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Verborgene Schätze erwarten Besuch

Industriekultur-Ausstellung Verborgene Schätze erwarten Besuch

Die Initiatoren der Ausstellungin der Universitätsbibliothek können sich vorstellen durch das Hinterland eine touristische „Route der Industriekultur“ einzurichten.

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Die Carlshütte bei Buchenau ist eines der herausragenden Industriedenkmäler, die es im Hinterland gibt. Heinz-Jürgen Turba aus Gießen informiert sich an einer Tafel über die Biedenkopfer Brauerei Balbach.

Quelle: Martina Koelschtzky

Marburg. von Martina Koelschtzky

Marburg. Das reiche industriekulturelle Erbe in Mittelhessen würdigt die Ausstellung „Industriekultur an Lahn und Dill“, die im Foyer der Marburger Universitätsbibliothek zu sehen ist. Fazit der spannenden Forschungsreisen, die auch ins Hinterland führen, ist, dass eine „Route der Industriekultur“ eingerichtet werden sollte.

Reiche Funde haben Studenten und Professoren des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Seminaren zu industriekulturellen Denkmälern an Lahn und Dill gemacht. Bei der Eröffnung der Ausstellung mit 20 Tafeln, die das Ergebnis dieser Arbeit ist, war den Referenten die Faszination der „verborgenen Schätze“, die es auch im Hinterland gibt, deutlich anzumerken.

Professor Christian Kleinschmidt als Leiter des Projekts erzählte, dass er als Nordrhein-Westfale Mittelhessen zunächst als Raum „ohne Fußball und ohne Industriekultur“ wahrgenommen habe. Er sei jedoch eines Besseren belehrt worden. Nicht nur bekannte Industriedenkmäler wie die Mineralwasserfabrik in Selters oder die optische Industrie in Wetzlar habe ihm das reiche industriekulturelle Erbe der Region gezeigt.

„Mittelhessen war spät in der Industrialisierung, aber hat aufgrund des Vorteils, von den Erfahrung der schon weiter fortgeschrittenen Regionen zu lernen, zügig aufgeholt“, berichtete er. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert sei die heimische Region eine der zentralen Eisenerzregionen Europas gewesen, wovon Industriedenkmäler im Scheldetal oder die Besuchergrube „Fortuna“ bei Oberbiel zeugten. „Da kann man 135 Meter tief einfahren, das hat nicht einmal die Zeche Zollverein geschafft, die heute Weltkulturerbe der Unesco ist“.

Kevin Rink berichtete von den Erfahrungen der Studenten. Er hat sich beispielsweise mit der Brauereigeschichte der Region und besonders mit dem Gebäude der ehemaligen Brauerei Balbach in Biedenkopf befasst. Auch Balbach hat eine eigene Tafel in der Ausstellung.

Schieferberg in Gladenbach ist größte Halde Hessens

Professor Otto Volk vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde teilt die Begeisterung seiner Mitstreiter. Er führte die Gäste in die Ausstellung ein und zeigte sich begeistert vom Schieferberg in Gladenbach, vermutlich der größten Schieferhalde in Hessen. Der Schieferabbau sei im 19. Jahrhundert staatlich gefördert worden, weil durch die Dacheindeckung mit Schiefer die Brandgefahr in den Orten eingedämmt wurde, erklärte er. Volk bedauerte, dass beispielsweise von der Ludwigshütte kaum Gebäude erhalten seien und zeigte sich beeindruckt von den Bauten der Carlshütte bei Buchenau.

Gemeinsam ist allen Ausstellungsmachern die Idee, in Mittelhessen und auch durch das Hinterland eine touristische „Route der Industriekultur“ einzurichten. Kleinschmidt berichtete von der Industriekulturroute Rhein-Main, die sich zum Besuchermagnet entwickelt habe. „Wenigstens Tafeln mit historischen Daten und Fakten zur Bedeutung könnte man an den

Industriedenkmälern schon mal anbringen“, regte er an.

Volk bedauerte die Schwierigkeit, die oft riesigen historischen Industrieanlagen zu erhalten, und zeigte sich dankbar für jeden Privatmann, die solche Gebäude erhalten und umnutzen wollen wie für jeden Verein oder jede Initiative, die ein Industriedenkmal erhalten wollen.

Er könne sich eine solche Industriekulturroute über Gießen, Wetzlar, Weilburg, durch das Dilltal und hinauf ins Hinterland, über das Scheldetal, Dautphetal und Biedenkopf sehr gut vorstellen, sagte er. Rund 100 Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung.

Die Ausstellung im Foyer der Universitätsbibliothek, Wilhelm-Röpke-Straße 4, in Marburg ist bis zum 20. Januar täglich von 8 bis 24 Uhr zu sehen.

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