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„Vater der Praxis“ geht leer aus

Urteil im Rechtsstreit „Vater der Praxis“ geht leer aus

Der Gründer eines medizinischen Versorgungszentrums in der Nordstadt darf nach dem Verkauf seiner Mehrheitsanteile weder in der Praxis arbeiten noch bekommt er eine Abfindung.

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Der Streit um ein medizinisches Versorgungszentrum landete vor Gericht. Der Kläger, der ehemalige Gründer und Mehrheitseigner, ging leer aus.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am Anfang stand eine Flasche Champagner, am Ende ein Kammertermin vor Gericht.

Dazwischen liegen sechs Monate, in denen sich der Gründer und ehemalige Mehrheitseigner eines medizinischen Versorgungszentrums in Marburg (MVZ) und der neue Gesellschafter, ein Marburger Professor, vor dem Arbeitsgericht stritten.

Es geht um eine halbe Million Euro, um Ehre und um einen Konflikt, den nur noch ein Richterspruch lösen konnte. Der Vorsitzende des Arbeitsgerichts, Hans Gottlob Rühle, musste ein Urteil fällen. Und das tat er: Klage abgewiesen – der „Vater der Praxis“ wird leer ausgehen.

Der 64-jährige Gesellschafter des Versorgungszentrums hatte die radiologische Praxis 1983 gegründet und als GbR (Gemeinschaft bürgerlichen Rechts) geführt. Zwei weitere Gesellschafter holte er sich mit ins Boot, blieb aber selbst Mehrheitseigner.

Im Jahr 2010 wollte der Arzt sich beruflich zurücknehmen, trat sowohl mit einem Klinikum, als auch mit einem Marburger Professor in Verkaufsverhandlungen. „Die Verhandlungen waren bewegt, man hat ums Geld gerungen“; fasst Rühle zusammen.

3,5 Millionen Euro wollte der Praxisgründer, 3 Millionen war der potenzielle Nachfolger bereit, zu zahlen. Auch der kassenärztliche Sitz des Radiologen sollte auf das MVZ übertragen werden. Geeinigt wurde sich nach zähen Verhandlungen mit einem Kaufvertrag, einer Flasche Champagner und der Zusatzregelung, dass der 64-Jährige noch in der Übergangszeit bis April 2011 in der Praxis als Angestellter weiter tätig sei.

„Von da an änderte sich der Status. Vom Arbeitgeber, dem Vater der Praxis, zum Angestellten. Das ist, wie wenn der Papst sich ein graues Gewand anzieht und in das Kloster der Franziskaner einzieht“, fasste Rühle die konfliktgeladene Ausgangssituation zusammen.

von Marie Lisa Schulz

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