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Hinterland Richter rätselt, 
wem er glauben soll
Landkreis Hinterland Richter rätselt, 
wem er glauben soll
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00:17 25.06.2018
Ein Steffenberger steht vor Gericht, weil er seine Frau unter anderem bedroht und vergewaltigt haben soll. Quelle: Felix Busjaeger
Marburg

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hinterländer vor, seine damalige Ehefrau im August 2014 im Schlafzimmer mit massiver­ Gewalt vergewaltigt zu haben. Vier Monate zuvor habe er ihr nach einem Streit ein Messer mit 30 Zentimetern Klingenlänge an den Bauch gehalten und gedroht: „Ich schlitze dich von unten bis oben auf, wenn du fremdgehst oder mich verlässt“.

„Warum hätte ich das machen sollen“, bestreitet der Angeklagte alle Vorwürfe. „Streit gibt es in jeder Ehe, aber es gab nichts, das einen Grund geliefert hätte.“ Die geschiedenen Eheleute­ bestätigten, dass die Frau an diesem Tag im August ihren Ehemann mit einem in seinem Kofferraum liegenden Mobiltelefon, das er entdeckte, überwachte. Während der 42-Jährige betonte, seine Frau sei grundlos eifersüchtig, sagte sie, er habe sie wiederholt betrogen.

In jedem Fall kam es nachts in der ehelichen Wohnung zum Streit. Er gab an, im Ehebett körperlich von seiner Ehefrau bedrängt worden zu sein, sodass er sie gebissen habe, um sich zu wehren. Sie sprach dagegen von massiven Schlägen –„als ob ich ein Mann wäre, so hat er mich zusammengeschlagen“ – und einer brutalen Vergewaltigung. „Er hat mich schon immer geschlagen und gedemütigt“, was er vehement bestreitet.

Aussage gegen Aussage und viele Vorwürfe

Die Drohung mit dem Messer, so die 40-Jährige, sei erfolgt, damit sie sich nicht mit Freundinnen treffe. „Und ich habe richtig Angst gehabt, schließlich hatte kurz vorher ein Mann in Breidenbach seine Ehefrau mit einem Messer umgebracht.“

Die Verteidigung verwies darauf, dass die Frau ihren Mann auch nach der Trennung mehrfach anzeigte, so einmal wegen Entführung des eigenen, bei ihm lebenden Kindes, das sie zuvor bei ihm abgesetzt habe, und wegen Beleidigung. Vor der mehrere Tage nach der Tat erfolgten Vergewaltigungsanzeige habe sie ihm diese angedroht, zahle er nicht 15.000 Euro an sie, sagte der Angeklagte.

Der Vorsitzende Richter Dominik Best stellte fest, wissenschaftlichen Rat einzuholen zu müssen, um in der Aussage-­gegen-Aussage-Konstellation zu einem Urteil zu kommen. Grund waren Angaben der mutmaßlich Geschädigten zu einer psychischen Erkrankung, die ärztlich behandelt werde. 

Auch gab sie zu, im Tatzeitraum verordnete Medikamente­ nicht eingenommen zu haben. Deshalb, so Best, könne das Gericht nicht alleine über die Glaubwürdigkeit der Frau entscheiden. „Das heißt nicht, dass wir Ihnen nicht glauben“, so der Richter zur Frau, „aber es heißt eben auch nicht, dass wir ihm nicht glauben.“ Der Prozess wird neu angesetzt.

von Heiko Krause