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Volle Mülltonnen, leere Kitas

Warnstreik Volle Mülltonnen, leere Kitas

Keine Busse, keine Müllabfuhr, keine Kinderbetreuung – weil die Gewerkschaft Verdi den öffentlichen Dienst in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg am Dienstag zu einem Warnstreik aufgerufen hatte, ging auch in Marburg bei zahlreichen kommunalen Behörden und Einrichtungen vieles nur mit Einschränkungen oder gar nicht.

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Viele Kindertagesstätten in Marburg - hier am Richtsberg - blieben am Dienstag leer oder boten nur einen Notdienst.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Stadtbusse blieben bis Schichtende im Depot, zahlreiche Mülltonnen ungeleert am Straßenrand. Viele Kindertagesstätten in Marburg und den Stadtteilen hatten geschlossen oder arbeiteten mit einem Notdienst wie in der Kita Goldbergstraße in Cappel. „Die meisten Eltern haben Verständnis gezeigt“, erklärte deren Leiterin Ulrike Stehling.

In vielen Städten stiegen Pendler auf Fahrräder um oder gingen gleich zu Fuß. Doch es gab auch Kritik an dem erneuten Ausstand. „Ich arbeite seit zwanzig Jahren und habe kein einziges Mal gestreikt“, regt sich der Unternehmensberater in der Schlange am Taxistand auf. Weil Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen wegen des ganztägigen Warnstreiks im öffentlichen Dienst nicht fahren, ist das Taxi für viele Pendler die letzte Möglichkeit. Doch während die Schlange bei den Taxen vor dem Frankfurter Hauptbahnhof immer länger wird, sind die meisten Reaktionen der Betroffenen eher gelassen: „Es hilft ja nichts - was will man machen?“

Über 16 600 Beschäftigte der Branche waren nach Gewerkschaftsangaben landesweit für ein Einkommensplus von 6,5 Prozent auf die Straße gegangen. Dabei hatten sie auch Kindergärten, Rathäuser und Krankenhäuser lahmgelegt. Alleine in Hessens größter Stadt Frankfurt beteiligten sich mehr als 6 000 Beschäftigte an dem Warnstreik. Etwa 5000 Demonstranten zogen unter dem Motto „Wir sind es wert“ durch die Innenstadt der Mainmetropole. Mit Trommelrhythmen, Trillerpfeifen, Fahnen und Transparenten verliehen sie ihren Forderungen Nachdruck.
Bei der abschließenden Kundgebung an der Hauptwache nannte eine Verdi-Sprecherin das Angebot der Arbeitgeberseite von 3,3 Prozent in zwei Stufen nicht akzeptabel. „In Wahrheit sind das 1,77 Prozent Lohnerhöhung. Das ist Hohn. Das ist doch Verarschung!“ Und in Richtung Arbeitgebervertreter fügte sie hinzu: „Zwei Runden lang haben wir deutlich und gut verhandelt. Jetzt ist es an euch.“Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden hatte die Gewerkschaft mobil gemacht. „Die Relation zwischen Arbeiterlohn und Managergehalt stimmt einfach nicht mehr, das macht mich wütend“, mahnt der 62-jährige Demonstrant John Cebulla. Einzelne Menschen häuften extremen Reichtum an und die Mehrheit habe kaum Geld zum Leben. Der Verwaltungsangestellte beim Landkreis Rheingau-Taunus hält vier bis fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes für angemessen.

von Katharina Kaufmann und unserer Agentur

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