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Verkäuferinnen kämpfen weiter

Schlecker Verkäuferinnen kämpfen weiter

Am Dienstag klagten vier Mitarbeiterinnen von Schlecker erneut vor dem Arbeitsgericht auf Weiterbeschäftigung. In einem ersten Eilverfahren hatten die Marburger Richter im April zugunsten der Verkäuferinnen entschieden.

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Marburg. „Warum streitet man sich hier?“, stellte Arbeitsgerichtsdirektor Hans Gottlob Rühle gestern im Verlauf des Gütetermins die wesentliche Frage. Denn eigentlich hatte sich Schlecker erst vor kurzem mit der Gewerkschaft Verdi darauf geeinigt, auch den Mitarbeitern von Schlecker XL Tarifverträge anzubieten. Dies war zunächst nicht der Fall, weshalb die beiden Verkäuferinnen, die nach der Umstellung auf Schlecker XL weiterbeschäftigt werden sollten, bei mehr Arbeitszeit weniger Gehalt als zuvor erhalten hätten. Deshalb hatten sie gemeinsam mit den beiden entlassenen Verkäuferinnen im April auf Weiterbeschäftigung zu den vorherigen Bedingungen geklagt. Das Arbeitsgericht hatte in einem Eilverfahren der Klage entsprochen, allerdings galt das Urteil nur so lange bis das Hauptverfahren entschieden ist.

Ausgangspunkt der Klage war die Erweiterung des Schlecker-Drogeriemarktes in Gladenbach zu einem Schlecker-XL-Geschäft. Bei der Umstellung waren die Verkäuferinnen entlassen worden – es handele sich um ein anderes Geschäft mit anderem Sortiment und damit anderen Aufgaben, so die Begründung der Firma Anton Schlecker. Die von Schlecker gegründete Schlecker XL GmbH bietet neben den üblichen Drogeriemarktprodukten auch Supermarktprodukte an, beispielsweise in einer Frischetheke. Insgesamt soll sich das Sortiment von 3.000 auf 12.000 Produkte erweitern.

Der Sortimentsvergrößerung in diesem Maße in Gladenbach widersprachen die Klägerinnen. Auch Arbeitsgerichtsdirektor Rühle bezweifelte dies, da die Geschäftsräume nicht entsprechend größer geworden seien. Die Anwältin von Schlecker, die alleine auf der Beklagtenseite anwesend war, erläuterte, dass die Schlecker-XL-Märkte unterschiedlich ausgestattet wären und fügte hinzu: „Gladenbach bekommt keine Frischetheke“.

Die Frage, die beim vorherigen Termin vom Marburger Gericht entschieden worden war, nämlich, ob es sich um einen Betriebsübergang handelt, wird von Schlecker nach wie vor bestritten. Auch die Gültigkeit des nun durch die Einigung mit Verdi festgelegten Tarifvertrags für die „alten“ Mitarbeiter ist ein Streitpunkt. Der neue Vertrag, zu dem auch ein Beschäftigungssicherungsvertrag gehört, gelte erst ab 1. Juli und sei damit nicht gültig für bereits bestehende Verträge, so die Anwältin von Schlecker.

Die Fronten blieben am Dienstag verhärtet, sodass Rühle einen Kammertermin für den 1. Oktober anberaumte. An diesem Termin wird sich Schlecker unter anderem zum noch zu klärenden Punkt des Beschäftigungssicherungstarifvertrag äußern.

Eine der Klägerinnen meldete sich gegen Ende noch einmal zu Wort, um dem Gericht und der Anwältin von der guten Kundenbindung in Gladenbach zu erzählen. Diese bestehe weiterhin, auch wenn das Geschäft über einen Monat geschlossen war. Rühle gab ebenfalls zu bedenken, dass in einer kleinen Stadt wie Gladenbach ein Schleckermarkt einen anderen Stellenwert für die Menschen hat als in großen Städten, wo Discounter eher keine persönliche Kundenbindung erzeugen.

von Tanja Hamer

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