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Klinikbündnis appelliert an Landtag

UKGM Klinikbündnis appelliert an Landtag

Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) holt sich die Unternehmensberatungsfirma McKinsey & Company ins Haus, um ihr Konzept für die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit überprüfen zu lassen. Das Bündnis "Gemeinsam für unser Klinikum" befürchtet Schlimmes und appelliert an den hessischen Landtag.

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Mit einer Petition an die Landesregierung will das Aktionsbündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ den Rückkauf des UKGM durch das Land fordern. Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nur klein und flexibel lassen sich Wirtschaftlichkeit und Qualität der medizinischen Versorgung in Krankenhäusern verbinden - das war eine der Kernaussagen in dem McKinsey-Krankenhausreport aus dem Jahr 2006. Die Studie mit dem Namen „Perspektiven der Krankenhausversorgung in Deutschland“ forderte damals von den Krankenhäusern in Deutschland „erhebliche Produktivitätsfortschritte“.

„McKinsey wird oft als Proto­typ der am Shareholder-Value orientierten Unternehmensberatungen gesehen“, schreibt das Internet-Lexikon Wikipedia. Die Kritik an dem Wirtschaftsberater konzentriert sich meist auf drei Punkte:

- Um den Marktwert eines Unternehmens zu erhöhen, würden oft umfangreiche Umstrukturierungen durchgeführt, wobei Entlassungen die Regel seien.

n McKinsey gehe zu wenig auf die Besonderheiten des untersuchten Unternehmens ein, sondern stülpe stereotype Sanierungsmuster über.

- Die Beratungen seien viel zu teuer.

Martin Menger, der Vorsitzende der Geschäftsführung am UKGM, erhofft sich dagegen von McKinsey einen qualifizierten Blick von außen auf die Pläne der Geschäftsführung, die Wirtschaftlichkeit des UKGM zu erhöhen. Er erhält Unterstützung von den ärztlichen Direktoren der Standorte Marburg und Gießen, Professor Jochen A. Werner und Professor Werner Seeger: „Wir begrüßen das Vorgehen und hoffen, dass sich Einsparpotenziale identi­fizieren lassen, ohne dass die Patientenversorgung, die medizinische Qualität und der universitätsmedizinische Auftrag des UKGM in Mitleidenschaft gezogen werden“, werden Werner und Seeger in einer Pressemitteilung des UKGM zitiert.

Zurückhaltender äußert sich Jürgen Bothner, Landesvorsitzender von verdi und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender am UKGM: „Mit der erreichten Einigung auf einen Validierungsprozess (zu deutsch etwa: Bewertungsprozess, d. Red.) besteht die Möglichkeit, die Entwicklung und die Zahlen am UKGM aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten“, wird Bothner zitiert, und weiter: „Wir werden darauf achten, dass die Interessen der Arbeitnehmer und deren Vertretungen in dem Prozess gewahrt werden und dass es zu guten Lösungen im Sinne aller Mitarbeiter und der Patientinnen und Patienten kommt.“ Bettina Böttcher, die Betriebsratsvorsitzende am UKGM-Standort Marburg, teilte auf OP-Anfrage mit, McKinsey werde den Betriebsrat heute über das Vorgehen informieren. Man werde anschließend die Vorschläge intensiv prüfen und anschließend bewerten.

Auch Oberbürgermeister unterschreibt Petition

Unterdessen hat das Bündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ eine Petition an die Mitglieder der Landesregierung und der Hessischen Landtags erarbeitet. Darin wird gefordert: „Befreien Sie die Unikliniken aus der Abhängigkeit eines privaten Betreibers, der nicht ausschließlich dem Wohl der Beschäftigten, der Patienten und den Aufgaben medizinischer Fakultäten verpflichtet ist, sondern der Renditeerwartung seiner Aktionäre!“

Die Universitätsklinika Marburg und Gießen müssten „nach unserer gemeinsamen festen Überzeugung“ wieder in Landeseigentum überführt werden, heißt es weiter. Unterschrieben haben diese Petition zahlreiche Einzelpersonen, Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), die privatisierungskritische Initiative „Notruf 113“, aber auch hauptamtliche Vertreter der Gewerkschaft verdi, die sich zunächst nicht in dieser Deutlichkeit für die Entprivatisierung des Klinikums ausgesprochen hatten.

von Till Conrad

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