Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Vaupel „Rädelsführer“ für Kundgebung

Uniklinik Vaupel „Rädelsführer“ für Kundgebung

Unmittelbar vor dem Ende der Angebotsfrist ist die Übernahme des Klinik-Konzerns Rhön AG durch den Konkurrenten Fresenius gestern wieder unwahrscheinlicher geworden.

Voriger Artikel
Windnutzung: Lohra macht nächsten Schritt
Nächster Artikel
Der Vollbart ist für den Mohr ein Muss

Ungewisser denn je stellt sich in diesen Tagen die Zukunft des Universitätsklinikums dar. Ein breites Bündnis ruft für Freitag zu einer Demonstration auf dem Marktplatz auf.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Bis Mitternacht gab es keine offiziellen Meldung darüber, ob die Übernahme geglückt ist. Fresenius hatte in der Vergangenheit die Kontrolle von mehr als 90 Prozent der Aktien als Bedingung genannt und eine Verlängerung der Angebotsfrist ausgeschlossen.

Am Mittwoch meldete sich nun überraschend Fresenius-Konkurrent Asklepios zu Wort. Der Kliniksverbund teilte der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht dass sie die Schwellen fünf Prozent der Stimmrechte an der Rhön-Klinikum AG überschritten haben. Die Höhe des Stimmrechtsanteils beträgt laut Pressemitteilung nun 5,01 Prozent. Man wolle sich „hinsichtlich der Rhön Kliniken alle Gestaltungsmöglichkeiten offen halten“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Die Aktien von Fresenius und Rhön gingen nach der Nachricht von Asklepios in den Keller.

Unabhängig vom Ausgang des Börsenkrimis gehen die Protestaktionen in Marburg gegen Personalabbau und für den Rpckkauf durch das Land Hessen weiter. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) teilte mit, dass er für Freitag, 16 Uhr, einen Antrag auf eine Protestkundgebung auf dem Marktplatz gestellt habe. Universitätspräsidentin Professorin Katharina Krause pochte gestern noch einmal darauf, „von jedem Betreiber müsse ein belastbares Konzept für die gemeinsame mittelhessische Universitätsmedizin erwartet werden“.

Am Donnerstag Nachmittag gegen 16.30 Uhr wird wohl - unabhängig vom Ausgang des Pokers um die Übernahme der Rhön-AG durch den Konkurrenten Fresenius - feststehen, dass die früheren Landesbeschäftigten am Universitätsklinikum bis zum Ende des Jahres Zeit haben werden, sich für oder gegen eine Rückkehr in den Landesdienst zu entscheiden. Der Hessische Landtag wird heute einen entsprechenden Gesetzentwurf der SPD-Fraktion nach Lage der Dinge mit breiter Mehrheit beschließen.

Am Mittwoch legten die Mehrheitsfraktionen einen Antrag im Landtag vor, „alle Optionen im Zusammenhang mit der Zukunft des Klinikums zu prüfen“. Die Grünen werteten dies als Indiz dafür, dass die Haltung „Privatisierung um jeden Preis“ in der Landesregierung nicht mehr mehrheitsfähig sei. Sie kritisierten aber, dass von der Regierung Bouffier derzeit nur Allgemeinplätze zum UKGM kommen.

Universitätspräsidentin Katharina Krause äußerte sich gestern zu den Eckpunkten für die Zukunft des Universitäts­klinikums Gießen und Marburg: Ein gelingendes Konzept brauche enge Zusammenarbeit und Abstimmung aller Beteiligten, appellierte Krause. Die Einschätzung des Wissenschaftsrat von 2006 , dass „Konzepte, wie unter DRG-Bedingungen bei Erhalt des für medizinische Forschung und Lehre notwendigen Fächerspektrums dauerhaft Gewinne erwirtschaftet werden können, bislang nicht erkennbar‘ seien, gelte nach wie vor. Von jedem Betreiber müsse aber ein belastbares Konzept für die gemeinsame mittelhessische Universi­tätsmedizin erwartet werden.

Patientenversorgung und Patientensicherheit seien gemeinsame Aufgabe aller Akteure und begründeten „die Notwendigkeit der engen Abstimmung von Krankenversorgung, Forschung und Lehre“, sagt Krause weiter. Damit dies auf Dauer gesichert ist, sei eine vertrauensvolle Zusammenarbeit erforderlich. Krause sieht die Beteiligten hier auf einem guten Weg: „In diesem Punkt sind die derzeitigen Bemühungen des Vorsitzenden der Geschäftsführung, Martin Menger, um die Herstellung von Transparenz ausdrücklich zu würdigen.“

Die Universitätsmedizin brauche zudem qualifizierte und hochmotivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im ärztlichen Dienst, in der Pflege, in Funktionsdiensten und in der Verwaltung. „Vor jedem Betreiber liegt hier die Herausforderung eines konstruktiven Neuanfangs. Universität und Fachbereich sichern zu, alles ihnen mögliche zu tun, damit der enorme Vertrauensverlust ab­gebaut werden kann.“

Demonstration am Freitag auf dem Marktplatz

Der Betriebsrat des UKGM ruft für heute Mittag ab 12 Uhr zu einer „aktiven Mittagspause“ vor dem Haupteingang auf den Lahnbergen auf. Er will nicht Ruhe geben, bis sämtliche Pläne für den Stellenabbau ad acta gelegt sind.

Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel teilte gestern auf OP-Anfrage mit, dass er eine Kundgebung auf dem Marburger Marktplatz angemeldet habe - im übrigen zum ersten Mal in seinem Leben. „Wenn es um die Zukunft unseres Klinikums geht, lasse ich mich gerne als Rädelsführer bezeichnen“, sagte Vaupel zu der ungewöhnlichen Form der Anmeldung.

Zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen rufen zu der Kundgebung auf, die um 16 Uhr beginnen soll.

Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer rechnet damit, dass die Ältestenrat heute beschließen wird, die Sitzung des Stadtparlaments am Freitag, die ebenfalls um 16 Uhr beginnt, wegen der Kundgebung bis 17 Uhr zu unterbrechen. Im Vorfeld hätten alle Fraktionen ihre Zustimmung dazu signalisiert.

„Wir setzen mit der Unterbrechung ein wichtiges Zeichen, dass die Zukunft des Klinikums für das Stadtparlament derzeit das überragende Thema ist“, sagte Löwer. Er selbst will auf der Kundgebung sprechen und deutlich machen, welche Folgen die Privatisierung für Patienten und Mitarbeiter hat.

„Ich bin dankbar, dass wir im Parlament eine solche Einigkeit haben“, sagte Löwer. Das sei wichtig, um den politischen Druck der Stadt in Richtung Wiesbaden aufrecht zu erhalten.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr