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Hinterland Unterschrift besiegelt Partnerschaft
Landkreis Hinterland Unterschrift besiegelt Partnerschaft
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20:00 24.10.2010
Der Gladenbacher Stadtverordnetenvorsteher Hans-Hermann Ullrich (von links), Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim, sein Amtskollege Jozef De Borger und Londerzeels Gemeindesekretär Emiel van der Perre präsentieren die unterzeichneten Städtepartnerschafts-Erklärungen. Quelle: Björn-Uwe Klein

Gladenbach. „Frieden, Freundschaft, Verständigung und Aussöhnung sind ebenso alte, wie aktuelle Themen, die die Menschen immer wieder bewegen“, sagte Gladenbachs Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim und betonte, dass Europa durch eine Vielzahl an Städtepartnerschaften immer enger zusammengewachsen sei.
Knierim verwies auch auf die von Kriegen geprägte Geschichte Europas und rief dazu auf, dafür zu sorgen, „dass durch die Verbindung der Menschen untereinander das Verständnis füreinander wächst und dass Freundschaft und Respekt in Europa weiter zunehmen.“
Darin bestehe eine Verpflichtung, der sich die Stadt Gladenbach bewusst sei, sage Knierim, der in diesem Zusammenhang die bereits bestehenden Städtepartnerschaften mit dem französischen Monteux (1987), Tabarz/Thüringen (1991) und Niemcza/Polen (1998) erwähnte.
Die Worte des Bürgermeisters vernahmen zahlreiche Gäste, darunter der Gemeinderat von Londerzeel, Londerzeels Bürgermeister Jozef de Borger mit seiner Frau Sonia Van Riet sowie auch Delegationen aus Gladenbachs Partnerstädten Niemcza (Polen) und Monteux (Frankreich).
Londerzeels Bürgermeister Josef De Borger beleuchtete einige Stationen auf dem Weg zur Städteverschwisterung. Der erste Schritt sei 1976 im Weidenhäuser Hotel Petersburg erfolgt, als der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Weidenhausen und der Königliche Musikverein St. Cecilia aus Londerzeel St. Jozef zusammenkamen.
Schritt für Schritt sei zwischen den Musikvereinen ein einzigartiges Austauschprojekt zustande gekommen. „Durch Gastfamilien vereinigten sich zwei Kulturen – und es wurden Freundschaften fürs Leben geschmiedet.“
1986 feierten die Bürgermeister beider Kommunen die zehnjährige Verschwisterung der Musikvereine in Londerzeel. Ein Jahr später besuchte der damalige Bürgermeister von Londerzeel, Hugo Nys, die 750-Jahr-Feier in Gladenbach.
Besuche und Gegenbesuche habe es auch darüber hinaus gegeben. Der Nährboden für die offizielle Partnerschaft sei schließlich beim 30-jährigen Bestehen der Freundschaft zwischen den Musikvereinen im Jahr 2006 gelegt worden.
Die Absichtserklärung sei von beiden Gemeinderäten unterschrieben und genehmigt worden, sodass im Frühjahr dieses Jahres die praktische und inhaltliche Vorbereitung der Verschwisterung erfolgt sei.
Viel Arbeit stehe aber noch bevor: „Über die verschiedenen Ressorts – von Kultur, über Jugend und Sport, bis Umweltschutz und Tourismus, lokale Ökonomie und Entwicklung – können wir einander die Hand reichen und einander helfen“, sagte De Borger.
Den Stellenwert einer mit Leben ausgefüllten Partnerschaft hob auch Heinrich Müller hervor, in dessen Amtszeit als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Weidenhausen die Gründung der Partnerschaft mit der Königlichen Fanfare St. Cecilia aus Londerzeel St. Jozef im Jahr 1976 fiel. Schon zuvor hatte sich Müller stets um Freundschaften mit Musikzügen aus dem europäischen Ausland bemüht. Seine Motivation, für Völkerverständigung einzutreten und junge Menschen in Toleranz zu üben, gründe auf seinen Kriegserlebnissen, erklärte Müller.
Die Vorgeschichte der neuen Städtepartnerschaft beginne nicht erst 1976, sondern bereits im Zweiten Weltkrieg. Junge Menschen im Krieg sterben zu sehen, habe in ihm das Bestreben ausgelöst, Menschen und Güter zu schützen, statt zu zerstören, unterstrich der 85-Jährige. Dieses Bestreben habe ihn nach Kriegsende zum Eintritt in die freiwillige Feuerwehr bewogen.
Als „34 Jahre gelebte Völkerverständigung“ bezeichnete der Vorsitzende des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Weidenhausen, Alexander Wagner, die Freundschaft der beiden Musikzüge und äußerte die Hoffnung, „dass die Partnerschaft der Städte genauso lebendig wird, wie die der Kapellen.“
„Jede neue kommunale Partnerschaft ist ein Baustein für das Haus Europa“, befand Landrat Robert Fischbach (CDU). Den Beitrag zu einem gemeinsamen Europa hob auch CDU-Landtagsabgeordneter Dr. Christean Wagner hervor, der Europa als eine „Initiative für Frieden, Freiheit und Wohlstand“ bezeichnete.
„Diese Gelegenheiten einer Verschwisterung sind die schönsten für einen Europaabgeordneten“, freute sich auch der Europaabgeordnete Michael Gahler (CDU).
Symbolisch bekundet wurde die Verschwisterung schließlich durch die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde durch Klaus-Dieter Knierim, Jozef De Borger, den Gladenbacher Parlamentsvorsitzenden Hans-Hermann Ullrich (CDU) und den Gemeindesekretär aus Londerzeel, Emiel van der Perre. Anschließend überreichten sich die Vertreter der Städte einige Geschenke.
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt mit Liedbeiträgen des Gemischten Chores Weidenhausen. Im Anschluss an den offiziellen Teil wurde eine Fotoausstellung über das 17500 Einwohner zählende Londerzeel und Gladenbach eröffnet.

von Björn-Uwe Klein