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Uniklinik: 236 Stellen sollen wegfallen

UKGM Uniklinik: 236 Stellen sollen wegfallen

Der Vorsitzende der Geschäftsführung am Universitätsklinikum Gießen und Marburg nennt erstmals konkrete Zahlen: Er will kurzfristig 236 Stellen streichen.

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Quelle: Thorsten Richter

Marburg.  In einer Pressemitteilung vom Freitag bestätigte Menger damit eine Meldung dieser Zeitung vom Dienstag. Die OP hatte von einer Aussage von Geschäftsführung-Mitglied Dr. Gunther Weiß berichtet, der am Montag auf einer Betriebsversammlung erstmals die Stellenkürzungspläne beziffert hatte: Dr. Weiß nannte in Marburg – wie auch am Donnerstag auf der Betriebsversammlung in Gießen – die Zahl von 236 Stellen, die eingespart werden sollen.
Menger teilte mit, bei der Entwicklung der neuen Stellenpläne befinde sich die Geschäftsführung in Gesprächen mit den Klinik- und Pflegedirektoren, den Abteilungsleitern und den Betriebsräten. Ähnlich hatte auch schon Dr. Weiß in Marburg argumentiert – Betriebsratschefin Bettina Böttcher stellte anschließend aber klar, dass der Betriebsrat einem Stellenabbau seine Zustimmung nicht geben wird.
Menger ließ über Klinikssprecher Frank Steibli weiter mitteilen, Personalreduzierungen sollten primär in den nicht patienten-nahen Bereichen über Fluktuation erfolgen. Dr. Weiß hatte am Montag die zentrale Verwaltung sowie die Bereiche Küche, Reinigung und Wäscherei genannt.
Wie es nach dem Abbau der 236 Stellen weitergehen soll, diese Frage beantwortete Menger nicht. Er verwies stattdessen darauf, dass am UKGM heute 300 Menschen mehr arbeiten als bei der Privatisierung 2006.
Klaus Hanschur, der Betriebsratsvorsitzende am Standort Gießen, hatte dem Menger-Vertreter Dr. Weiß in diesem Zusammenhang bereits am Montag Trickserei vorgeworfen: Die Geschäftsführung sage nicht, ob sie von Planstellen oder von tatsächlicher Beschäftigung rede, und sie differenziere nicht zwischen Vollzeit- und Teilzeitstellen.
Aber ein wichtiges Versprechen machte der Klinikchef immerhin: „Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht geplant“, heißt es in der Menger‘schen Pressemitteilung.

Klinikdirektoren wollen die Bürger aktivieren

Zur Beruhigung am Standort Marburg wird selbst dieses Versprechen kaum beitragen. Im Gegenteil: Der Widerstand gegen Stellenabbau und das Eintreten für die Rücknahme der Privatisierung werden noch stärker. Am Freitag luden Professor Harald Renz (Direktor der Klinik für Labormedizin und molekulare Diagnostik) und Professor Andreas Neubauer (Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie), die anderen Kliniksdirektoren in Gießen und Marburg und die Elisabethkirchen-Gemeinde per Flugblatt und E-Mail-Verteiler gemeinsam zum „1. Montagsforum der Bürgerinnen und Bürger“ unter dem Motto „Wir wollen unser Klinikum zurück“ ein. Es soll am Montag, 25. Juni, um 18 Uhr in der Elisabethkirche stattfinden.
Die Kliniksdirektoren hatten in ihrer letzten Sitzung beschlossen, ein Montagsforum der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zu initiieren, „um über unser Universitätsklinikum zu sprechen“. Es ist gedacht an eine regelmäßige „Montagsaktion“, teilte Renz mit, „und wir sind froh, dass die Pastoren der Elisabethkirche uns hier unterstützen“. Es gebe wohl keinen besseren Ort als diesen, um die breite Bürgerschaft anzusprechen.
Das 1. Montagsforum findet zwei Tage vor der Entscheidung über die Übernahme des Rhön-Konzerns durch Fresenius statt. Fresenius braucht 90 Prozent der Aktien von Rhön, damit das Geschäft zustande kommt. Fresenius kommt dabei offenbar voran: Am Freitag wurde bekannt, dass der US-Finanzinvestor und Hedgefonds-Manager Paulson sein Aktienpaket Fresenius anbieten will.
Der Landtag wird auf Initiative der Grünen erneut über die Übernahmepläne und die Möglichkeit des Landes reden, das UKGM zurückzukaufen. Die hessischen Grünen wollen mit einem Dringlichen Berichtsantrag im Wissenschaftsausschuss den Stand im Übernahmeverfahren erfahren. Die unsichere
Situation im UKGM sei nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Patienten und die Bevölkerung ein unhaltbarer Zustand.
Mit dem Antrag soll auch gefragt werden, „ob es zutrifft, dass nach wie vor der Abbau von mehreren Hundert Personalstellen als Grundlage für den wirtschaftlichen Betrieb des Universitätsklinikums angesehen wird“.

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