Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Versorgung der Patienten ist gesichert
Landkreis Hinterland Versorgung der Patienten ist gesichert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 23.01.2018
Holzhausen

„Diese Lösung ist ausschließlich der Verdienst von Dr. Martin Bohe und seinem Einsatz, um die Versorgung seiner Patienten sicherzustellen“, lobt Bürgermeister Bernd Schmidt (Freie Wähler) den Holzhäuser Facharzt. Gar nicht hoch genug könne man dem Allgemeinmediziner seine Bemühungen anrechnen, ergänzte Schmidt gestern auf Anfrage der OP und widerspricht damit einer von der CDU lancierten Pressemitteilung.

In dieser wird am Ende zwar auch für Bohes Einsatz gedankt, doch zuvor der Verdienst an die eigenen Aktivitäten geknüpft, nämlich der Initiative zur Auslobung einer Ansiedlungsprämie für Ärzte, für die nach langer Diskussion eine Mehrheit in der Gemeindevertretung erreicht worden sei.

„Die nun gefundene Lösung hat mit der Ansiedlungsprämie überhaupt nichts zu tun“, sagt dagegen Bürgermeister Schmidt, dessen Fraktion in der Gemeindevertretung eine Zählgemeinschaft mit der CDU ­bildet. Es handle sich weder um ­eine Übernahme der Praxis von Dr. Bohe noch habe sich der ­Internist Daniel Sieveking an die Gemeinde gewandt, um die Niederlassungsprämie zu erhalten. Die derzeitige Lösung sieht laut Schmidt vor, dass Bohe an drei Vormittagen weiter praktiziere und Sieveking, der seine Praxis in Wallau weiter betreibt, in Bohes Räumen an zwei Nachmittagen Patienten behandelt. Sie bildeten, so Schmidt, eine Art überbetriebliche Arbeitsgemeinschaft.

Ärzte nicht zu erreichen

Die im vergangenen Jahr ­angekündigte Schließung von zwei Arztpraxen, neben der von Dr. Bohe noch die des ­Allgemeinmediziners Joachim Ziegler in Dautphe, zur Jahres­mitte 2018 entfachte in der ­Gemeinde Dautphetal große Sorgen um die medizinische Versorgung., da rund 4 000 Patienten betroffen sind. Verschärfend kam jetzt hinzu, dass zum Beispiel die Gemeinschaftspraxis von Hans-Georg Schwarz und Ulrike Griesel in Friedensdorf einen Aufnahmestopp verhängte. Für die beiden Mediziner der einzige Weg, um ihre fast 2 000 Patienten weiterhin optimal versorgen zu können.

Als Reaktion auf die angekündigten ­Praxisschließungen ­ergriff der Gemeindevorstand mehrere Aktivitäten. Unter anderem gab Schmidt während der Dezembersitzung der ­Gemeindevertretung bekannt, dass es nun Richtlinien für die von der Gemeindevertretung beschlossene Niederlassungsunterstützung für Ärzte gebe. Diese könnten von der Gemeinde Dautphetal zur Absicherung oder Wiederbelebung von Arztsitzen eine Förderung in Höhe von 20 000 Euro erhalten.
Da Gespräche und weitere Werbeversuche nicht fruchteten, engagierte die Gemeinde zudem ein Fachunternehmen, das schon bundesweit Erfolge
in der Besetzung von Arzt­praxen vorweisen kann. Die Mitarbeiter des Büro seien schon für die Gemeinde aktiv, berichtet der Bürger­meister, hätten unter anderem Allgemeinmediziner, Zahnärzte, Physiotherapeuten und Apotheker kontaktiert.

Demnächst soll der Gemeinde eine Konzeption und Handlungsempfehlung vorliegen, über die dann in den Gremien beraten  werden kann.

Die Ärzte Bohe und Sieveking waren gestern für die OP nicht zu erreichen, haben sich aber wie Ulrike Griesel in einem ­Beitrag des hr-Fernsehens zu der Situation geäußert.

von Gianfranco Fain