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Bündnis soll Klinikum stärken

UKGM Bündnis soll Klinikum stärken

Im Übernahmekampf um die Krankenhauskette Rhön-Klinikum werfen immer mehr Interessenten ihren Hut in den Ring.

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Das Uniklinikum auf den Lahnbergen: Philipp Stompfe (kleines Foto) erinnert an die zentrale Rolle der Partikeltherapie für den Standort Marburg. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Neben den Rhön-Konkurrenten Fresenius, Asklepios und Sana soll auch der Medizintechnikkonzern B. Braun aus Melsungen an dem UKGM-Eigner Rhön beteiligt sein. Das berichteten gestern die Nachrichtenagentur Reuters und das „Handelsblatt“. Zuletzt habe B. Braun über Kaufoptionen Zugriff auf knapp fünf Prozent der Rhön-Aktien gehabt, meldete Reuters unter Berufung auf „eine mit dem Vorgang vertraute Person“. Gemeldet werden müssen solche Optionen erst, wenn ein Konzern die Schwelle von fünf Prozent überschreitet.

Fresenius war mit einem Übernahmeversuch von Rhön Ende Juni gescheitert, hatte aber angekündigt, die Übernahme weiter betreiben zu wollen. Börsenspezialisten hatten das Scheitern vor allem auf das Eingreifen von Asklepios zurückgeführt. Die Klinikkette hatte kurz vor Toresschluss selbst Rhön-Aktien gekauft und damit verhindert, dass Fresenius die Annahmeschwelle von 90 Prozent überschreitet.

Die Sana-Gruppe betreibt 47 Kliniken in ganz Deutschland und ist der kleinste im Bunde der Rhön-Konkurrenten. Aber: Hinter dem Krankenhausbetreiber stehen stabile Eigentümer, nämlich Versicherer wie die DKV, Signal oder die Allianz. Für die könnte sich auch eine reine Geldanlage in Rhön lohnen, die über einen längeren Zeitraum gehalten wird.

B. Braun wiederum betreibt im Gegensatz zu Fresenius, Asklepios und Rhön selbst keine Kliniken, beliefert Krankenhäuser aber unter anderem mit Medizintechnik, chirurgischen Instrumenten und Infusionen. Auch hier spielen Marktinteressen sicherlich eine Rolle.

Marburger CDU-Chef pocht auf Gemeinnützigkeit

Unabhängig von der Frage, wie der Börsenpoker um die Rhön-AG und damit um das Universitätsklinikum Gießen und Marburg ausgehen wird: Der Marburger CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Philipp Stompfe stellt fest: „Die Privatisierung ist gescheitert, die Übernahme ist gescheitert, die Zusammenarbeit mit Rhön ist gescheitert.“

Was nicht scheitern darf, mahnt Stompfe, sind die Gespräche über die Zukunft des UKGM.

Anders als sein Landesvorsitzender Ministerpräsident Bouffier sieht Stompfe die oberste Priorität in der Rückführung des UKGM in die Gemeinnützigkeit. „Diese politische Absichtserklärung ist man den Beschäftigten schuldig, bei denen die Verunsicherung wächst“, sagt Stompfe. Die Renditeerwartungen eines Krankenhauskonzerns seien nun einmal nicht mit den Aufgaben eines Universitätsklinikums kompatibel.

Der Christdemokrat hält auch die Unterscheidung zwischen „patientennahen“ und „patientenfernen“ Bereichen in der Diskussion um Stellenabbau am UKGM für „völlig verfehlt“. Bouffier hatte in der vergangenen Woche den Abbau von 238 Stellen, wie von der Geschäftsführung offenbar vorgesehen, als denkbar bezeichnet, weil die Patientenversorgung nicht davon betroffen sei.

Börsenspektakel hin, Stellenabbau her: Stompfe plädiert dafür, das breite Bündnis, das sich für die Entprivatisierung des UKGM einsetzt, auch dazu zu nutzen, um „unser Klinikum zu stärken“. Der Standort Marburg müsse zukunftsfest gemacht werden, sagt Stompfe.

Für ihn ist dazu ein zentraler Baustein das Partikeltherapiezentrum. Man dürfe sich nicht damit abfinden, dass Rhön es nicht in Betrieb nehmen will. „Die Landesregierung hat den Auftrag, dafür zu sorgen, dass die Partikeltherapie in den klinischen Betrieb genommen wird“, so der Christdemokrat. Rhön hat vertraglich bis Ende des Jahres 2012 Zeit dafür - man dürfe sich nicht mit dem Scheitern abfinden. Wenn das Partikeltherapiezentrum nicht bis Ende des Jahres stehe, dürfe das nicht das „Aus“ für diese Behandlungsform sein. „Sondern das ist dann das Problem von Rhön.“

Stompfe erklärte, die Partikeltherapie werde die Onkologie am UKGM nachhaltig stärken. „Ein Partikeltherapiezentrum wäre ein Alleinstellungsmerkmal für den Standort Marburg - deswegen müssten die politischen Anstrengungen auch auf diese Frage gerichtet werden.“

von Till Conrad

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