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Hinterland Um Lohras Wald entbrennt ein Streit
Landkreis Hinterland Um Lohras Wald entbrennt ein Streit
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19:16 31.08.2011

Lohra. Am Dienstagabend ging es im Lohraer Rathaus vorwiegend um zwei CDU-Anträge für die nächste Gemeindevertretersitzung, die am Donnerstag, 8. September in Rollshausen stattfindet. Beide Anträge zum Gemeindewald fanden in geänderter Form die mehrheitliche Zustimmung des Gremiums, das somit der Gemeindevertretung die Annahme empfiehlt.

Mit ihrem ersten Antrag will die CDU erreichen, dass die Verhandlungen für einen Verkauf von gemeindeeigenen Waldflächen sofort gestoppt werden. Zudem soll die Gemeinde ihren Bürgern Brennholz zum Marktpreis verkaufen und prüfen, auf welchen Waldflächen Windkraftanlagen errichtet werden können. Die Diskussion verdeutlichte, dass sowohl der Holzverkauf geübte Praxis ist, als auch die Standortprüfung für Windräder läuft. Dafür wurde umso heftiger über den Verkaufsstopp debattiert.

Fraktionsvorsitzender Werner Waßmuth begründete die Absicht der CDU mit der Einmaligkeit des Verkaufs, wodurch die Sicherung des Gemeindehaushalts nicht zu erreichen sei. Außerdem sei im Zuge der Energiewende zu berücksichtigen, dass eventuell einige dieser Flächen als Standorte von Windrädern in Frage kommen könnten. Zudem stehe eine Änderung der Gemeindeordnung an, die es Kommunen erlauben werde, in der Energieerzeugung wirtschaftlich tätig zu werden. Deshalb sollte mit Verkäufen gewartet werden, bis feststeht, welche Flächen von der Gemeinde zu nutzen seien. Bürgermeister Georg Gaul bezeichnete den Waldverkauf, zwar als „allerletzte Option“, aber die Gemeinde besitze etwa 65 Hektar mit Verkehrsflächen gar 85, wovon einzelne Teile zu verkaufen und dabei 25.000 bis 30.000 Euro zu erzielen seien. Deshalb sei es umso bedauerlicher, wenn durch solche Anträge, Gaul spielte auf den zweiten CDU-Antrag an, der Eindruck entstehe, als stünde im Gemeindewald „nur Gerümpel“. Er schlug vor, den Verkauf aufzuschieben, bis ein in Auftrag gegebenes Konzept des Forstamtes vorliege.

Gemeindevorstand soll „an die Kette gelegt werden“
Harald Platt (CDU) monierte, dass dann der Gemeindevorstand bei Verkäufen bis 10.000 Euro „das unter sich ausmacht“. Diese Freigabe hatte die Gemeindevertretung im August beschlossen. Das wertete Gaul als Misstrauensantrag gegen den Gemeindevorstand. SPD-Fraktionschef Kurt Schwald äußerte als Gast, dass man so entgegen dem Beschluss den Gemeindevorstand „an die Kette“ legen wolle, was der Glaubwürdigkeit der Politik schade. Letztlich beschlossen die Ausschussmitglieder bei 2 Gegenstimmen die Empfehlung, den Verkauf auszusetzen, bis ein Konzept des Forstamtes zur Waldbewirtschaftung und eines zur Energienutzung vorliegt, womit im November zu rechnen ist.

Somit war auch das Thema der Neuorganisation der Durchforstung, des Holzeinschlags und der Neuaufforstung im zweiten CDU-Antrag erledigt. Die Abneigung gegen den vorgeschlagenen Pflanztag mit freiwilligen Helfern wandelte sich schnell, als Revierförster Ulrich Gillner, der als Gast befragt einen Überblick über den Zustand des Lohraer Waldes gab, sagte, dass er von der Idee „richtig begeistert“ ist. Deshalb bleibt zum zweiten Antrag die Empfehlung, dass der Gemeindevorstand im Frühjahr 2012 einen Pflanztag organisiert und die Pflanzen dafür zur Verfügung stellt. Der Pflanztag soll vom Forstamt vorbereitet und fachlich begleitet werden. Diese fiel mit 5 Jastimmen bei 2 Neinstimmen und 2 Enthaltungen.

von Gianfranco Fain

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