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Hinterland Verkehr fließt ungehindert durch Eckelshausen
Landkreis Hinterland Verkehr fließt ungehindert durch Eckelshausen
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00:19 15.09.2018
Am Dienstag sammelten Bauarbeiter die Absperrungen von der Fahrbahn der Bundesstraße 62 in Eckelshausen ein, die Straße ist nach mehr als drei Monaten Bauzeit wieder frei befahrbar. Quelle: Gianfranco Fain
Eckelshausen

Eigentlich war die Freigabe der Bundesstraße­ 62 durch den Biedenkopfer Stadtteil Eckelshausen erst für diesen Mittwoch vorgesehen, doch die Markierungsarbeiten verliefen am Montag so zügig, dass für Dienstag nur noch die Aufräum- und ein paar kleine Restarbeiten übrig blieben.

Zwar meinte Eugen Reichwein noch, dass die wichtige Ost-West-Verbindung erst am Mittwoch freigegeben werde, doch keine zwei Minuten, nachdem die letzte Absperrung weggeräumt war, verlor er die Abstimmung mit den Reifen. So blieb dem Regionalen Bevollmächtigten Westhessen der Straßenbaubehörde Hessen Mobil nur die Erkenntnis: „Der Verkehr hat sich die Straße wieder genommen.“

Bei Grabungen 520 Tonnen Teerpech entdeckt

Reichweins Bilanz zu den Bauarbeiten, die Anfang Juni begannen und rund zwei Wochen länger als vorgesehen dauerten, fiel positiv aus. Sie hätten „nicht besser laufen können als hier“ und die Qualität sei „sehr gut geworden“. Dazu haben die Bauarbeiter auf 1,9 Kilometern Länge zum Teil unter Vollsperrung rund 7200 Tonnen Asphalt weggefräst, 5000 Tonnen „Frostschutz“ als Unterbau eingearbeitet und mit 1600 Tonnen Material die Straße wieder asphaltiert. Zudem wurden der Kanal erneuert und neue Rinnsteine gesetzt.

Zur Verlängerung der Bauzeit trugen unter anderem bei: nicht geplante Arbeiten der Stadtwerke an den Wasserleitungen­ ­sowie der Fund einer teerpechhaltigen Schicht im Unterbau der Straße, die laut Reichwein „nicht in dieser Menge vermutet war“. Rund 520 Tonnen dieses Sondermülls wurden bis nach Hanau transportiert. Insgesamt investierte die Bundesrepublik 1,5 Millionen Euro in die Erneuerung der Straße, die durch Eckelshausen führt.

Stadt zahlt 45.000 Euro 
für „Straßennasen“

Froh über das Ende der Arbeiten äußerten sich Bürgermeister Jochen Thiemig und Siegfried Engelbach. „Jeder, der jetzt über die Straße fährt, weiß, wie kaputt diese vorher war“, sagte der Ortsvorsteher des Stadtteils und das Stadtoberhaupt erinnerte an die großen Befürchtungen und Belastungen, die sich bestätigten. Doch nicht nur die Eckelshäuser hätten unter der Baustelle gelitten, sondern auch Menschen in den Orten an der „großräumigen Umleitung“.

Aber: Rund 16.000 Fahrzeuge am Tag ließen sich nicht einfach durchs Feld führen, weswegen die Stadt die Ausnahmegenehmigungen auch nur „restriktiv“ vergeben habe. Dennoch seien­ insgesamt 736 erteilt worden, wozu die zuständige Abteilung im Rathaus unter andrem einmal ein Wochenende beschäftigt gewesen sei. Nun sei die Leidenszeit vorbei und die Sanierung der Straße bringe einen zusätzlichen Nutzen für die Eckelshäuser. In enger Zusammenarbeit sei der „intensive Wunsch“ des Ortsbeirats nach einer Querungshilfe vor allem für die älteren Mitbürger erfüllt worden.

Zwar war weder eine Ampelanlage, ein Überweg noch eine Mittelinsel durchsetzbar, doch an zwei Stellen im südlichen Teil der vielbefahrenen B62 ­„Fahrbahnverengungen“ mittels ­
sogenannter „Gehwegnasen“ (Foto: Fain). Deren Baukosten in Höhe von 45.000 Euro zahlt die Stadt Biedenkopf. Den „relativ teuren“ Bau erklärte Thiemig unter anderem mit der anfallenden Entwässerungslösung.

Thiemig schloss mit dem Wunsch, die nächste Freigabe einer Straße solle zeitlich „nicht mehr so weit weg“ stattfinden und sprach damit Reichwein und die in der Planfeststellung befindliche Ortsumgehung an. Wie wichtig diese für Eckelshausen sei, habe die Vollsperrung gezeigt, fügte Ortsvorsteher Engelbach an.

Die Ortsumgehung war eines der Stichwörter für Erhard Flammer. Die wirtschaftlich starke Hinterländer Region brauche Investitionen in Bildung und ­Infrastruktur, meint der IHK-Präsident. Denn, wo Verkehr sei, da wachse der Wohlstand. Im Umkehrschluss hätten die anliegenden Geschäftsleute während der Bauarbeiten „sehr gelitten“. Das sei nun überstanden. Flammer lobte wie zuvor Engelbach und Thiemig die gute Kooperation mit Hessen Mobil und der Baufirma Herzog.

von Gianfranco Fain