicht unbedingt auf sofortigen Steuersenkungen bestehen, da das ein sehr gewagtes Unternehmen ist. Es ist zwar dringend erforderlich, dass die breite Mittelschicht entlastet wird, die Staatsschulden müssen aber auch gesenkt werden und das Wort „Sparen“ muss endlich in den Mund genommen werden.

OP: Halten Sie die Rettungsschirme, die die große Koalition in der Vergangenheit aufspannte und die womöglich weiter aufgespannt werden, für gerechtfertigt?
Ahrens: Das ist ein eklatanter Verstoß gegen die Grundprinzipien der sozialen Marktwirtschaft und konsequenter Ordnungspolitik. Es kann grundsätzlich nicht die Aufgabe des Staates sein, Unternehmen zu retten. Wenn Firmen aufgrund eigenen Verschuldens nicht mehr wettbewerbsfähig am Markt sind, dann dürfen sie nicht mit Steuermitteln gerettet oder saniert werden. Ansonsten entstehen dadurch unerträgliche Wettbewerbsverzerrungen. Unsere Kunden erhalten ja auch keine 500 Euro vom Staat, um bei uns einzukaufen.

OP: À propos freie und soziale Marktwirtschaft. Halten Sie die Pläne, die sich für die Stadtentwicklungspolitik aus der jüngsten Marburger Einzelhandelsstudie ableiten, für einen politisch motivierten Eingriff in die Marktwirtschaft vor Ort?
Ahrens: Nein. Manche Gewerbetreibende des Einzelhandels in der Stadt sollen aber durch diese Studie wohl beruhigt werden. Sie ist aber in Wirklichkeit beunruhigend. Ausschließlich Investoren und Planer entscheiden mit den Bewerbern für die Mietflächen, was mit diesen passiert – und nicht etwa die Stadt. Wenn eine so genannte ,Mall’ am Kreuzungspunkt Universitätsstraße/Gutenbergstraße entstehen sollte, dann gingen mit Sicherheit auch etliche Filialisten aus der Oberstadt dorthin. Das muss man wissen und die Folgen bedenken.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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