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"Typische Hinterländer Trinkgeschichte"

Vor Gericht "Typische Hinterländer Trinkgeschichte"

Teurer Kirmesbesuch für zwei Weifenbacher: Bei der Verhandlung vor dem Biedenkopfer Amtsgericht sprach Richterin Schweiger die Angeklagten der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig und verurteilte sie zu einer Geldstrafe.

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Zu viel Alkohol im Spiel: Nach einer Kirmesauseinandersetzung kam es zu leichten Verletzungen.

Quelle: Oliver Lang

Biedenkopf. Der ältere Angeklagte wurde zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro verurteilt - der Zweite zu einer Geldstrafe von 3200 Euro. Ferner müssen sie die Kosten des Verfahrens und die des Nebenklägers sowie die Auslagen der Zeugen zahlen. Bei der Urteilsbegründung hob die Richterin gestern hervor, dass das Gericht den Einlassungen des Nebenklägers gefolgt sei. Strafmildernd sei der hohe Alkoholkonsum zu berücksichtigen und dass die Akteure keinerlei Vorstrafen aufzuweisen hätten. Mit dem Schuldspruch wurde eine Auseinandersetzung am Festsonntag 2012 bei der Weifenbacher Kirmes geahndet. Laut der Beweisaufnahme war einer der Angeklagten zu später Stunde unter hohem Alkoholgenuss mit dem Nebenkläger aneinandergeraten.

Beide zu Boden gegangen

Im Zuge des Gerangels seien beide mit der Theke zu Boden gegangen. Nachdem das Gerangel beendet war, habe der zweite Angeklagte den am Boden liegenden Nebenkläger in den „Schwitzkasten“ genommen, bis dieser im Gesicht hochrot angelaufen sei. Nachdem sich am ersten Tag der Verhandlung durch die Anhörung von Zeugen keine Klärung des Falles ergeben hatte, versuchte man am zweiten Verhandlungstag durch weitere Zeugen Klarheit über den Ablauf in der Kirmessonntagnacht zu erhalten.

Fast alle Zeugen konnten sich nur sehr gering, manche gar nicht und manche nur bruchstückhaft an das Geschehen erinnern. So erklärte ein als Zeuge geladener Polizist, der zur fraglichen Zeit als Privatmann an der Kirmesfeier teilgenommen hatte, dass die Beteiligten einschließlich ihres Umfeldes doch sehr angetrunken und damit auch nicht ganz standhaft gewesen seien. Da die Aktion sehr schnell abgelaufen sei und sich die Kontrahenten sofort getrennt hätten, habe er keinen Anlass gesehen einzugreifen. Am ersten Verhandlungstag hatten jedoch, so die Einschätzung des Gerichtes, Zeugen die Tatvorwürfe des Nebenklägers bestätigt. Auch der Vertreter der Nebenklage betonte in seinem Plädoyer, dass die Auseinandersetzung unstreitig sei und er die Version der Angeklagten für nicht glaubwürdig erachtete - diese seien Schutzbehauptungen.

Ferner seien die Aussagen seines Mandanten durch die Zeugenaussagen bekräftigt worden. Der Vertreter der Nebenklage räumte ein, dass sein Mandant bei einem Arztbesuch gelogen habe. Damit habe er aber nur das Zusammenleben mit den beiden Angeklagten, die in derselben Straße in Weifenbach wohnen, nicht zu sehr belasten wollen. Aufgrund der Handverletzungen, die sich sein Mandant zugezogen hatte, und den Folgen des Würgens, forderte der Vertreter der Nebenklage eine Geldstrafe, bei der er die Höhe der Tagessätze in das Ermessen des Gerichtes stellte. Ferner forderte er, dass die Angeklagten die Kosten des Verfahrens und die der Nebenklage zu übernehmen hätten.

Wenig Beweise

Die Verteidiger der beiden Angeklagten sahen dies deutlich anders und betonten, dass ein genauer Tathergang auf Grund der Aussagen der Beteiligten und Zeugen nicht mehr darstellbar sei. Ferner sei nicht genau zu klären, woher die Schnittverletzungen an der Hand herrührten. Auch könne sich keiner der Zeugen an eine Ohnmacht oder dergleichen erinnern, die der Nebenkläger in seiner Aussage beschrieben habe.

Als eine „typische Hinterländer Trinkgeschichte“ ordnete sein Anwaltskollege die Vorkommnisse bei der Kirmes ein. So könne man nur die subjektiven Wahrnehmungen der Zeugen bewerten, die durch den schnellen zeitlichen Ablauf zusätzlich erschwert seien. Auch wies er auf die, nach seiner Ansicht, wiederholten Lügen des Geschädigten hin.

Da die „undurchsichtige Lage“ und die ungenauen Beweise keine Klärung des Tatherganges ergeben hätten, plädierten beide Verteidiger auf Freispruch mangels Beweisen. Einer der Angeklagten sprach dem Nebenkläger sein Bedauern über die Verletzungen aus.

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