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Ist die Privatisierung gescheitert?

Uniklinik Ist die Privatisierung gescheitert?

Ungewöhnliche Zeiten fordern ungewöhnliche Maßnahmen. In der Kulisse der E-Kirche hat sich UKGM-Chef Menger seinen Kritikern gestellt und seinen Kurs verteidigt.

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Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Enttäuschung unter den Zuhörern war zu merken. Viele UKGM-Angestellte erhofften sich ein Stück mehr Klarheit über ihre Zukunft. Schließlich steht der Abbau von 236 Stellen noch immer im Raum. Zentrales Thema jedoch war Forschung und Lehre und die Grundsatzfrage: Darf eine Uniklinik privatisiert werden?

Für UKGM-Chef Martin Menger ist die Antwort klar. In seiner Rede beim Montagsgebet in der Elisabethkirche hob Menger hervor, wie viel die Rhön Klinikum AG in die Standorte Marburg und Gießen investiert haben und rechtfertigt das Streben nach Gewinn. „Ohne Gewinn keine Verbesserung der Leistungen für Patienten.“ Dem Vorwurf, mit Kranken Geld zu verdienen, entgegnet der 52-Jährige: „Zwei Drittel des Gewinns investiert die Rhön-Klinikum AG wieder - in gute Medizin, in moderne Technik, in neue Gebäude.“ Der Dekan des Fachbereichs Medizin hat darauf eine Antwort: „Das ist ja löblich“, sagt Professor Matthias Rothmund. „Wäre das Klinikum in öffentlicher Hand, dann würde alles wieder in den Klinikbetrieb fließen.“

Mit dieser Meinung stand Rothmund nicht alleine da. Professor Andreas Neubauer, Oberbürgermeister Egon Vaupel und auch Dekan Burkhard zur Nieden machten keinen Hehl aus ihrer Meinung und bezeichneten die Privatisierung als gescheitert. Wie denn Menger das Vertrauen bei den Patienten und bei den Angestellten zurückgewinnen wolle, fragte zur Nieden. „Die Rechte der Mitarbeiter werden gelebt. Wir haben 9700 Angestellte. Jedes westeuropäische Land wäre froh, unsere Gesundheitsversorgung zu haben. Man sollte nicht immer nur über Unzufriedene berichten.“

Werner verweist auf den Lernprozess

In dieser Kerbe schlägt auch Professor Jochen A. Werner und fordert eine andere Herangehensweise an die aus seiner Sicht unbestrittenen Probleme: „Wo sind die Chancen?“, fragt er und weist auf den Lernprozess hin, den die Privatisierung von allen erfordert. „Das kam alles sehr plötzlich. Jetzt holt uns das System ein“, sagt der ärztliche Direktor des UKGM.

Kein Wort von Sparplan, kein Wort von Stellenabbau, kein Bekenntnis zu den Mitarbeitern. Das übernahm dann OB Vaupel: „Ich danke jeder einzelnen Arbeitskraft am Klinikum. Bei gesundheitlichen Problemen kann man jederzeit ins Klinikum kommen und wird bestmöglich behandelt.“

Für die weitere Debatte fordert der SPD-Mann die Politik auf, sämtliche wahltaktischen Manöver außen vor zu lassen. „Es kann nicht sein, das Klinikum erst zu verkaufen und dann auf Probleme hinzuweisen. Wir müssen Lösungen finden.“

Und die sieht Matthias Rothmund in einer Mischung aus öffentlicher und privater Hand unter der Bedingung der Gemeinnützigkeit. „Wichtig ist: die Patienten sind zufrieden, das Personal ist zufrieden und das Klinikum erwirtschaftet einen Gewinn für Investitionen.“ Andreas Neubauers Schlussworte: „Der Rhön-Konzern kann nichts für die Privatisierung. Das Modell war falsch und ist gescheitert.“

von Carsten Bergmann

HINTERGRUND:

Der Betriebsrat des UKGM stellt klar, dass er seine Zustimmung zur Beauftragung der Unternehmensberatung McKinsey & Company nicht gegeben hat. Die Experten sollen die UKGM-Pläne auf den Prüfstand stellen und die wirtschaftliche Grundlage verbessern. Es hieß vonseiten der Geschäftsführung, Ärzte und Arbeitnehmer hätten ihre Zustimmung erteilt. Dem widerspricht Bettina Böttcher, Betriebsratschefin am Standort Marburg, und sagt: „Ärzte sind auch Arbeitnehmer und alle Berufsgruppen sind an der Qualität der Krankenversorgung beteiligt. Mit einer Spaltung in patientennahe und patientenferne Bereiche sind wir nicht einverstanden.“ Informiert wurde der Betriebsrat rechtzeitig.

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