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Hinterland Visionen von einem gerechteren Leben
Landkreis Hinterland Visionen von einem gerechteren Leben
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18:08 06.01.2014
Besonders beeindruckt war Dekan Matthias Ullrich von der Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee aus Liberia. Im Jahr 2002 organisierte sie die Gründung der Bewegung „Women of Liberia Mass Action for Peace“, die sich mit öffentlichen Gebeten und Protestgesängen gegen die Schreckensherrschaft von Machthaber Charles Taylor stemmte.Foto: Joanna Linda Quelle: Joanna Lindén-Montes/WCC
Gladenbach

Wahnsinnig konkret sei das Treffen gewesen, sagt Dekan Matthias Ullrich. Nein, es sei eben kein Kaffeekränzchen unter Christen gewesen, bei dem bloß floskelhaft über die verschiedenen religiösen Traditionen gesprochen wurde. Herzlich, aber auch kritisch sei es unter den Abgesandten zugegangen, die aus allen Teilen der Erde zu der Vollversammlung ins südkoreanische Busan gereist waren.

Besonders intensiv seien die Diskussionen genau dann gewesen, wenn Kontroversen angeschnitten wurden, die die christliche Welt heute mehr denn je in Spannung versetzen, sagt Ullrich. Dazu zählt auch das Thema Homosexualität und Kirche. Während sich Europa und speziell Deutschland diesem Thema immer weiter öffne, gehe es in weiten Teilen der Welt wesentlich zurückhaltender zu.

Über den Beitrag eines Vertreters der russischen Kirche sagt Ullrich beispielhaft: „Seine Ansichten waren - nun, sagen wir mal - äußerst konservativ.“ Hingegen habe es aber auch deutliche Fürsprecher gegeben, die sich während der Konferenz offen bei den Menschen entschuldigten, die aufgrund ihrer sexuellen Neigung vor den Kirchen in Ungnade gefallen seien. Eindrucksvoll sei die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) auch deshalb gewesen, berichtet Ulrich, weil eben nicht nur Würdenträger vor Ort waren. Vielmehr sei es eine bunte Auswahl von Abgesandten gewesen, die viele unterschiedliche gesellschaftliche Schichten abdeckten.

Ein eindringlicher Appell

So habe unter anderem eine junge, schwangere Frau aus Malawi vor der Versammlung gesprochen. Die HIV-Infizierte habe einen eindringlichen Appell mit dem Publikum geteilt. Dieser lautet, Aids als das zu betrachten, was es ist: eine Krankheit. Und keine Strafe Gottes.

Die Fülle der Themen, die in Busan verhandelt wurden, sei fast unüberschaubar, sagt Ullrich. Neben den rein theologischen Diskussionen über Mission und Evangelisation sowie die Einheit der Kirchen, habe es auch Stellungnahmen zu aktuellen politischen Themen gegeben. Dazu zählt auch eine Resolution für Korea.

In dem noch immer vom Norden getrennten Ausrichterland regten die Abgesandten eine Kampagne für einen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea an. „Wichtig ist, das die Menschen sich wieder treffen können. Nur im Dialog kann es eine Lösung des Konflikts geben“, sagt Ullrich, der das Zeichen aus Busan nicht unterbewertet sehen möchte: „Vielleicht beginnt mit diesem Beschluss ja ein politisches Tauwetter in Korea - wer weiß?“

Die Arbeit des Ökumenischen Rates sei jedoch nicht auf die alle sieben Jahre stattfindenden Vollversammlungen begrenzt, erklärt Ullrich: „In verschiedenen Gremien werden die Beschlüsse weiter aufgearbeitet und konkret umgesetzt.“

Ein wichtiger Punkt in Busan war das Thema Gerechtigkeit. Ein Begriff, der von vielen Teilnehmern unterschiedlich gedeutet wurde, berichtet Ullrich. „Menschen aus Afrika oder Südamerika haben ein anderes Verständnis von Gerechtigkeit, als wir es oftmals haben“, sagte Ullrich. Diese verschiedenen Ansichten traten bei den Gesprächen in den Kleingruppen zutage, in denen sich die Teilnehmer nach den Vorträgen zusammenfanden.

Ullrich berichtet von einem weiteren großen Thema der ÖRK-Versammlung: der Mission. Ein Wort, das noch immer eng an den Begriff Missionierung gebunden werde. „Und Missionierung erinnert fatal an die Kolonialzeit“, sagt Ullrich. Der ökumenische Rat habe sich aber längst einem anderen Verständnis von Mission zugewandt. Dabei geht es um den Gedanken, dass die Mission von Gott ausgehe und nicht von den Menschen. Aus der Bibel sei ersichtlich, dass Gott nicht wolle, dass Menschen in Unterdrückung leben, sagt Ullrich. Es gehe um Freiheit. Die Christen, die sich engagieren, sollen diesen Gedanken bei ihrer Arbeit verbreiten und keine Missionierungsarbeit im klassischen Sinne ableisten.

Fehlende Spontanität

Beeindruckend empfand Ullrich nicht nur den Gemeinsinn innerhalb der Teilnehmerschaft, sondern auch Begegnungen außerhalb des Tagungszentrums in Busan. Dazu zählte vor allem der Besuch eines Migrationszentrums, das von einer ehemaligen Pfarrerin gegründet wurde. „Sie hat vor fünf Jahren einfach gehandelt. Sie wollte sich für die Frauen einsetzen, die aus ihrer ärmlichen Heimat, wegen einer Heirat nach Südkorea gekommen waren und sich nun als Fremde in einem fremden Land fühlen.“

Beeindruckt habe ihn dabei besonders die Tatsache, dass die Frau nicht lange über ihren Entschluss nachdenken musste. Genau hierin liege ein großes Problem der Hilfsprojekte in Deutschland. „Bei uns wird ja sogar das ehrenamtliche Helfen durchorganisiert. Freiwilliges Engagement wird dadurch häufig schon im Keim erstickt.“ Insgesamt zieht Ullrich aber ein sehr positives Resümee seiner Reise.

„Man sollte niemals damit aufhören, aufzuschreiben, wie es besser gehen könnte. Wir alle brauchen Visionen“, sagt Ullrich und zieht für sich ein positives Fazit aus der Zeit in Busan: „Ich habe das Christentum als sehr lebendige und hoffnungsvolle Bewegung erlebt, die weltweit eine hohe Dynamik entwickelt.“

Sie wollen mehr über den Ökumenischen Rat wissen? Matthias Ullrich berichtet am 24. Januar ab 18 Uhr im Gladenbacher Gemeindehaus Blankenstein von seinen Erlebnissen.

von Dennis Siepmann

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