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Unplugged stimmig in Szene gesetzt

Benefizkonzert Unplugged stimmig in Szene gesetzt

Mehr als zweieinhalb Stunden spielte die Coverband bei ihrem dritten unplugged Benefizkonzert für den guten Zweck: Der Erlös ist für ein Hilfsprojekt des Musikers Rea Garvey in Ecuador bestimmt.

Biedenkopf. . Der weiße Vorhang fällt. Grelle Lichtstrahlen durchbrechen wild tanzend die Dunkelheit des Kirchenschiffes. Gitarrenklänge und Trommelschläge mischen sich unter den erwartungsvollen Applaus von mehr als 500 Menschen.

Einmal streift ihr Blick die vollbesetzten Holzbänke. Dann schließt sie die Augen, presst die Lippen sanft an das Mikrofon und schon der erste Ton, der über ihre zart roten Lippen geht, verursacht Gänsehaut. „Geh mit mir ein Paar Schritte . . . unter die Oberfläche“, singt Johanna Brachthäuser gefühlvoll und nimmt das Publikum genau dorthin mit: Unter die Oberfläche, auf eine atemberaubende Reise durch die Nacht - über die goldenen Felder von Eva Cassidy, mit Bastille nach Pompeij und hin zu der bewegenden Erkenntnis: Das war das beste Konzert des Jahres!

Schon zum dritten Mal spielt „Silent Seven“ unplugged für den guten Zweck in der ausverkauften Kirche in der Oberstadt. Monate der Vorbereitung liegen hinter der Band, die ihr Publikum für zweieinhalb Stunden fesselt, auch, weil sie vertraute Pfade verlässt, nicht eingängige Kassenschlager zum Mitgrölen spielt, sondern Titel, die tief unter die Haut gehen. Mehr als 20 neue Lieder hat die Band dafür in ihr Repertoire aufgenommen: Vom gefühlvollen „Read all about it“ über Katy Perrys „Roar“, das die Band ohne technische Verstärker im Mittelgang der Kirche eindrucksvoll inszeniert bis zum stimmungsvollen „Viva La Vida“, in das am Ende ein Chor aus Hunderten Kehlen mit einstimmt.

Die Stimmungen, die die Band von der Bühne auf die Ränge versprüht, untermalt eine grandiose Lichtshow, die die historischen Mauern passend zu jedem Stück atmosphärisch in Szene setzt: Spielt die Band „Radioactive“, strahlt auch die Kirche in giftigem Grün.

Höhepunkte lieferte Silent Seven am laufenden Band: Für ein Duett zu Jupiter Jones „Hunderttausend Typen wach“ kommt Gastsänger Jonas Hutfilter aus Marburg auf die Bühne - ansonsten begleiteten die vier Instrumentalisten Dietrich Schwarz, Marc Buhr (beide Gitarre), Marek Neichel (Bass) und Jan-Patrick Wallentin (Schlagzeug) ihre Frontfrau auch gesanglich und greifen während des Abends immer wieder zu ungewöhnlichen Werkzeugen, wie Banjo, Glockenspiel oder Tablet-PC.

Hinreißende Unterstützung erfahren die Musiker aus dem Hinterland durch Chris Rabe, Simone Zielinski, Jana Franz und Anja Schlemminger, deren zauberhaftes Spiel auf Violinen, Bratsche und Cello vermeintlich schlichten Stücken noch mehr Wärme und Tiefgang verleicht und so etwa Silbermonds „Weiße Fahnen“ in eine wahre Ode an den Frieden verwandelt. Als der letzte Ton dieses Liedes verklingt, ist auch das Konzert vorüber, eigentlich. Denn lautstark fordert das Publikum Zugaben von den fünf stillen Sieben. Und die legen gern noch ein paar Lieder nach.

von Benedikt Bernshausen

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