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"Viele sind einfach ausgebrannt"

Montagsgebet in der Elisabethkirche "Viele sind einfach ausgebrannt"

Zu wenig Personal, zu wenig Zeit: Pflegedienstleiterin Erika Hallenberger und Klinikpfarrerin Marion Kohl-Eckhardt berichteten über die Pflege-Situation am Uniklinikum Marburg.

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Die Pflegedienstleiterin der Kinderklinik am UKGM, Erika Hallenberger (links) und Klinikpfarrerin Marion Kohl-Eckhardt beim Montagsgebet in der Elisabethkirche. Foto: Dennis Siepmann

Marburg. Marburg. Nachdenklich stimmende Worte richtete Erika Hallenberger, Pflegedienstleiterin der Kinderklinik, an die Zuhörer in der Elisabethkirche. Etwa 120 Interessierte waren gekommen, um dem mittlerweile schon traditionellen gesundheitspolitischen Montagsgebet zu lauschen.

Die Pflege von Patienten sei einem stetigen Wandel unterlegen, sagte Hallenberger. Diese Entwicklung sei in den vergangen Jahren jedoch alles andere als positiv verlaufen. Im Besonderen sei diese Veränderung auch am Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM) festzustellen. Viel weniger Zeit für die Patienten als in der Vergangenheit sei vorgegeben - ein vordergründiges Problem, sagte Hallenberger und stellte fest:. „Mit der klassischen Pflege verbringen die Pflegekräfte derzeit gerade einmal ein Drittel des Tages. Die restlichen zwei Drittel werden für organisatorische und administrative Aufgaben aufgewendet“.

Diese vorherrschende Situation führe dazu, dass im Endeffekt sowohl die Pflegedienstkräfte, als auch Patienten und Angehörige unter dem chronischen Personalmangel, der Überarbeitung und den Rationalisierungen leiden müssen. Rückblickend erinnerte sich Hallenberger an die Zeit des Umzugs der Kinderklinik von der Nordstadt auf die Lahnberge.

Ernüchterung nach Umzug

Damals seien alle Beteiligten mit Vorfreude an die Planungen gegangen. In Arbeitsgruppen habe jeder Mitarbeiter eigene Ideen und Konzepte für die neue Station miteingebracht. Nach dem Umzug im Jahr 2006 sei dann aber alles anders gekommen. Fusion und Privatisierung hätten das ihrige dazu beigetragen, dass sich die Situation für die Pflegedienstkräfte stetig verschlechtert habe.

Gleichwohl seien alle Angestellten nach wie vor mit Herz und Seele dabei, berichtet Klinikpfarrerin Marion Kohl-Eckhardt. Viele Angestellte suchten das Gespräch und berichteten der Geistlichen von ihren Problemen. Angespannt und ausgebrannt seien viele Mitarbeiter - „überlastet, aber dennoch willig, das Möglichste für die Patienten zu tun“, so Kohl-Eckhardt.

Die zwischenmenschliche Ebene von Patienten und Fachkräften sei unter all diesen negativen Voraussetzungen enorm wichtig, beteuerten beide Rednerinnen. Ein flüchtiges Lächeln bei einer zufälligen Begegnung auf dem Krankenhaus-Flur der Station könne da schon helfen. Für die Mitarbeiter in der Pflege wünschen sich Hallenberger und Kohl-Eckhardt mehr Wertschätzung der Arbeit, eine angemessene Bezahlung, und genügend Ruhezeiten. Ein Appell, der in der Elisabethkirche auf große Resonanz stieß und im Anschluss an das Montagsgebet noch ausgiebig diskutiert wurde.

von Dennis Siepmann

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