Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Vom Küchentisch direkt hinters Steuer
Landkreis Hinterland Vom Küchentisch direkt hinters Steuer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:13 21.01.2011
Nellja Boger hat eine Weiterbildung zur Busfahrerin absolviert und arbeitet jetzt beim Busunternehmen Udo Diehl in Amönau. Quelle: Katharina Kaufmann

Amönau. Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus. Nellja Boger, Mutter von zwei Kindern, sitzt zu Hause – ohne Ausbildung, ohne Job. Im Kreisjobcenter Marburg war die junge Kasachin gemeldet, doch die abgebrochene Ausbildung nach dem Hauptschulabschluss half ihr nicht wirklich weiter.

In Amönau suchte Maic Schnitzky, Personalverantwortlicher im Busunternehmen Udo Diehl, zur gleichen Zeit verzweifelt nach zusätzlichen Busfahrern. „Wir hatten einen Mangel an Fahrern und brauchten Personal“, erklärt er. Beim Kreisjobcenter hoffte Schnitzky auf Unterstützung, genau wie Nellja Boger.

Das Kreisjobcenter Marburg-Biedenkopf fördert seit dem Jahr 2006 gemeinsam mit drei Busunternehmen aus dem Landkreis die Ausbildung von Langzeitarbeitslosen zu Busfahrern. Denn auf dem freien Markt sind diese äußerst schwer zu finden. 72 Männer und Frauen wurden so bis 2010 qualifiziert. „65 der Teilnehmer haben die Prüfung bestanden, die anderen haben aus unterschiedlichen Gründen abgebrochen, weil sie krank wurden oder feststellten, dass die Arbeit doch nichts für sie ist“, berichtet Uwe Kreiter, Fachdienstleiter Arbeitgeberpersonalservice beim Kreisjobcenter. Dennoch sei diese Weiterbildung die Maßnahme mit der geringsten Abbruchzahl im gesamten Landkreis und vermutlich auch in ganz Hessen, ergänzt Kreiter nicht ohne Stolz. Und – was für ihn besonders wichtig ist – alle 65 Absolventen haben eine Stelle gefunden.

Die Weiterbildung zum Busfahrer umfasst die beschleunigte Grundqualifizierung, in der die Teilnehmer alles lernen, was sie im Umgang mit Kunden wissen müssen, und den Erwerb der Führerscheinklasse D. „Insgesamt dauert die Weiterbildung etwa zwölf Wochen“, erläutert Kreiter. Voraussetzung sei, dass keine Vorstrafen bestünden und möglichst auch keine Punkte in Flensburg verliegen würden. „Schließlich tragen die Fahrer auch eine große Verantwortung“, so Kreiter.

von Katharina Kaufmann

Mehr lesen Sie am Samstag in der gedruckten OP und bereits am Freitagabend auf Ihrem iPad.