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„Verbrüderung“ der Berufsgruppen

Uniklinikum „Verbrüderung“ der Berufsgruppen

Wenige Tage vor der Entscheidung über die angestrebte Übernahme des Rhön-Konzerns durch Fresenius hat der Protest der Beschäftigten am UKGM eine neue Qualität erreicht.

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„Aktive Mittagspause“ am Uni-Klinikum auf den Lahnbergen: Der Anästhesist Dr. Thorsten Steinfeld spricht zu seinen Kolleginnen und Kollegen. Foto: Tobias Hirsch

Marburg. Dr. Thorsten Steinfeld war zufrieden: Der Anästhesist, der zuvor in einer „Aktiven Mittagspause“ zu 300 Beschäftigten des UKGM gesprochen hatte, bilanzierte die Aktion des Personalrats: „Solch einen hohen Anteil von Kollegen zu mobilisieren, das ist schon eine Leistung.“

Mit „Kollegen“ waren in diesem Fall die Berufskollegen im engeren Sinne gemeint, also die Ärzte, die, so Steinfeld „eine derart enge Taktung haben, dass es zu einer solchen Aktion eigentlich gar nicht kommen kann.“ Für den Mediziner war entscheidend, dass „wir uns verbrüdern mit den anderen Berufsgruppen am Klinikum: wir haben schließlich alle das gleiche Interesse.“

Die Ärzte denken aber, wenn sie „Kollegen“ sagen, auch an die anderen Berufsgruppen am UKGM. Sie fordern eine adäquate personelle Ausstattung in der Pflege, „die ein kollegiales Zusammenarbeiten sichert, bei dem es nicht um eine weitere Überlastung der einen oder anderen Berufsgruppe geht“, wie Steinfeld sagte.

Gut 200 der exakt 698 Mediziner am Standort Marburg hatten an der „aktiven Mittagspause“ teilgenommen, zu der der Personalrat aufgerufen hatte. Gut 200 haben auch einen Forderungskatalog an die Landesregierung unterschrieben, in dem auf Forschung und Lehre als zentrale Aufgaben der Hochschulmedizin hingewiesen und zudem gefordert wird, die Renditeerwartung eines Betreibers müsse sich an den realistischen Möglichkeiten eines Universitätsklinikums orientieren. „Eine schwarze Null ist für ein Universitätsklinikum schon ein herausragendes Ergebnis“, sagt Dr. Franz-Josef Schmitz, der Personalratsvorsitzende am Marburger Standort des UKGM.

Dr. Axel Hegele, Oberarzt für Urologie und Kinderurologie, sagt deswegen, bei allen künftigen Verhandlungen müsse klar sein - unabhängig von der Betreiberform - , wie Wissenschaft und Lehre neben der Krankenversorgung ausreichend finanziert werden. „Ich kann auch am OP-Tisch nur dann junge ­Kollegen ausbilden, wenn ich die Zeit dafür habe“, sagt Hegele. Steinfeld hatte in seiner Rede gesagt, „Stellenpläne müssten verbindlich als Basis einer sicheren und hochwertigen Patientenversorgung bestehen, um eine Quersubventionierung der Krankenversorgung durch Forschung und Lehre entgegen zu wirken.“

In diesem Zusammenhang begrüßt Personalrats-Chef Schmidt auch die Vorstudie, die ­Medizin-Dekan Matthias Rothmund vorgestellt hatte (die OP berichtete). Danach müssen Ärzte in der Praxis deutlich mehr Zeit für die Krankenversorgung aufwenden und sind weniger Zeit mit Aufgaben in der Lehre und vor allem der Forschung beschäftigt als laut Stellenplan vorgesehen.

Schmitz teilte mit, dass der Personalrat von der Rhön-AG seit längerem Mitbestimmung in der Aufteilung der Arbeitszeit für die Krankenversorgung und für Forschung und Lehre fordert. Das Verfahren ist in zweiter Instanz vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof anhängig.

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