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Hinterland Etwa 14 Krebsfälle in Mornshausen
Landkreis Hinterland Etwa 14 Krebsfälle in Mornshausen
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15:01 25.04.2018
Die Initiative im Dautphetaler Ortsteil Mornshausen will mit ihrem Fragebogen zum Thema Krebs „auf gar keinen Fall Ängste oder Unruhe auslösen“. Quelle: Christian Röder
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Mornshausen/D.

Ende März wurden in Mornshausen Fragebögen verteilt. Das Thema: Krebs. Die Initiatoren wollen nach ­eigenen Angaben „keine Ängste schüren oder Unruhe auslösen“. Es gehe in erster Linie darum, „dass geschaut werden soll, ob in Mornshausen im Vergleich zu anderen Ortschaften überdurchschnittlich viele Menschen an Krebs erkranken“, heißt es in dem Schreiben.

Der Hintergrund: Innerhalb von zehn Jahren erkrankten drei Kinder. Insgesamt gibt es in der Straße „Im Tal“ etwa 14 Krebsfälle im Laufe der Jahre. „Wir wissen auch, dass sonst im Dorf etliche Krebsfälle vorkamen“, heißt es weiter in dem Fragebogen. Deshalb wollen die Umfrage-Initiatoren klären, was der Hintergrund der vermeintlichen Häufung an Erkrankungen ist und ob eventuell schädliche Umwelteinflüsse vorliegen.

Hinweise auf mögliche Häufung

Die Verantwortlichen im Rathaus verweisen zunächst auf das Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf. „Bei derartigen Fragestellungen handelt es sich zweifellos um ein ernstes Thema, das professionell aufgearbeitet werden muss“, teilt ein Behördensprecher auf Anfrage mit. „Gerüchte und Mutmaßungen helfen hierbei ebenso wenig weiter wie eine Beunruhigung der Bevölkerung.“

Fakt ist, so heißt es aus dem Kreisgesundheitsamt, dass es Hinweise auf eine vermeintliche Häufung von Krebserkrankungen gibt. Das Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf gehe diesen ­Hinweisen „selbstverständlich“ nach und sammle derzeit weitere Daten und Informationen. Bis zum 6. April sollten deshalb die Mornshäuser Fragebögen bei den Initiatoren abgeben werden.

Die Behörde weist auch darauf hin, dass es mitunter „eine schwierige und auch langwierige Suche“ nach möglichen Hinweisen sein kann. Und: Das Gesundheitsamt stehe erst am Anfang dieses Prozesses. Bei den Analysen und Auswertungen arbeite das Gesundheitsamt eng mit der Gemeinde Dautphetal, mit dem Hessischen Krebsregister und dem Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt beim Regierungspräsidium in Gießen und mit Mornshausen zusammen.

Behörden suchen „belastbare Erkenntnisse“

Hinweise auf eine akute, unmittelbare Gesundheitsgefährdung haben die Fachleute des Gesundheitsamtes im beschriebenen Fall nicht. Und: Vermutungen zu einer vermeintlichen Häufung von Krebserkrankungen seien nicht selten.

„Bei aller, in Teilen nachvollziehbaren, Emotionalität ist eine sachliche Herangehensweise mit einer professionellen Beurteilung durch Fachleute wichtig. Diese Beurteilung beruht auf belastbaren medizinischen Erkenntnissen“, teilt Stephan Schienbein, Pressesprecher des Kreises mit.

Es gehe darum, auf der Basis anerkannter wissenschaftlicher Methoden die Sachaufklärung im Interesse der Bevölkerung voranzutreiben – und, falls erforderlich, auch Maßnahmen zum Gesundheitsschutz auf den Weg zu bringen.

Statistik: Jeder zweite Mensch erkrankt an Krebs

„Wichtig ist hierbei auch die Erkenntnis, dass nicht nur die Krebserkrankungen sehr unterschiedlich sind, sondern auch deren mögliche Ursachen. Krebs ist eine sehr häufige Erkrankung und statistisch betrachtet erkrankt etwa jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens an Krebs“, teilen die Experten des Gesundheitsamts mit. „Dies unterstreicht auch die Bedeutung, die das ­Gesundheitsamt diesem Thema beimisst und dass die Experten ­Fragen rund um dieses Thema sehr ernst nehmen.“

von Christian Röder

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