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Mitarbeiter wollen den Rückkauf

UKGM Mitarbeiter wollen den Rückkauf

Die überwiegende Mehrheit der UKGM-Beschäftigten, die an einer Betriebsratsumfrage teilgenommen haben, befürworten den Rückfall des Klinikums an das Land.

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500 Menschen waren bei der Betriebsversammlung am UKGM.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Marburg. Das gab Betriebsrats-Mitglied Volker Blumkaitis gestern während einer Betriebsversammlung am UKGM den gut 500 erschienenen Kollegen bekannt.

Beteiligt haben sich an der Umfrage bisher mehr als 1100 Menschen - eine ungewöhnlich hohe Anzahl, wie Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher einschätzte: „Bei anderen Anlässen sind es nur ein paar Hundert.“

Die Antwort „Ich würde den Rückkauf begrüßen“ kreuzten 98 Prozent der Befragten an - und zwar quer durch alle Beschäftigtengruppen.

Durchschnittlich 71 Prozent der Beschäftigten sagten in der Umfrage, sie würden gerne zum Land Hessen zurückkehren. Hier gibt es deutliche Unterschiede in den einzelnen Beschäftigtengruppen: Am höchsten war der Rückkehrwunsch im Service - also Küche, Wäscherei und Reinigung (87 Prozent).

Das mag auch damit zu tun haben, dass diese Beschäftigtengruppen am konkretesten vom Verlust ihres Arbeitsplatzes bedroht sind: Dr. Gunther Weiß, im UKGM als Vorstandsmitglied zuständig für „Zentrale Dienste“, sagte auf der Betriebsversammlung in Vertretung des Geschäftsführers Martin Menger, beim notwendigen Arbeitsplatzabbau müsse man sich vor allem die Bereiche der Verwaltung sowie die outgesourcten Tätigkeitsbereiche anschauen.

Beschäftigte, mit denen die OP nach der Betriebsversammlung sprach, werteten die Rede von Weiß als Indiz dafür, dass die Geschäftsführung ihren Kurs des Stellenabbaus fortsetzen werde. Weiß kündigte zwar an, die Geschäftsleitung wolle lieber an Sachkosten als an Personalkosten sparen.Er beteuerte auch, dass es nicht der Wille der Geschäftsleistung sei, Stellenabbau durchzusetzen - um dann doch mitzuteilen, dass die Einsparpläne bei 236 Stellen liegen. „Und damit ist er fast genau bei den 500 Stellen im Jahr 2012 und 2013 “, ergänzte Björn Borgmann von der Jugend- und Auszubildendenvertretung.

Das UKGM hatte immer die vom Betriebsrat genannte Zahl von 500 abzubauenden Stellen bestritten, musste sie aber in der letzten Woche einräumen. „Es ist nicht weit her mit Ihrer Glaubwürdigkeit“, rief der Betriebsratsvorsitzende des Standorts Gießen, Klaus Hanschur, der als Gastredner auftrat, Dr. Weiß zu.

Tatsächlich passt die Ankündigung von Weiß auch in die Verkaufspläne der Rhön-AG. Vorstand und Aufsichtsrat des UKGM-Eigners haben ihren Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot von Fresenius Helios anzunehmen: In einer „Grundsatzvereinbarung“ zwischen Rhön und Fresenius ist unter anderem der Weg beider Klinikkonzerne zur Verschmelzung markiert - und vom schnellen Aufbau gemeinsamer Verwaltungsstrukturen die Rede. Aufsichtsratsvorsitzender Eugen München wird den Aktionären auf der Aktionärsversammlung heute in Frankfurt im Übrigen eine eher bescheidene Gewinnausschüttung vorschlagen: 45 Cent pro Aktie. Das war Bedingung von Fresenius für das Übernahmeangebot.

Völlig unklar ist, wie der UKGM-Eigner - heiße er nun Fresenius Helios oder Rhön - mit einer größeren Zahl von kurzfristigen Personalabgängen umgehen wird. Dr. Weiß wusste gestern auf der Betriebsversammlung keine Antwort auf die Frage, wie diejenigen, die von ihrem Rückkehrrecht zum Jahresende Gebrauch machen werden, ersetzt werden sollen. „Wir wollen, dass die Mitarbeiter bleiben“, sagte er nur.

Bisher haben zwar erst 70 Mitarbeiter die Rückkehr in den Landesdienst verlangt. Bettina Böttcher, die Betriebsratsvorsitzende, sagte aber, dass sich die Zahl noch deutlich erhöhen könne - abhängig von der weiteren Entwicklung.

In jedem Fall lohne sich der Widerstand gegen den Stellenabbau, sagte Böttcher in der Betriebsversammlung. „Unser Nein zum Stellenabbau hat eine politische Diskussion ausgelöst bis hin zur Forderung nach Rückabwicklung.“ In Richtung Landesregierung warnte sie: „Wir werden nicht Ruhe geben, solange Sie ihren Fehler von 2006 (gemeint ist die Privatisierung) nicht korrigieren.“

Auch der Vertreter des Personalrats (der Landesbedienstete wie Ärzte und wissenschaftliche Mitarbeiter vertritt), der Anäasthesie-Oberarzt Dr. Thorsten Steinfeld, forderte den Rückkauf des UKGM durch das Land Hessen oder zumindest die Veränderung der Gesellschaftsform.

„Es tut gut, wenn man mitbekommt, dass alle Berufsgruppen an unserem Klinikum an einem Strang ziehen“, kommentierte Böttcher.

von Till Conrad

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