Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland „Der Borkenkäfer hat gewonnen“
Landkreis Hinterland „Der Borkenkäfer hat gewonnen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 09.11.2018
Archivfoto: Sturm, Trockenheit und eine steigende Zahl an Borkenkäfern haben in diesem Jahr nach Ansicht von Experten dem heimischen Wald geschadet. Quelle: Matthias Hiekel
Holzhausen

In der Kulturscheune trafen sich auf Einladung der Forstbetriebsvereinigung 25 Waldbesitzer. Der Vorsitzende Heinz-Ludwig Klingelhöfer brachte zu Beginn die Sorgen zum Ausdruck, die aus einem schlechten Forstjahr und den Änderungen des Beförsterungsplans resultieren. Angefangen von Sturm „Friederike“ habe dieses Jahrhundert-Dürrejahr große Schäden im Waldbestand verursacht, sagte Klingelhöfer.

Hinzu käme die zukünftige Trennung der Vermarktung von Staats- und Kommunalwald sowie Privatwald. Lediglich Holz aus dem Privatwald dürfte aus kartellrechtlichen Gründen künftig noch durch Hessen Forst auf den Markt gebracht werden. „Schlechte Karten für die Privatwaldbesitzer“, befürchtete Klingelhöfer, denn diese könnten in der Regel keine großen Mengen bündeln. Das Dürrejahr habe die anfallenden Holzmengen deutschlandweit auf über 20 Millionen Festmeter ansteigen lassen mit der Folge einer Flutung der Sägewerke.

„Was soll mit dem Schadholz geschehen? Zu welchem Preis kann dies abgesetzt werden? Wer kann den Holzeinschlag vornehmen?“ Diese Fragen stellte Klingelhöfer in den Raum und stellte am Ende fest: „Wir sind auf professionelle Hilfe angewiesen.“

Revierförster Achim Bösser konstatierte: „Der Käfer, der zudem im Boden überwintert und mit dem Wind bis zu acht Kilo­meter weit fliegen kann, hat ­gewonnen.“ Das ganze Ausmaß der Misere werde erst im kommenden oder übernächsten Jahr offenbar. Seit Mai sei kein nennenswerter Niederschlag gefallen.

Bösser berichtet von enormem Nadelfall

Die Region mit dem Vorkommen von Tonschiefer und Grauwacke biete eine schlechte Ausgangssituation. Zudem seien bayrische Sägewerke durch den Holzanfall aus Tschechien geradezu verstopft, was zu ­einem Holzpreisverfall von bis zu 60 Prozent auch bei käferfreiem Holz führe. Bei seinen Gängen durch die Waldbestände habe er einen enormen Nadelfall entdeckt, berichtete Bösser.
Auch beim Laubholz sei mit Ausfällen zu rechnen, denn der extreme Fruchtansatz bei Buche und ­Eiche sei ein Symptom für das Absterben eines Baumes. Nicht zuletzt zeige sich auch bei Buchen Schleimfluss.

In der Diskussion machte Reinhold Leinweber deutlich, dass die Fichte aufgrund der Nordhänge und der quellenreichen Gegend in Holzhausen einen guten Standort habe. Durch die Freistellung vieler Flächen, darunter auch am Hilsberg und dem nicht herausgenommenen Befall hätten sich 2015/2016 erhebliche Borkenkäfernester entwickeln können. Schon mit dem Sturm „Kyrill“ im Jahr 2007 sei der Anfang der Plage gesetzt worden, entgegnete Klingelhöfer.

Harvester soll 800 Festmeter einschlagen

„Die Fichte, oft auch als Brotbaum bezeichnet, die mehr Wasser als Mineralien benötigt, wird hier nur noch auf einem guten Standort überleben können“, beurteilt Revierförster Bösser die Lage. Der Revierförster bot an, noch im November für etwa vier Tage einen so genannten Harvester einzusetzen, der etwa 800 Festmeter einschlagen könnte, ohne dass die Waldbesitzer in Vorleistung treten müssen.

Voraussetzung dabei sei allerdings, dass der einzuschlagende Bereich arrondiert sei. Deshalb sei es wichtig, zu überlegen, welcher Bereich in der Gemarkung Holzhausen infrage komme.
Ab Februar/März 2019 könne­ ein weiterer Unternehmereinsatz geplant werden, bei dem allerdings die Waldbesitzer dann in Vorlage treten müssten. Die jetzige Situation stelle sich ungemein schwieriger dar als die nach „Kyrill“, befürchtet ­Revierförster Bösser.
Im Hinblick einer neu zu gründenden Holzvermarktungsorganisation zeichne sich derzeit ab, dass nicht alle Gemeinden diese anstreben.

von Helga Peter