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1300 Unterschriften für ein bisschen Hoffnung

Uniklinik 1300 Unterschriften für ein bisschen Hoffnung

Die Diskussion um die Zukunft des Uniklinikums nimmt wieder richtig Fahrt auf. Kaum spricht Fresenius wieder von Übernahme, wittern Gegner der Privatisierung ihre Chance.

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Marburg. Da ist auf der einen Seite das Bündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“, das sich heute um 7.15 Uhr nach Wiesbaden aufmacht, um dem Landtag-Ausschuss eine Petition in die Hand zu drücken. Überschrift: Rückführung des UKGM in Landeseigentum. „In zwei Wochen haben wir 1300 Unterschriften für die Petition bekommen. Das zeigt, die Bevölkerung steht hinter dieser Forderung. Nicht nur Gewerkschaft, Betriebsrat oder Angestellte“, sagt Ulf Immelt, Sekretär des Gewerkschaftsbundes DGB.

Mit dem Papier nimmt das Bündnis die Landesregierung in die Pflicht, „seiner Verantwortung nachzukommen“, sagt Immelt. Ist alles rechtlich und formell in Ordnung, muss sich das Landtag mit dem Thema befassen. Genau das Ziel des Bündnisses: „Wir wollen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit“, sagt Immelt. „Die Privatisierung einer Uniklinik gibt es nur am UKGM. Es ist der Wille der Bevölkerung, Änderungen am System herbeizuführen. Das können die Abgeordneten nicht einfach ignorieren.“

Während am Mittwoch-Morgen die Petition übergeben wird, beherrscht das Thema UKGM auch die Landkreis-Politik am Abend. Im Landratsamt kommen Robert Fischbach, Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel und UKGM-Chef Martin Menger mit Vertretern des Bündnisses NotRuf 113 zusammen. Ziel ist es, so Fischbach, gute Gespräche zu führen.

So richtig einordnen kann Micha Brandt, 113-Mitglied, die Einladung nicht. Es stehte noch immer die Klageandrohung von 100000 Euro Schadensersatz gegen Vertreter des Bündnisses im Raum. Hintergrund: Das UKGM will sich mit dieser Drohung vor NotRuf-113-Aussagen schützen, die vermeintliche Missstände anprangern würden. „Mir sind dir Rhön-Interessen nicht so ganz klar“, sagt Brandt. Dennoch werde er ergebnisoffen am Tisch Platz nehmen. „Vor elf Monaten hatten wir das letzte Gespräch, damals noch mit Geschäftsführerin Stippler. Seitdem hatten wir nichts weiter gehört.“ Ob und welche Punkte auf der Tagesordnung stehen sei nicht bekannt.

„Wir sperren uns nicht gegen den Dialog. Robert Fischbach will als Vermittler versuchen, den Konflikt in konstruktive Bahnen zu bringen. Was immer das heißen mag.“

Sicherlich ein Thema in Wiesbaden und am Runden Tisch in Marburg: der zweite Versuch von Fresenius, die Rhön AG zu schlucken. Offiziell bestätigt ist zwar noch nichts. Die Übernahme gilt für den Gesundheits-Giganten als Prestige-Objekt. Das wissen auch die Konkurrenten von Sana und Asklepios, die sich Anteile an der Rhön AG gesichert haben. Nun ist auch der Melsunger Krankenhaus-Zuliferer Braun ins Rennen eingestiegen, hat sich fünf Prozent der Papiere gesichert. Das verdeutlicht: Widerstandslos werden die Konkurrenten die Gründung des größten deutschen Klinikbetreibers, also Fresenius-Tochter Helios und Rhön, nicht hinnehmen. Kaum ist diese Nachricht bekannt, verliert die Rhön-Aktie an Wert.

Wie wichtig den Marburgern ihre Klinik ist, das zeigten die 150 Gäste beim mittlerweile zehnten gesundheitspolitsichen Montagsgebet in der Elisabethkirche.

Professor Rolf Maier, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, arbeitete heraus, dass zwar eine medizinische Versorgung der jungen Patienten gewährleistet sei. Der höhere Betreuungsaufwand der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Angehörigen, sei innerhalb des engen Personalkorsetts nur unzureichend abgedeckt. Ohne die Unterstützung von Geldspendern und freiwilligen Helfern sei der Klinikalltag kaum mehr zu bewältigen. „Die ökologischen Zwänge sind höchst problematisch geworden“, bringt es Maier auf den Punkt.

Seine Kollegin, Professor Katja Becker, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie teilt seine Beobachtungen. Auch sie macht nachdrücklich klar, das besonders bei jungen Patienten ein höherer Betreuungsaufwand vorhanden sei. In der Klinik fehle es vor allem an einem: Zeit. Zeit, Gespräche zu führen, Beziehungen aufzubauen, die jungen Patienten und ihre Angehörige auf ihrem Weg ausreichend zu begleiten.

„Keiner von uns möchte sich vorstellen müssen, dass die Männer und Frauen, die hier ehrenamtlich arbeiten, irgendwann nicht mehr tätig sind. Es ist ein Ort, an dem Menschen unter einem großen Zeitdruck sehr viel leisten.“

von Carsten Bergmann
und Marie Lisa Schulz

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