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Verletzungen waren lebensbedrohlich

Kirschenmarkt-Attacke Verletzungen waren lebensbedrohlich

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen zwei Schalke-Fans verlas ein Rechtsmediziner seinen Bericht vor dem Landgericht Marburg.

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Gestern war der zweite Prozesstag am Landgericht Marburg. Die beiden Angeklagten (mit Kapuzen) müssen sich wegen versuchten Mordes verantworten. Sie hatten einem Mann lebensbedrohliche Verletzungen zugefügt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg/Gladenbach. „Knöcherne Verletzung von der Schläfe bis zum Scheitelbein, Schwellung im Weichgewebe, Blutungen im oberen und unteren Bereich der Hirnhaut, Schürfungen am Hinterhaupt, Hämatom hinter dem Ohr, Unterblutung links unter der Brust, Schürfung am Becken, Unterblutung am Gesäß, Schürfungen an der linken Schulter, Hämatome an den rechten Gliedmaßen, an beiden Kniescheiben und Sprunggelenken“, zählte der Rechtsmediziner Dr. Peter Trageser die Verletzungen auf, die zwei Schalke-Fans einem Dortmund-Anhänger auf dem Gladenbacher Kirschenmarkt im Juli 2017 zugefügt haben sollen.

Am Montag war vor der 3. großen Jugendkammer des Marburger Landgerichtes der zweite Verhandlungstag in diesem Prozess. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 20-Jährigen mutmaßlichen Täter versuchten Mord vor ( OP berichtete).

Der Rechtsmediziner hatte den Verletzten am 4. Juli, zwei Tage nach der Attacke, im Krankenhaus untersucht. Damals lag der gebürtige Gladenbacher im Koma, hatte schon zwei Hirn-Operationen hinter sich. Trageser erklärte: „Wenn ein Schädel auf einer glatten Fläche aufschlägt, dann erzeugt das ein sehr unangenehmes Geräusch, egal ob eine Fraktur entsteht oder nicht.“ Damit beantwortete er entsprechende Nachfragen von Prozessbeteiligten. Diese hatten sich gefragt, warum trotz lautem Aufprall, am Hinterkopf lediglich Schürfungen diagnostiziert wurden und nicht beispielsweise Längsfraktur.

An einem Modell zeigte er, warum die „stumpfen Verletzungen“ für ihn für eine „direkte Gewalteinwirkung“ sprechen. „Sie könnten von einem Tritt sein.“ Er betonte aber auch, dass die Fraktur an sich im rechten Schädelbereich nicht zwangsläufig zur Handlungsunfähigkeit führen musste.

Psychiatrisches Gutachten verlesen

Somit blieb im Raum, ob die Fraktur durch Schläge auf den Kopf entstanden war oder durch ­einen Tritt gegen den Kopf des ­bewusstlosen Opfers. Diesen wollten einige Zeugen gesehen haben, andere aber wiederum nicht. Dass das Gehirn durch die Einblutungen angeschwollen war, stand jedenfalls außer Frage.

„Im vorliegenden Fall waren die Einblutungen infolge der Fraktur lebensbedrohlich“, gab der Rechtsmediziner zu Protokoll. Das Opfer wäre also ohne medizinische Versorgung gestorben. Das kleine Hämatom an der Brust spricht für einen Tritt, „aber man kann auch jemanden mit einem Tritt zu Fall bringen, ohne dass im Nachhinein ein Bluterguss zu sehen ist“, sagte Trageser zum Abschluss.

Neben dem Rechtsmediziner wurden gestern fünf weitere Zeugen vom Vorsitzenden Richter Dr. Thomas Wolf gehört. Zudem wurde ein psychiatrisches Gutachten verlesen. Der Sachverständige attestierte dem Angeklagten aus Kassel eine Störung im Sozialverhalten und einen schädlichen Gebrauch von Alkohol. Abschließend schätzte er ein, dass ein mittleres bis hohes Risiko für weitere ­Gewalttaten von dem Angeklagten ausgehe.

Das Opfer wird sich in den nächsten Tagen ebenfalls einer ärztlichen Begutachtung unterziehen bei der herausgefunden werden soll, welche sichtbaren und unsichtbaren Schäden sowie eventuelle Folgeschäden die schweren Verletzungen nach sich ziehen werden. 

Am Donnerstag, 15. Februar, wird der Prozess fortgesetzt.

von Katja Peters

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