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Fertigmachen zur Rhön-Übernahme

Uniklinikum Fertigmachen zur Rhön-Übernahme

In der Konzernzentrale herrscht das große Schweigen, die Gerüchteküche brodelt umso mehr. Der zweite Fresenius-Versuch, die Rhön-Klinikum AG zu übernehmen, rückt offenbar immer näher.

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Die Delegation des Klinik-Bündnisses übergibt im hessischen Landtag die Petition mit der Forderung zum UKGM-Rückkauf an den Landtags-Ausschuss. Foto: Privat

Marburg. Der Gesundheitsgigant Fresenius hat offenbar konkrete Vorstellungen, welche Rahmenbedingungen für einen zweiten Versuch aussehen sollen. Insidern zufolge hat Ulf Schneider, Chef des Unternehmens, den Rücktritt des Rhön-Aufsichtsrates gefordert. Das Ziel dieses Vorgehens ist klar: Fresenius möchte in der fränkischen Klinik-Kette, zu der auch das Uniklinikum Gießen-Marburg gehört, strategisch klug seine Leute positionieren, um nicht bei Entscheidungen Gegenwind von anderen Vorständlern zu bekommen. Das, so sagt ein Insider, sei einer der größten Knackpunkte.

Als weitere Hürde könnten sich die Finanzaufsicht BaFin und der Rhön-Vorstand entpuppen. Beide Instanzen müssen dem Versuch des Klinik-Betreibers zustimmen, da nach dem ersten gescheiterten Anlauf Ende Juni binnen eines Jahres ein zweiter angestrebt werde. Die rechtlichen Klippen, die nur ein Übernahme-Angebot vorsehen, will Schneider umschiffen, in dem er sich wohl mit einer einfachen Mehrheit - also 50 Prozent plus eine Aktie - zufrieden geben will. Das dürfte keine Schwierigkeit werden. Ende Juni wurden knapp 85 Prozent der Papiere angedient worden. Aktuell besitzt Fresenius knapp unter vier Prozent an der Rhön AG.

Bleibt also das Gerücht zum Thema „Aufsichtsrat“. Insgesamt gehören ihm 20 Mitglieder an, die bis 2014 gewählt wurden. Darunter auch Marburgs Betriebsratschefin Bettina Böttcher, die zu den Gerüchten keine Stellungnahme abgeben möchte. Wohl aber zur Aktion des Bündnisses „Gemeinsam für unser Klinikum“, das gestern den Weg nach Wiesbaden zum Landtag antrat, um dem Ausschuss eine Petition zu übergeben. Das Papier nahmen Ausschuss-Vorsitzende Barbara Cardenas sowie Erst-Ewald Roth, Astrid Wallmann und Ismail Tipi entgegen. Ist die Petition durch die rechtliche Prüfung, muss sich der Landtag mit dem Thema „Rücküberführung des Uniklinikums in Landeseigentum“ beschäftigen. Das könnte zeitlich genau mit der Ergebnis-Präsentation der Unternehmensberatung McKinsey übereinkommen. Das Düsseldorfer Unternehmen hat den Auftrag, den Ist-Zustand des UKGM zu überprüfen und Verbesserungsvorschläge zu kreieren. Für Anfang Oktober sollen die Erkenntnisse dem Aufsichtsrat der Klinik präsentiert werden. Darin sitzen neben Gesamtbetriebsratschef Dirk Gehrke auch Verdi-Sekretärin Marita Kruckewitt und der Gewerkschafts-Landesvorsitzende Jürgen Bothner.

„Es ist doch klar, dass das UKGM Probleme mit der Finanzierung hat“, sagt Bettina Böttcher. Daher habe die Geschäftsführung öffentlich bereits gesagt, dass sie Zuschüsse für Investitionen vom Land brauchen.

UKGM-Spitze schielt auf öffentliche Zuschüsse

Im Konsortialvertrag, der die Privatisierung 2006 regelte, verzichtete die Rhön Klinikum-AG auf die öffentlichen Mittel. Damals hatte die Konzernspitze erwartet, den Investitionsbedarf erwirtschaften zu können. „Die Rahmenbedingungen haben sich jedoch dramatisch verändert“, sagte UKGM-Chef Martin Menger in der Elisabethkirche.

„Die Privatisierung wird auf Rechnung der Beschäftigten ausgetragen“, sagt Böttcher und nimmt die Landesregierung in die Pflicht. Als gewählte Volksvertreter. Als Gesellschafter des UKGM (Hessen besitzt fünf Prozent am Unternehmen). „Das muss aufhören, so geht das nicht weiter. Die Regierung ist in der Pflicht und muss ihrer Aufgabe nachkommen.“

Hintergrund

  • Der erste Übernahme-Versuch scheiterte, weil Fresenius nicht 90 Prozent der Rhön-Aktien angedient bekam. Diese Hürde wurde von Fresenius-Chef Schneider gesetzt, weil laut Rhön-Satzung nur so Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen durchsetzbar sind.
  • Die Fresenius SE & Co. KGaA hat ihren Sitz in Bad Homburg vor der Höhe, beschäftigt 150000 Mitarbeiter, hatte 2011 einen Umsatz von 16,5 Milliarden Euro, einen Gewinn von 770 Millionen.

von Carsten Bergmann

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