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Vom Broadway nach Biedenkopf

Porträt Vom Broadway nach Biedenkopf

Abenteuerlust und Sicherheitsbedürfnis vereint Birgit Simmler als Kulturreferentin der Stadt Biedenkopf und als Regisseurin. Sie will künstlerisch wertvolle Arbeit leisten, ohne die sozialen Aspekte aus dem Auge zu verlieren.

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Für die Kulturreferentin und Regisseurin Birgit Simmler und ihre Familie ist die Stadt Biedenkopf ein Stück Heimat geworden.Foto: Helga Peter

Biedenkopf. Für die 40-jährige Birgit Simmler, die in zahlreichen Großstädten, wie Regensburg, Berlin, New York und Wien lebte und arbeitete, ist Biedenkopf die Stadt geworden, von der sie sagen kann: „Ich bin angekommen.“ In der ehemaligen Kreisstadt ist sie Kulturreferentin. Außerdem ist sie seit sechs Jahren als Regisseurin an der Freilichtbühne in Hallenberg und freiberuflich in München am Gastspielhaus Kempf als Regisseurin der „Harry Belafonte Story“ tätig. Dabei schafft sie den Spagat zwischen Beruf und Familienleben.

Simmler sind Umzüge durch die Berufstätigkeit der Eltern nicht fremd. Sechs Jahre ihrer Kindheit verbrachte sie in Regensburg und zog - beim Bericht darüber lächelt sie verschmitzt - „mitten in der Pubertät“ nach Berlin.

Nach ihrem Abitur war sie zunächst von den Studienfächern Kunst und Journalismus fasziniert, wandte sich dann den Geisteswissenschaften zu und studierte Germanistik und Anglistik mit dem Abschluss des ersten Staatsexamens zum Lehramt.

Theaterluft schnupperte sie nach dem Fall der Mauer im Osten Berlins im Kabarett Distel. Ein Stipendium führte sie in die USA an die Duke-Universität in Durham (North Carolina). In dieser Zeit erkannte sie, dass Journalismus eigentlich nicht das ist, was ihr beruflich zusagt. Am Broadway arbeitete sie ein Jahr als Austauschstudentin für Emanuel Azenberg, dem sie durch ihr Lichtdesign aufgefallen ist. Dort lernte sie den bekannten Autor Neil Simon kennen und war sehr beeindruckt von dem kollegialen und kreativen Umgang zwischen Regisseur und Autor. Sie berichtet noch immer fasziniert von diesen Eindrücken.

Ein von ihr gefordertes Feedback zu Arthur Millers „Scherben“ wühlte sie damals sehr auf und rührte sie in ihrer Artikulation zu Tränen, sodass Emanuel Azenberg ihr gegenüber äußerte: „Mädel, da steckt eine Menge in dir drin. Willst du eine Praktikantenstelle oder einen Job. Letzteres hat sie gewollt und so Einblicke in die Abläufe am Broadway gewonnen.

„Nach meiner Rückkehr nach Berlin gründete ich eine eigene Theatergruppe an der Freien Universität Berlin und habe etwa zwölf Theaterstücke produziert und inszeniert. Das willst du machen“, war meine Erkenntnis auch unter Berücksichtigung aller Sicherheitsabwägungen.

„Ich sah viel Neuland auf mich zukommen, wobei Netzwerke und Beziehungen nicht vorhanden waren“, erinnert sich Birgit Simmler.

Nach dreijähriger Regietätigkeit am Theater der Welt ergab sich für Birgit Simmler eine neue Weichenstellung. Es reizte sie damals eine Tätigkeit am Manhattan Theater Club und es stand die Abendspielleitung am Raimundtheater in Wien im Raum. Für letzteres entschied sie sich, und Amerika war fortan passé. Sie schrieb eigene Theaterstücke, darunter mit „Der Praktikant“ ein spannendes Stück, das die Weltmächte USA und China in den Fokus rückte. Sie entdeckt, dass die Zuschauer fasziniert sind von den Verschwörungen, wobei die „eingebauten“ Zufälle eher weniger Beachtung finden.

„Ich wollte selbst produzieren, bin nach Berlin zurückgegangen, und es hat mich wieder nach Wien gezogen“, berichtete Simmler von dieser Zeit, in der sie auch ihren Ehemann kennenlernte und beide gemeinsam spannende Zeiten, darunter auf den Theaterbühnen der Kreuzfahrtschiffe MS Astor und Astoria erlebten. Später nach dreijähriger Regietätigkeit an einem Tourneetheater belegte sie an der Universität Zürich nochmals einen Studiengang und schloss ihn mit dem Diplom „Executive Master in Arts Administration“ ab.

Mit dem Beginn ihrer Tätigkeit als Regisseurin an der Freilichtbühne in Hallenberg im Jahre 2007 „näherte“ sich Simmler der heimischen Region.

„Diese Bühne habe ich gesehen, sofort Ideen entwickelt und bin mit großem Enthusiasmus damals an die Aufführung von „Piroschka“ gegangen.“ Das Engagement der Hallenberger Bürger für ihre Freilichtbühne sei faszinierend. Diese Arbeit sei wertvoll und bereichernd, da viele Personen aller Altersstufen in diese Theaterkultur mit einbezogen und mit jährlich etwa 40000 Zuschauern viele Zielgruppen erreicht werden, sagt Simmler.

Ihre Kollegen in Zürich hätten ihre Entscheidung und damit den „Gang auf das Land“ mit Verwunderung betrachtet, doch für sie und ihren Ehemann, der als Regisseur an der Freilichtbühne in Herdringen arbeitet, sei dieser Schritt authentisch gewesen, zumal sich 2008 mit der Geburt des Sohnes ein Wunsch erfüllte.

Mit dem Antritt ihrer Tätigkeit im Jahre 2009 als Kulturreferentin der Stadt Biedenkopf entwickelte sich Simmlers Aufgabenfeld ganz nach ihrer Vorstellung. Es ist ihr möglich, freiberuflich bei Uraufführungen in Berlin und in München Regie in der „Harry Belafonte Story“ im Gastspielhaus Kempf zu führen. Für Biedenkopf habe sie in den vergangenen Jahren außer zahlreichen kulturellen Veranstaltungen mit dem „Sommer in der Stadt“ ein Stadtfest initiiert und Ideen für etwas Neues entwickelt, das sie noch nicht preisgeben will.

von Helga Peter

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