Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Zur Sache: Kirche schaltet sich ein

Uniklinikum Zur Sache: Kirche schaltet sich ein

Es nennt sich „gesundheitspolitisches Montagsgebet“ und soll ein Symbol für den Willen der Bevölkerung werden, mehr ethische Grundlagen in der Medizin einzufordern.

Voriger Artikel
Kaum Chancen für Veränderungen
Nächster Artikel
Länger feiern dank Lahm und Co.

In der Elisabethkirche findet am Montag das „gesundheitspolitische Montagsgebet“ statt. Anlass ist die Diskussion um die Zukunft des Universitätsklinikums.Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Erstmals treffen sich am Montag um 18 Uhr in der Elisabethkirche Christen, Klinikbeschäftigte, Ärzte und interessierte Bürger zu einem „gesundheitspolitischen Montagsgebet“.

Der Dekan des Fachbereiches Medizin, Professor Dr. Matthias Rothmund wird ein „Wort zur Sache“ sprechen, die aktuell viele Menschen rund um die Zukunft des Klinikums und darüber hinaus des gesamten Gesundheitswesens in unserer Gesellschaft bewegt. Der Dekan des Kirchenkreises Marburg, Burkhard zur Nieden, will anschließend in Meditation und Gebet nach theologischer und ethischer Orientierung fragen.

Im Anschluss an das Montagsgebet in der Kirche besteht die Möglichkeit zur gemeinsamen Diskussion und Meinungsbildung sowie der gemeinsamen Planung weiterer gesundheitspolitischer Montagsgebete.

Aufrufer sind die Elisabethkirchengemeinde und die Klinikdirektoren am Standort Marburg des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM).

Einer der Initiatoren, Professor Dr. Harald Renz, sagte der OP, es gehe nicht nur um die aktuelle Situation am Klinikum und um die Frage, was als nächstes passieren muss, sondern auch und vor allem grundsätzlich darum, was sich in der Hochschulmedizin entwickeln soll. „Es werden sicherlich auch ethische und moralische Vorstellungen für die Medizin in Marburg diskutiert werden“, sagte Professor Renz. Er beklagte, für die Aufgaben in der Krankenversorgung - Zuwendung zum Patienten, Hinwendung zum Kranken, sich kümmern um die Probleme, Pflege bis zur Genesung - sei schlicht keine Zeit mehr da. Darüber müsse nachgedacht werden. Dekan Burkhard zur Nieden erinnerte im OP-Gespräch daran, dass die evangelische Kirche eine grundsätzliche Position habe: „Wir sind gegen die Kommerzialisierung im Gesundheitswesen“, sagte zur Nieden. Im „gesundheitspolitischen Montagsgebet“ solle aber verschiedenen Haltungen zur Zukunft des UKGM Raum gegeben werden. „Kirche muss das aushalten, und Kirche hält das auch aus“, sagte zur Nieden.

Unterdessen hat der Betriebsrat des UKGM die Beschäftigten zur nächsten öffentlichen Aktion aufgerufen. Am kommenden Donnerstag, also unmittelbar nach der Entscheidung über die angestrebte Übernahme des UKGM-Eigners Rhön-AG am Mittwoch, sollen sich UKGM-Beschäftigte zu einer „aktiven Mittagspause“ um 12 Uhr vor dem Haupteingang versammeln. Es gelte, jetzt Flagge zu zeigen, sagte Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher: gegen Stellenabbau, gegen krank machende Arbeitsbedingungen, gegen Outsourcing und für die Übernahme der Auszubildenden. Außerdem fordert der Betriebsrat den Rückkauf des UKGM durch das Land Hessen.

Das Kartellamt hat am Freitag angekündigt, die mögliche Übernahme von Rhön durch Fresenius genau unter die Lupe zu nehmen. Er signalisierte damit, dass die Kartellwächter eine vertiefte, „mehrere Monate umfassende“ Untersuchung der Übernahmepläne einleiten könnten, wie es die Nachrichtenagentur Reuters formulierte.

Fresenius will Rhön in seine Krankenhaussparte Helios Fresenius eingliedern, falls die Übernahme gelingt. Was auch den UKGM-Beschäftigten blühen könnte, wenn das Klinikum unter Helios-Regie geführt wird, zeigt ein Vorfall vom Freitag in Norddeutschland: Die Helios-Tochter Damp verschickte Kündigungen an 1000 Mitarbeiter einer outgesourcten „Zentralen Service-Gesellschaft“ (ZSG). Die ZSG befindet sich im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Verdi, die Gewerkschaft hat die Beschäftigten zum Streik aufgerufen. In dem Schreiben argumentiert die ZSG, die Damp-Kliniken hätten den Dienstleistungsvertrag wegen des Streiks gekündigt.

„Der Vorgang ist vor auch deshalb besonders bemerkenswert, weil der Damp-Eigentümer Helios mit der geplanten Übernahme der Klinikkette Rhön zum größten deutschen ­Klinikkonzern aufsteigen will. Angesichts dieses verfassungswidrigen und rechtsstaatlich bedenklichen Verhaltens sind die Aufsichtsbehörden in der Pflicht, die geplante Fusion kritisch zu überprüfen“, forderte Verdi-Vorstandsmitglied Ellen Paschke.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr