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Hinterland Unitymedia schließt Standort Marburg
Landkreis Hinterland Unitymedia schließt Standort Marburg
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06:15 08.06.2012
Zu verkaufen: Der Marburger Unitymedia-Standort im Stadtwald soll zum Jahreswechsel an einen neuen Betreiber übergeben werden. Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Unitymedia ist der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber in Deutschland und einer der führenden Anbieter von Medien- und Kommunikationsdiensten per Breitbandkabel in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Nach dem Zusammenschluss mit Kabel Baden-Württemberg ordnet sich das Unternehmen neu. Aus den vier Servicestandorten Bochum, Kerpen, Heidelberg und Marburg bleiben nur drei in Hand des Netzbetreibers. Aufgrund der Schwerpunkte der jeweiligen Center fiel die Entscheidung schließlich gegen Marburg. „Kerpen hat den größten Technikstandort, Heidelberg den kompletten Service Baden-Württembergs, Bochum den größten Care-Standort“, erklärt Unitymedia-Geschäftsführer Lutz Schüler im OP-Interview.

Die 90 Mitarbeiter erfuhren am Dienstagmorgen von der Entwicklung und auch von den Zukunftsplänen der Konzernspitze. Demnach liefen zur Zeit Verhandlungen mit einem anderen Unternehmen, die, geht es nach Lutz Schüler, den Standort Marburg kaufen und die Mitarbeiter zum Jahreswechsel weiter beschäftigen. Konkret bedeutet dies, der Netzbetreiber will den Kundenservice (Call-Center, Briefverkehr) extern besetzen, um profitabler zu arbeiten. „Wir werden ein großes Auftragsvolumen mit dem neuen Vertrag verbinden“, kündigt Schüler an.

Zusammen mit dem Betriebsrat einigten sich die Geschäftsführung auf eine zweijährige Lohnfortzahlung und betriebsbedingte Kündigungen für den gleichen Zeitraum. Darüber hinaus bietet der Netzbetreiber ein Übergangsgeld zum neuen Unternehmen von bis zu 14000 Euro je Mitarbeiter an. „Widerspricht der Angestellte dem Angebot, so greift der Sozialplan.“

Die Betroffenen sind von diesen Plänen nicht begeistert. Viele von ihnen arbeiten schon einige Jahre für das Unternehmen, fühlen sich abgeschoben und als Opfer von Rationalisierungsmaßnahmen. „Dennoch“, so betont Schüler, „sind die Gespräche sehr sachlich geführt worden.“ Der Unitymedia-Geschäftsführer ist „sehr optimistisch, dass die Verhandlungen mit dem Interessenten ein gutes Ende nehmen werden.“ Man sei bemüht, langfristig einen Partner zu gewinnen und nicht nur eine Übergangslösung anzubieten. Ende Dezember sollen die Modalitäten spätestens geklärt sein. „Wenn möglich, soll es eine schnellere Einigung geben.“ Von diesem Modell ist Lutz Schüler überzeugt. Zum einen böte es eine Perspektive für die Angestellten. Zum anderen stelle es unter sozialen Aspekten eine gute Basis dar. „Ich denke, wenn man sich den Markt anschaut, dann bieten wir den Mitarbeitern eine sozial sehr verträgliche Variante. Das ist in der Form vielerorts nicht üblich.“ Bei allen Versprechen und Absicherungen herrscht bei den Mitarbeitern aber vor allem eins: Angst vor der Zukunft. Was passiert, wenn der Verkauf nicht klappt? Wie sehen die Bedingungen bei einem Eigentümerwechsel aus? „Auf diese Fragen kann ich keine Antworten geben“, sagt Schüler. „Wir stehen in Verhandlungen. Es sieht sehr gut aus, dass es mit einem Verkauf und einem Übergang zum 1. Januar 2013 klappt.“ Zudem verspricht der Konzernchef größtmögliche Transparenz und eine enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. „Wir unternehmen alles für eine schnelle und positive Einigung.“

von Carsten Bergmann

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