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Heute Mitarbeiter, morgen Aktionäre

UKGM Heute Mitarbeiter, morgen Aktionäre

Auf einer Betriebsversammlung will der Betriebsrat des UKGM heute die Beschäftigten über den Stand der Auseinandersetzungen über die Zukunft des UKGM informieren.

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Mit einer Papschild- Reihe informierten Mitglieder der Marburger Linken gestern Besucher des Universitätsklinikums und stellten ihre Forderungen vor.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Marburg. Betriebsratschefin Bettina Böttcher reagierte gestern auf die Ankündigung von Klinikssprecher Frank Steibli, der das Fehlen von Pflegekräften konkret in der chirurgischen Intensivstation und in der Neurologie bestätigt hatte. Steibli hatte versprochen, dass die Stellen spätestens im Oktober wieder besetzt werden - und zwar mit dann fertig ausgebildeten, jungen Pflegekräften.

Das Problem ist, so Böttcher, dass gerade auf der Intensivstation frische Kräfte von Intensiv-Pflegern eingearbeitet werden müssen. Dafür sei im Grunde keine Zeit.

Und was die fehlenden sechs Stellen in der Neurologie angeht: Die seien im Zuge des Umzugs auf die Lahnberge gestrichen worden mit dem Argument, die „schweren“ Fälle würden künftig auf der Intensiv-Überwachung (IMC) betreut. Davon könne heute keine Rede sein.

Ähnlich konkret wie in den beiden Fällen, die der OP berichtet worden waren, würde der Betriebsrat gerne auch in anderen Fällen mit der Betriebsleitung reden. Das sei aber in den meisten Fällen nicht möglich, klagt die Mitarbeitervertretung. Während Klinikschef Martin Menger von „konstruktiven Gesprächen“ auch über Stellen-Entfristungen berichtet, beklagt der Betriebsrat Stillstand.

Die Auseinandersetzung um den Stellenabbau wird ein Schwerpunkt auf der Betriebsversammlung (heute ab 14 Uhr) sein. Zugleich wird der Betriebsrat Auskunft geben über den Stand der Auseinandersetzung um die Zukunft des UKGM: Am 27. Juni läuft die Frist ab, bis zu der der Medizinkonzern Fresenius 90 Prozent der Aktien von UKGM-Eigner Rhön-AG zusammen haben muss, um die Übernahme zu besiegeln. Kommt die Übernahme tatsächlich zustande, hat das Land aber die Möglichkeit, das UKGM zurückzunehmen. Die Landesregierung schweigt sich beharrlich darüber aus, ob sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen will oder nicht.

Morgen findet in Frankfurt die Aktionärsversammluing der Rhön-AG für das Jahr 2011 statt. Die Zahlen, die der Vorstand dort präsentieren wird, lesen sich ganz anders als jene, mit denen in Marburg argumentiert wird: Konzerngewinn, Umsatzerlöse und operativer Cash-Flow sind im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. Im „Konzernlagebericht“ heißt es: „Im Geschäftsjahr 2011 haben wir trotz erschwerter Rahmenbedingungen bewiesen, dass hochwertige Medizin für jedermann erreichbar ist.“

Noch unklar war gestern am frühen Abend, ob es am Ort der Aktionärsversammlung Proteste gegen die Rhön-AG, ihren Umgang mit dem UKGM oder gegen die mögliche Übernahme auch des UKGM von Fresenius geben wird.

Unterdessen hat die Marburger Linke gestern an der Zufahrt zum UKGM zwei Stunden lang Besucher und Patienten mit eine Pappschild-Reihe auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht.

„Das Klinikum gehört in öffentliche Hände“, hieß es dort, und: „Reden Sie doch mal mit anderen drüber.“ Linken-Kreisvorsitzender Jan Schalauske freute sich anschließend über „positive Reaktionen“. Schalauske schloss nicht aus, dass die Aktion wiederholt werden soll.

von Till Conrad

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