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Viele Beruhigungspillen, eine Zusage

UKGM-Betriebsversammlung Viele Beruhigungspillen, eine Zusage

Die Mitarbeiter des Uni-Klinikums sind wütend. Richtig wütend. Ihrem Ärger haben sie gestern bei der Betriebsversammlung Luft gemacht, bei der sich auch die Geschäftsführung den 800 Teilnehmern gestellt hat.

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Betriebsversammlung am Klinikum: 800 Angestellte kommen dem Aufruf des Betriebsrates nach und verfolgen die Ausführungen der Geschäftsführung.

Quelle: Hirsch / Montage Pavlenko

Marburg. Emotional ging es zu. Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher machte unmissverständlich klar, wie sie die vergangenen Tage und Wochen erlebt hat.

„Einfach unerträglich“, sagt sie und ergänzt: „Wir werden für jeden Arbeitsplatz kämpfen. Bevor wir nichts schriftlich haben, hören wir nicht auf.“

Ihre Worte stießen auf Zustimmung bei den 800 Zuhörern. Ärzte, Schwestern, Pfleger, Fahrer, Techniker – sie alle wollten Klarheit über die Sparpläne der Geschäftsführung und quetschten sich in den überfüllten Hörsaal.

Wie  das Erlebte zu  bewerten ist, das wusste direkt nach der über zweistündigen Sitzung kaum jemand. Vieles wurde gesagt, vieles wiederholt.  Enttäuschend für die Zuhörer war die Art und Weise, wie Dr. Irmgard Stippler der klaren Frage aus dem Weg ging, ob die 500 Arbeitsplätze, die laut Betriebsrat gestrichen werden sollen, schon Fakt seien.

Sie kündigte lediglich an, „in die vertrauensvollen, offenenen und transparenten Gespräche“, die es noch im Mai vergangenen Jahres gegeben habe, zurückzukehren. Die Geschäftsführerin berichtetet von ihrem Gespräch am Vorabend bei Ministerpräsident Volker Bouffier, der die Installierung eines unabhängigen Mediators fordert.  „Wir müssen Kommunikationswege anstoßen“, fordert Stippler. „Die Diskussion darf sich nicht um die 500 Stellen drehen. Unser Ziel ist es, die Patientenversorgung mit der Wirtschaftlichkeit zu vereinen.“

Professor Jochen A. Werner, ärztlicher Geschäftsführer, kündigte an, zusammen mit Professor Werner Seeger aus Gießen werde er alles dafür tun, damit aus ärztlicher Sicht alles akzeptabel bliebe. „Die Zahl 500 ist für mich vom Tisch“, sagte er und ergänzte: „Wir haben auch keine andere Zahl im Hinterkopf.“

Der Betriebsrat und auch die Zuhörer ließen nicht locker. Die Belastung sei unmenschlich, die Arbeitszeiten gingen an die körperlichen Grenzen und darüber hinaus, sagte Böttcher und hatte auch einen Verantwortlichen für die  Misere ausgemacht: Aufsichtsratschef Wolfgang Pföhler. „Er ist für mich der Übeltäter“, sagte sie.

Der Einladung nicht gefolgt war auch der neue Bereichsleiter Dr. Gunther Weiß. Eine Reaktion aus dem Publikum: „Schade, er hätte die Chance gehabt, sich vorzustellen. Dann hätten wir auch mal gewusst, wer das überhaupt ist und was überhaupt seine genaue Aufgabe ist.“

Schlussendlich ließ sich Dr. Stippler aber doch zu einer sehr konkreten Aussage hinreißen. Sie versprach, bis zum nächsten Freitag solle es erste Gespräche mit Betriebsrat und Geschäftsführung geben. „Ich versichere Ihnen“, sagte Stippler, „ ich werde die von Ihnen geforderten Informationen zur Verfügung stellen. Ich als Geschäftsführerin habe die Verantwortung, diesen Aufgaben nachzukommen.“ Die Rede ist von einem  Soll-Stellen-Plan, den es nach Aussage von Werner Seeger jedoch gar nicht gibt, ein Überblick über befristete Verträge und weitere Zugeständnisse der Transparenz gegenüber dem Betriebsrat. Darauf entgegnete Böttcher: „Solange wir nichts schriftlich haben, geht der Kampf für uns weiter.“

von Carsten Bergmann

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