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Hinterland Vom Schmiermaxen zum Dreifach-Mohr
Landkreis Hinterland Vom Schmiermaxen zum Dreifach-Mohr
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09:49 12.07.2013
Dirk Immel war dreimal Mohr beim Buchenauer Grenzgang. Bei seiner Premiere 1992 nahm ihm Sohn Christopher als kleiner Mohr die Nervosität.Foto: Bernshausen Quelle: Benedikt Bernshausen
Buchenau

Er ist Wehrführer in Buchenau, sitzt im Komitee des Grenzgangs dem Werbeausschuss vor und war dreimal in Folge Grenzgangs-Mohr.

Drei Grenzsteine erinnern in Dirk Immels Vorgarten an die Grenzgänge von 1992, 1999 und 2006. In diesen drei Jahren führte Immel das traditionsreiche Buchenauer Heimatfest als Mohr an. „Dass es einmal drei Steine werden würden, hätte ich mir beim ersten Mal nicht träumen lassen“, sagt der 51-Jährige und legt seine Hand auf den weißen „92er“.

Im Garten, im Licht der untergehenden Sonne und kurz bevor der Startschuss zum Grenzgang 2013 fällt, plaudert Immel über vergangene Feste. Damals führte er eine Tradition fort, die sein Vater Dieter Immel begründete. Auch er war dreimal Mohr in den Jahren 1964, 1971 und 1978. Einer vierten Wahl konnte sich Dieter Immel nicht stellen: Er starb 1984, ein Jahr vor dem nächsten Grenzgang. Viele meinten damals, dass Dirk Immel das Erbe seines Vaters direkt weiterführen könne.

„Aber, ich war noch zu jung“, fand er und sammelte zunächst als Führer der Burschenschaft Muth wichtige Erfahrungen, die seine Persönlichkeit stärkten. Später bewarb er sich beim Komitee, um das besondere Amt: Beim ersten Mal noch förmlich, beim zweiten humorvoller als „Mohr mit Erfahrung, der das Handwerk schon von seinem Vater lernte“.

Nach seiner ersten Wahl sei er erleichtert gewesen. „Es war ein schönes Gefühl. Mohr zu sein, ist eine große Ehre in Buchenau“, weiß Dirk Immel und denkt zurück an den Augenblick, als sich das Komitee vor seiner Haustüre aufstellte, um ihn zum Marsch entlang der Grenze abzuholen. Um seine Nervosität abzubauen, hatte Immel eine Überraschung vorbereitet, von der nur wenige wussten. Anstatt das er aus dem Haus trat, verschwanden zunächst die Wettläufer darin – und kamen bald mit einem kleinen Mohr an den Händen wieder heraus: Es war Immels einjähriger Sohn Christopher, dem die Familie ein kleines Mohrenkostüm genäht hatte. Als die Grenzgänger vor Immels Haus lautstark jubelten und dadurch ein Großteil der Anspannung von ihm abfiel, wagte auch Dirk Immel den Schritt über die Schwelle, zog den Säbel und grüßte die versammelten Bürgerinnen und Bürger. Stolz berichtet er, dass ihn damals viele auf die große Ähnlichkeit zu seinem Vater ansprachen.

Während des Grenzgangs schwärzte Dirk Immel Gesichter an, verbreitete Spaß und gute Laune, schwang beim „Huppchen“ den Säbel. Vom ersten Augenblick an fühlte er sich „angenommen“ von der Grenzgangsgemeinde, deren großer Zuspruch ihn auch ermunterte, sich sieben Jahre danach erneut zur Wahl zu stellen. Er schmunzelt, denn auch beim zweiten Mal sei er vor dem ersten Schritt hinaus nervös gewesen. „Da ist dieses Kribbeln, das du in dir hast“, schwärmt der Elektriker – ein Kribbeln, das er auch 2006 wieder spürte. Ein viertes Mal stellte er sich nicht zur Wahl: „Irgendwann musst du aufhören, am besten, wenn es am Schönsten ist!“ Außerdem sei er nicht mehr der Jüngste und das Knie bereite ihm Probleme.

Natürlich verspüre er nach so vielen Jahren auch Wehmut. Doch Immel ist sicher, dass sein Nachfolger Jens Wege seine Sache gut machen wird. Wege sei eine Persönlichkeit, ein großer Kerl, der garantiert eine gute Figur abgibt.

Dirk Immel, der mit seiner Frau, den Kindern und der Mutter, in seinem Geburtshaus an der Lahn lebt, ist Grenzgänger mit Leib und Seele: 1978 feierte er seinen ersten Grenzgang als zweitjüngster Bursche der Burschenschaft Damm, in der er Mitglied war, weil die Burschenschaft Muth zu dieser Zeit ruhte. Doch schon beim Grenzgang 1971 hatte Dirk Immel eine tragende Rolle: Er war „Schmiermaxe“ im Schminkteam seines Vaters.

In all den Jahren hat er viele, unvergessliche Momente erlebt: Er beschreibt den Grenzgang 1992 als „den wohl Schönsten, den Buchenau gefeiert hat“, erinnert sich an gemeinsame Trainingseinheiten im Januar 1992 mit den damaligen Wettläufern, die in einer spontanen Feier auf der Ebenheit mündeten, bei der die anderen sein Gesicht mit Ruß schwärzten.

„Um zu sehen, wie ich aussehen würde“, sagt Immel und lacht. Einmal sei er nach dem Grenzgang sogar von Mitgliedern der Kapelle besucht worden, die beim „Huppchen“ auf dem Festplatz die Fanfaren geblasen hatten. Außerdem treffen sich bis heute die Mohren und Wettläufer der Grenzgänge, die Ende der 1990er Jahre in den umliegenden Grenzgangsgemeinden stattfanden, von Biedenkopf bis Goßfelden.

„Da ist eine schöne Gemeinschaft entstanden“, bemerkt Immel, in dessen Haus viele Fotografien die schönen Erinnerungen konservieren. Einen Ehrenplatz hat das große Bild bekommen, das Laura, eine Schulfreundin seiner Tochter, ihm zum dritten Grenzgang malte. Überhaupt sei das Besondere am Fest, dass dabei das ganze Dorf enger zusammenwächst.

Am Freitagmorgen wird Immels Nachfolger den Säbel heben und das Komitee begrüßen. Dann hat das lange Warten ein Ende – und der dreimalige Mohr wird das Kribbeln wieder spüren.

Am Eröffnungsabend feierten im Festzelt mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürger. Bereits um 23 Uhr war Schluss, denn heute starten die Grenzgänger auf die erste Etappe.

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