Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Männer sind nicht nur die „Spielonkel“

„Arbeit und Bildung“ Männer sind nicht nur die „Spielonkel“

Männer gelten in Erziehungsberufen immer noch als Exoten – dabei werden sie von Kindern und Eltern akzeptiert und spielen nicht nur in Kitas eine wichtige Rolle.

Voriger Artikel
Am Zug für günstigeres Schülerticket
Nächster Artikel
Millionen-Projekt liegt im Zeitplan

In Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Umschüler mit dem Männerbild.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Der Marburger Verein „Arbeit und Bildung“ bietet schon seit Jahren die Umschulung zum Erzieher an – gemeinsam mit der Käthe-Kollwitz-Schule. Im August begannen 18 neue Teilnehmer mit dem Kurs – darunter auch 4 Männer.

Kursleiter Ulli Preis verdeutlichte, dass dies „22,2 Prozent der Kursteilnehmer“ seien – ein Wert, der nicht unbedingt repräsentativ für die Bundesrepublik sei – der liege bei etwa 5,2 Prozent. In den vergangenen vier Monaten hätten sich nämlich vier Arbeitsgruppen mit dem Thema „Männer in der Erzieherwelt“ beschäftigt, um zu beleuchten, wie die männlichen Erzieher sich in ihrem Beruf fühlen, wie sie wahrgenommen werden und was Kinder, Eltern und Kolleginnen von ihnen halten.

Zunächst überbrachte der Nikolaus Geschenke – die Päckchen enthielten allerdings Zahlen und Fakten. So habe der Gründer des Kindergarten-Konzepts, Friedrich Fröbel, Männer noch als geeigneter für die Arbeit in Kindergärten gehalten. In den 70er Jahren seien Elterninitiativen entstanden, dass Väter und Mütter eine gleichwertige Behandlung bei der Erziehung übernehmen sollten.

Und 1980 gab es erstmals Kindergärten, in denen die gleiche Anzahl von Männern und Frauen in zu finden gewesen seien – „2009 war von diesen allerdings kein einziger Mann mehr übrig“, so der Nikolaus. Erstaunlich sei auch, dass männliche Erzieher im Schnitt laut Lohnspiegel sieben Prozent mehr verdienten, als ihre weiblichen Pendants.

Niedrige Entlohnung ist immer noch Hemmschuh

Das Bundesfamilienministerium stehe einer höheren Anzahl von Erziehern positiv gegenüber. So habe eine Studie gezeigt, dass Kita-Leitungen sich mehr männliche Fachkräfte wünschten – ebenso, wie die Kolleginnen die Zusammenarbeit mit den Männern als sehr positiv bewerteten. Und 60 Prozent der befragten Eltern habe angegeben, ihre Kinder bedenkenlos einem männlichen Erzieher anzuvertrauen. Noch dazu bewerteten sie Kitas mit Männern als attraktiver.

Doch warum gibt es so wenige Männer im Erzieherberuf? Auch darüber gibt eine Studie des Bundesfamilienministeriums Aufschluss: So gebe es beispielsweise nur geringe Aufstiegsmöglichkeiten. Außerdem seien die Anforderungen sehr hoch – und das bei sehr geringer sozialer Anerkennung. Auch die enge Zusammenarbeit mit ähnlichen Berufsgruppen, die mehr verdienten – wie etwa Ergotherapeuten – werde aufgrund der geringeren Bezahlung mit einer Abwertung des Erzieher-Berufs verbunden. Hinzu käme, dass die geringe Entlohnung es schwierig mache, als Hauptverdiener eine Familie zu ernähren.

Eine weitere Gruppe hatte Interviews mit Erzieherinnen, Eltern und Kindern geführt. Dabei kam heraus, dass die männlichen Kollegen durchaus neue Spielvarianten einbrächten – etwa mit dem Basteln von Schwertern oder Fliegern. Auch seien sie Respektpersonen und würden bei einigen Kindern durchaus auch als Vater-Ersatz angesehen. Noch dazu erlebten die Kinder mit dem Einsatz von männlichen Erziehern von Beginn an die Gleichberechtigung beider Geschlechter. Die Männer sehen ihre Kolleginnen indes manchmal als „Störenfriede“, wenn sie sich in „Jungenspiele“ einmischen. Allerdings könnten auch die Frauen handwerklich begabt sein, es entstünde durchaus eine ausgleichende Atmosphäre.

Eltern sähen gerne mehr Männer im Erziehungsberuf

Eltern wurden auch befragt - sie begrüßen die männlichen Spielvarianten und würden sich mehr Männer als Erzieher wünschen. Zumindest Eltern bringen dem Erzieherberuf viel Respekt gegenüber, gleichzeitig finden sie, dass er besser bezahlt werden müsste – denn sie selbst würden für das Geld nicht die Verantwortung übernehmen. Negativ sähen einige Eltern die männlichen Erzieher als „Spielonkel“ an.

Und was sagen Kinder? Sie respektieren die männlichen Erzieher mehr, außerdem ließen diese den Kindern mehr Freiraum. Die Kinder schätzen an den Männern auch, dass sie mehr bewegungsbetont seien – so würden sie lieber mit ihnen Fußball spielen oder auch klettern.

Insgesamt, so das Fazit der Arbeitsgruppen, sei es wünschenswert, dass mehr Männer den Beruf des Erziehers ergreifen würden – denn trotz der im Vergleich niedrigen Entlohnung und den mangelnden Aufstiegschancen „bietet der Beruf doch jede Menge Erfüllung“, fasst einer der Männer zusammen, warum er die Umschulung angegangen ist und den Beruf als seine Zukunft sieht.

von Andreas Schmidt

Die künftigen Erzieher mit Vertretern von Schule, Bildungsträger, Arbeitsagentur und Kreisjobcenter. Foto: Andreas Schmidt
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr